Durch den Pflegedschungel

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Gießen (pm). Viele Menschen versuchen, das Thema Pflege so spät wie möglich anzugehen. Für Betroffene und ihre Angehörigen ist das Thema oft mit viel Unsicherheit verbunden. Es scheint zu bürokratisch und unangenehm zu sein, sich mit Pflegebedürftigkeit zu beschäftigen. Vielen Betroffenen ist nicht einmal bewusst, dass sie Anspruch auf Leistungen hätten.

»Aber auch wer sich nicht sicher ist, ob ihm Pflegegrad 1 zusteht, kann einen Pflegeantrag stellen«, sagt Nuray Aslan-Lechner, Beraterin der Beratungs- und Koordinierungsstelle für ältere und pflegebedürftige Menschen (BeKo). »Zwar erhalten Menschen mit Pflegegrad 1 kein Pflegegeld oder Pflegesachleistungen, doch sie haben Anspruch auf eine ganze Reihe von weiteren Angeboten, zum Beispiel Pflegehilfsmittel, Zuschuss zur Wohnraumanpassung oder die Betreuungs- und Entlastungsleistungen«, sagt Aslan-Lechner.

Um eingestuft zu werden, muss bei der Pflegekasse ein Pflegegrad beantragt werden. Anschließend erhält der Versicherte einen Termin für den Besuch eines Gutachters des Medizinischen Dienstes (MDS). Bei der Begutachtung geht es vor allem um die Selbständigkeit. Es wird geprüft, ob der Versicherte sich im Alltag versorgen und seinem Tagesablauf nachgehen kann. Der Gutachter erfasst auch weitere Bereiche, etwa wie mobil die Person ist, ob sie sich gut erinnert und Gespräche führen kann. Die Einstufung erfolgt auf Grundlage eines Punktesystems. Je selbständiger die Person ist, desto weniger Punkte werden angerechnet.

Beratungsstelle bietet Hilfe

»Für viele Menschen ist ein Antrag auf Unterstützung bei der Pflegeversicherung kompliziert und undurchsichtig«, berichtet Aslan-Lechner. »Wir helfen dann bei der Antragstellung und geben Orientierung durch den »Pflegedschungel«. Laut einer Umfrage des Sozialverband VdK Hessen-Thüringen zum Thema häusliche Pflege brauchen viele pflegende Angehörige mehr Unterstützung, und es fehlen wichtige Informationen über Hilfsangebote. Dass es die Möglichkeit einer Reha für pflegende Angehörige gibt, wussten beispielsweise fast 60 Prozent der Befragten nicht, den Entlastungsbetrag kannten über ein Drittel nicht.

»Jeder kann völlig unverbindlich Kontakt zu uns aufnehmen«, so Aslan-Lechner. »Für die Senioren und ihre Angehörigen eröffnen sich oft Möglichkeiten, die sie vielleicht vorher nicht kannten.«

Bei Fragen können sich Interessierte bei der BeKo melden. Man erreicht die BeKo von Montag bis Freitag ab 8.30 Uhr unter 0641/9790090 oder per Mail seniorenberatung@beko-giessen.de. Die Beratung ist kostenlos. Die BeKo befindet sich in der Kleinen Mühlgasse 8 und arbeitet eng mit dem Pflegestützpunkt zusammen, der sich in den gleichen Räumen befindet.

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