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Drogenszene weicht aus

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Von: Burkhard Möller

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Die Polizei übt rund um den Gießener Bahnhof Druck auf Gauner und Rauschgiftsüchtige aus. Ihre starke Präsenz zeigt Wirkung. Nun weicht die Drogenszene aus.

Am vergangenen Freitagmittag unterhalb der neuen Wohnblocks am Güterbahnhof: Eine Polizeistreife führt auf dem Platz oberhalb der Eisenbahnunterführung eine Personenkontrolle durch. »Haben Sie Drogen oder Waffen dabei?«, fragt einer der beiden Beamten, ehe er die nächste Person aus der Dreiergruppe durchsucht. Dabei wird eine geringe Menge Drogen gefunden und sichergestellt. Es ist kein Einzelfall an diesem Ort hinter dem Wendehammer der neuen Sieboldstraße. »So etwas kommt dort nicht ständig vor, aber wir beobachten schon, dass die Szene vor der starken Polizeipräsenz am Bahnhof in die Umgebung ausweicht«, erklärt Polizeisprecher Jörg Reinemer.

Ein Redakteur der Stadtredaktion der Gießener Allgemeinen hatte die Personenkontrolle beobachtet, als er sich in der Gegend umschaute. Grund: Beschwerden von Anwohnern der neuen Häuser am Güterbahnhof. Am Ende der Sieboldstraße werde in kleineren Gruppen gedealt und getrunken, manchmal ließen sich die Leute auch auf den Treppen vor den Hauseingängen nieder, berichtete eine Anruferin.

Auch im »Mängelmelder« auf der Internetseite der Stadt ist die Umgebung der schmuddeligen Eisenbahnunterführung ein Thema. »Große Berge von Müll auf und unter der Unterführung. Viele Ratten und seltsame Personen«, trug da jemand Ende April unter dem »#5096 Unterführung Sieboldstraße/Bahnhofstraße« ein. Dies führte offenbar dazu, dass das Stadtreinigungsamt einen Graben unterhalb der Treppe, in dem sich viel Unrat, darunter gebrauchte Spritzen, angehäuft hatte, ausräumte.

Polizei bittet: 110 anrufen

Polizeisprecher Reinemer sagte, man habe die Entwicklung an dieser Stelle oder auch hinter dem neuen Parkhaus am Vorplatz im Auge und beziehe diese Orte in die Überwachung des Bahnhofsgebiets ein. »Wir und die Bundespolizei sind da schon sehr präsent. Da wird natürlich versucht, auf andere Plätze in der Nähe auszuweichen.« Sollten Anwohner oder Passanten zum Beispiel mitbekommen, dass Drogengeschäfte abgewickelt werden, könnten sie den polizeilichen Notruf 110 wählen und ihre Beobachtung schildern, sagte Reinemer.

Das Bahnhofsgebiet gilt als Kriminalitätsschwerpunkt in Gießen und wird deshalb künftig wahrscheinlich gemäß dem hessischen Polizeigesetz in die Videoüberwachung einbezogen. Standort der Kamera wird wohl der neue Vorplatz sein. Die Polizei hatte erst vor einigen Wochen in ihrer Kriminalstatistik für 2016 von einer Steigerung bei der Drogenkriminalität am Bahnhof berichtet. Die steigenden Fallzahlen seien auch auf den erhöhten Kontroll- und Fahndungsdruck zurückzuführen. Allein 143 der insgesamt 821 Drogendelikte in Stadt und Kreis wurden am Bahnhof registriert, wobei es vor allem um Konsumentendelikte wie Erwerb und Besitz von Rauschgift ging.

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