Bei Verdi spielt zwar nicht diese, aber eine andere Treppe die Metapherrolle (v. l.): Georg Rootering, Lukas Noll, Florian Ludwig und Musikdramaturg Samuel C. Zinsli. FOTO: MERZ
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Bei Verdi spielt zwar nicht diese, aber eine andere Treppe die Metapherrolle (v. l.): Georg Rootering, Lukas Noll, Florian Ludwig und Musikdramaturg Samuel C. Zinsli. FOTO: MERZ

Die dunkle Seite

  • Manfred Merz
    vonManfred Merz
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Gießen(mm). Es geht um Aufstieg, Macht und Tod. Und um reichlich Wahnsinn. Viel Blut fließt, wenn das Düstere die Bühne erklimmt. Giuseppe Verdis Shakespeare-Oper "Macbeth" gilt als eindrucksvolle Charakterstudie. Sie eröffnet in einer eigens erstellten Orchesterfassung von Arno Waschk die Corona-Musiktheater-Spielzeit im Stadttheater. Regie führt Georg Rootering, der am Berliner Platz vor drei Jahren mit seiner makabren Schnittke-Inszenierung "Leben mit einem Idioten" aufhorchen ließ.

Premiere im Großen Haus ist am morgigen Samstag um 19.30 Uhr. Lediglich gut 100 Maske tragende Zuschauer sind pandemiebedingt zugelassen - dennoch eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass es sich bei Opernbesuchern in der Regel um die Hochrisikogruppe der Senioren handelt.

Elf Freunde sollt ihr sein, heißt es nicht nur im Fußball. Auch die Mannschaft von Generalmusikdirektor Florian Ludwig addiert sich im Orchestergraben wegen Corona gerade mal zu einem elfköpfigen Kammerorchester ohne Auswechselspieler. Neben den von Verdi geforderten Instrumenten kommt auch ein Akkordeon zum Einsatz. Das klingt bekanntlich immer etwas schummrig-delikat, was Ludwig auf Nachfrage während der Pressekonferenz augenzwinkernd so kommentiert: "Etwas schmutzig sollte es beim finsteren ›Macbeth‹ schon sein."

Das Lob des Generalmusikdirektors gilt allen Beteiligten. "Unsere Musiker sind solistisch extrem gefordert, da jede Stimme nur von einem Instrument gespielt wird." Das bürgt für einen ungewohnt transparenten Sound, bei dem die kleinsten Ungenauigkeiten sofort zu hören sein werden.

Ludwig hält das Hygienekonzept des Theaters für schlüssig (sämtliche Mitarbeiter sind auf Corona getestet), anerkennt den Ehrgeiz aller Beteiligten und die Tatsache, dass etwa bei den Proben die Sänger sechs Meter Abstand zu den übrigen Beteiligten einzuhalten hatten - gefährliche kleinste Partikel in der Luft, sogenannte Aerosole, die beim lauten Singen verstärkt ausgestoßen werden, lassen hier viral grüßen. Und der Chor? "Der ist zahlenmäßig halbiert", sagt Regisseur Rootering. "Aber er klingt unglaublich." Der Profichor des Hauses liebt bekanntlich die Herausforderung.

Rootering erzählt in "Macbeth" die Tragödie des schlechten Gewissens, eine Geschichte über menschliche Gier und Verlust vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die sich im Krieg befindet. Die gewittrige Stimmung der Oper spiegelt sich in dem Bühnenbild von Lukas Noll mit großem Seziertisch in der Mitte und einer Art hochgeschraubter Wendeltreppe des Todes - ein Schicksalsraum.

Die dunkle Seite der Macht ist schon zu Beginn am Werk. Die Feldherren Macbeth und Banco treffen im schottischen Hochmoor unverhofft auf Hexen, die Macbeth die Königswürde prophezeien. Lady Macbeth ermutigt ihren Gatten danach zum Königsmord. Weitere Opfer werden fällig, während das Killerpärchen, vom schlechten Gewissen geplagt, nach und nach in den eigenen Tod getrieben wird. Bariton Grga Peroš gibt den Titelhelden, die Rolle der Lady Macbeth übernimmt Katrin Kapplusch. Zum ersten Mal zu Gast sind der Bass Matthew Anchel aus New York als Banco und der gebürtige Brasilianer Ewandro Stenzowski als Macduff.

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