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In der Nordstadt an der Käthe-Kollwitz-Schule gibt es immer wieder Probleme mit Jugendlichen. FOTO: SCHEPP

Drogenreste auf dem Pausenhof

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In der Nordstadt kämpfen Kita, Käthe-Kollwitz-Schule und die Thomasgemeinde gemeinsam gegen störende Jugendliche und deren Drogenkonsum.

Wodkaflaschen, Überbleibsel von Shisha-Partys oder sogar Hinweise auf Drogenkonsum haben vor einer Kita nichts zu suchen. Rund um die "Schatzinsel" im Holbeinring sieht man dies aber immer wieder. Das gleiche gilt auf dem Pausenhof der benachbarten Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) sowie auf dem Gelände der angrenzenden Thomasgemeinde. Auch Vandalismus sei mitunter ein Thema, berichteten Vertreter der Einrichtungen und einige Anwohner am Mittwochabend im "Nordtalk".

"Man hört die und man bekommt das natürlich mit." So lautete der scheinbar harmlose erste Kommentar einer Bürgerin zu dem Reizthema. Was dahinter steckt, erklärte Katja Rieb, Küsterin der evangelischen Kirchengemeinde. Seit einigen Jahren träfen sich auf dem Gemeindegrundstück vor allem abends regelmäßig Jugendliche, etwa um Wasserpfeife zu rauchen und Alkohol zu trinken. "Zeitweise haben die da sogar gedealt", sagte Rieb und berichtete von mehreren Einsätzen der Polizei. Zurückblieben tags darauf meist Unrat, Flaschen - und manchmal auch eingetretene Mülleimer.

Vertrieben Ordnungshüter oder resolute Anwohner die Störenfriede, dann ließen die sich anderswo nieder.

Tatsächlich berichteten ihm Vertreter der Kita und der Grundschule von den gleichen Erfahrungen, sagt Stadtteilmanager Lutz Perkitny. Am Nordstadtzentrum in der Reichenberger Straße gebe es zwar "ähnliche Schwierigkeiten". Doch sei dort "die Kontrolle durch die Anwohner stärker". "Es hilft nur der Vertreibungsdruck", meinte auch KKS-Leiter Florian Krauß. "Fast täglich" finde er Scherben, nicht selten "Zeichen für Drogenkonsum wie alte Joints" auf dem Pausenhof.

Als ersten Schritt, um die Lage zu verbessern, präsentierten Perkitny und einige Mit-initiatoren das Mitte Januar an der KKS eingerichtete "Themenbezogene Eltern-Café". Ähnlich einem kleinen Familienzentrum solle es den ohnehin verbesserungswürdigen Kontakt zu den Nordstadtbewohnern östlich der Marburger Straße intensivieren, erläuterte Perkitny. Geöffnet ist das Café immer donnerstags zwischen 12 und 13 Uhr, beteiligt sind das Jobcenter, die Werkstattkirche, die Aktino-Sozialberatung und andere Organisationen. Gemeinsames Ziel sei die "Stärkung des Sozialraums an der Käthe-Kollwitz-Schule", schreibt das Stadtteilmagazin "Nordlicht" zur Premiere.

Pausenhof nicht einzäunen

Der Zusammenhang zwischen Vandalismus und Drogenkonsum sowie dem neuen Beratungsangebot ist also ein indirekter. "Das sind erst einmal Dinge, die man leichter machen kann", betonte Ulrich Müller vom Kirchenvorstand der Thomasgemeinde. Es gehe zunächst darum, "eine Präsenz aufzubauen". Perkitny ergänzte, dass auch der Kontakt zu Jugendamt und Ordnungsbehörden in dieser Angelegenheit fortlaufend bestehe, und er äußerte die Hoffnung: "Vielleicht können wir die Eltern im Viertel über so ein niedrigschwelliges Angebot nach und nach für unser Anliegen gewinnen."

Die Bürger plädierten besonders für einen interkulturellen Charakter des Cafés. Und sie regten an, über Quartiersfeste mehr Zusammenhalt zu schaffen. "Mir fehlen Treffpunkte, die Spaß machen", brachte eine junge Frau den Gedanken auf den Punkt. Rieb und Krauß erzählten zwar, momentan etwas weniger Scherereien mit den verhaltensauffälligen Jugendlichen zu haben. Dies sei jedoch lediglich durch die Jahreszeit bedingt. Einstweilen lasse sich das Problem mit neuen Beratungsangeboten, Zivilcourage und der Hilfe der Polizei wohl nur mildern, aber nicht lösen, resümierte der KKS-Direktor. Einzäunen wolle er den Pausenhof auf keinen Fall: "Wir sind eine offene Schule und werden die Kinder hier nicht einsperren."

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