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Frau soll kiloweise Drogen aus Spanien nach Pohlheim geschmuggelt haben

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Von: Constantin Hoppe

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Eine Polizistin hält kleine Tütchen mit Marihuana in den Händen. Eine Frau aus Spanien soll mehrere Kilogramm der Droge nach Pohlheim geschmuggelt haben. Nun steht sie in Gießen vor Gericht.
Eine Polizistin hält kleine Tütchen mit Marihuana in den Händen. Eine Frau aus Spanien soll mehrere Kilogramm der Droge nach Pohlheim geschmuggelt haben. Nun steht sie in Gießen vor Gericht. © Christophe Gateau/dpa/Symbolbild/Archiv

Eine Frau aus Sevilla soll den Transport großer Drogenmengen in den Raum Gießen eingeleitet haben. Nun muss sie sich dafür erklären.

Gießen/Pohlheim - Seit fast einem halben Jahr ist die 37-Jährige von ihrer anderthalb Jahre alten Tochter getrennt. Das macht ihr zu schaffen, das sieht man ihr auch an. Statt ihre Tochter im Arm zu halten, sitzt die Spanierin auf der Anklagebank des Landgerichts in Gießen. Die Anklage lautet auf Beihilfe zum illegalen Handel mit Betäubungsmitteln. Die Frau soll im Jahr 2018 dabei geholfen haben, 50 Kilogramm Marihuana aus Spanien nach Deutschland zu schmuggeln. Am Dienstag (19.04.2022) startete das Verfahren vor der 5. Großen Strafkammer.

Immer wieder gleitet der Blick der Frau während des ersten Verhandlungstages zu Boden. Sie wirkt eingeschüchtert, verbirgt ihr Gesicht hinter ihren Händen. Doch sobald sie anfängt zu reden, tut sie das mit viel Elan und berichtet ausführlich zu den Vorwürfen und ihrer Motivation, sich an dem Drogenhandel zu beteiligen. Dabei spricht die Frau mehrfach so schnell und ausführlich, dass ihr Dolmetscher nicht mehr hinterherkommt.

Pohlheim/Gießen: Drogendealerin wollte offenbar schnelles Geld machen

»Ich weiß, dass klingt furchtbar, aber da, wo ich herkomme, ist der Drogenhandel etwas ganz Normales«, erzählt sie. »In dem Stadtviertel von Sevilla, in dem ich aufgewachsen bin, geht es den Leuten meist schlecht. Der Drogenhandel ist eine der wenigen Möglichkeiten, seine Lebensumstände zu verbessern.« Sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter verbüßten Haftstrafen wegen Drogenhandels. »Ich habe vor diesen Taten nie etwas Illegales getan. Aber ich weiß, wie man in der Szene spricht und wie ein Drogenhandel abläuft.«

Ende des Jahres 2017 kam es dann zu einem Kontakt mit dem Vogelsberger P. Dieser war im Urlaub in Spanien. »Er wollte sich mit meiner Mutter treffen und fragen, ob sie Kontakte zur Drogenszene für ihn herstellen könnte«, berichtet die Angeklagte.

P. sagte, »dass seine Firma finanzielle Probleme hätte und er schnell an Geld kommen müsse.« Die damals bereits schwerkranke Mutter konnte dies jedoch nicht mehr. Doch die Angeklagte witterte ihre Chance, schnell an Geld zu kommen - auch sie hatte zu dieser Zeit finanzielle Probleme. »Ich sagte P., dass ich Bekannte ansprechen würde, ob jemand die entsprechenden Kontakte hat.« Kurz darauf hatte sie einen Händler gefunden. Mit 50 000 Euro, die ihr P. überließ, leitete sie sowohl den Kauf als auch den Transport von 20 Kilogramm Marihuana nach Deutschland ein. 2000 Euro erhielt sie dafür.

Vor dem Landgericht in Gießen muss sich eine 37 Jahre alte Spanierin verantworten. Sie soll beim Transport von 50 Kilogramm Marihuana nach Pohlheim geholfen haben.
Vor dem Landgericht in Gießen muss sich eine 37 Jahre alte Spanierin verantworten. Sie soll beim Transport von 50 Kilogramm Marihuana nach Pohlheim geholfen haben. © Kays Al-Khanak

Pohlheim/Gießen: Drogensäcke auf Gartengrundstück versteckt

Trotz ihrer wenigen Erfahrungen in der Szene beschreibt sich die Angeklagte als recht professionell: Sie kontrollierte das Abwiegen und Verladen der Drogen und markierte die Päckchen, damit später ihre Beteiligung nachgewiesen werden konnte. Danach wurden die Betäubungsmittel im März 2018 mit einem Pick-up-Truck nach Deutschland überführt. Genauer gesagt nach Pohlheim (Kreis Gießen), wo die Säcke mit den Drogen auf einem Gartengrundstück eingelagert wurden.

»P. war von der Qualität des Marihuanas begeistert und erzählte mir am Telefon, dass alles perfekt funktioniert hätte.« Zudem seien zehn Kilogramm Marihuana mehr geliefert worden als vereinbart war.

Im Oktober 2018 kam es dann zu einer weiteren Kontaktaufnahme. P. wollte ein weiteres Geschäft anleiern. Für weitere 50 000 Euro sollten erneut 20 Kilogramm Marihuana nach Deutschland gebracht werden. Alles lief nach dem bereits erprobten Schema ab. Diesmal aber mit Problemen, denn das gelieferte Marihuana war von sehr schlechter Qualität und fand kaum Abnehmer. Das führte zu Streit unter den Beteiligten. Weitere Geschäfte blieben aus.

Pohlheim/Gießen: Drogenhändlerin sitzt erst seit Oktober 2021 ein

Die Polizei kam den Dealern durch eine Telefonüberwachung auf die Schliche: Einer der Beteiligten war den Ermittlern bereits länger bekannt. Im Zuge von Observationsmaßnahmen und einer Telefonüberwachung flog der Drogenhandel auf. Dabei geriet auch die Angeklagte in den Fokus. »In einem Telefonat kündigte P. an, dass hoher Besuch aus Spanien erwartet werden würde«, sagte der zuständige Ermittlungsführer als Zeuge vor Gericht. Kurz darauf holte P. die Angeklagte am Frankfurter Flughafen ab und fuhr mit ihr auf das Gartengrundstück bei Pohlheim. Trotz des Telefonats geht die Polizei jedoch nicht von einer größeren Rolle der Angeklagten im Tatablauf aus.

Das die 37-Jährige erst jetzt, dreieinhalb Jahre nach der Tat, im Gericht sitzt, ist dem aufwendigen Verfahren geschuldet. Die meisten Verhandlungen zu dem Gesamtkomplex fanden in Frankfurt statt. Da die Angeklagte jedoch lediglich im Bezug zu Pohlheim auftrat, ist das hiesige Landgericht zuständig. Zudem musste die Frau erst per Haftbefehl aus Spanien nach Deutschland gebracht werden. Seit dem 29. Oktober des vergangenen Jahres befindet sie sich in einer Zelle der JVA Gießen.

Wann sie wieder zurück nach Spanien kann, steht nicht fest. Im Falle einer Verurteilung droht ihr, wie den anderen Tatbeteiligten, eine mehrjährige Haftstrafe in Deutschland. Der Prozess wird fortgesetzt. (Constantin Hoppe)

Erst vor wenigen Tagen flogen im Raum Gießen die nächsten mutmaßlichen Drogendealer auf. Bei Durchsuchungen in und um die Kreisstadt herum sowie im Vogelsbergkreis fanden Ermittler Betäubungsmittel im Wert von rund 30.000 Euro.

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