Frank Warnke, Kai Picker, Nicole Badila und Burkhard Mayer harmonieren bestens. FOTO: AXC
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Frank Warnke, Kai Picker, Nicole Badila und Burkhard Mayer harmonieren bestens. FOTO: AXC

Dreimal sechs Saiten und mehr

  • vonAxel Cordes
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Viel Jazz, dazu Funk, afrikanische Klänge und auch mal etwas fürs Herz: Die zweite Gießener "Gitarrenschlacht "im Ulenspiegel bot den Gästen einiges.

Es muss den Herren Gitarristen wohl richtig Spaß gemacht haben, als sie vor fast zwei Jahren an gleicher Stelle mit dreimal sechs Saiten zur Gitarrenschlacht antraten, die dann aber doch - auch für die Instrumente - einen friedlichen Ausgang nahm. Jedenfalls wiederholten sie das nur scheinbar martialische Unternehmen nun in leicht veränderter Besetzung und mit ein paar Neuerungen im Repertoire.

Die fünfsaitigen E-Bässe - einer davon bundlos wie ein Kontrabass - spielte diesmal die Gießener Basslehrerin Nicole Badila, das gut bestückte Schlagzeugset bediente wiederum in gewohnt kraft- wie fantasievoller Manier Johannes Langenbach. An den E-Gitarren Frank Warnke, Kai Picker und Burkhard Mayer - allesamt immer wieder gern gesehene und vor allem gehörte Saitenhexer der Gießener Szene. Mayer moderiert den Abend bestens gelaunt: "Die Sechzehntel müssen raus."

Der Begriff "Gitarrenschlacht" bezieht sich wohl doch nur auf die Masse von Gitarren in der Band, denn bis auf zwei etwas härtere Stücke mit Wah-Wah-Pedal und anderen Rock-Ingredenzien ist nichts dabei, was den Ohren oder den Verstärkern irgendwie Gewalt antun könnte. Im Großen und Ganzen bekommen die zahlreichen Fans Jazzrock in veränderlichen Gewichtsanteilen und Geschmacksanteilen geboten: mal gewisse Funkeinflüsse - wofür Nicole Badilas knalliger Slapbass die ideale Grundlage liefert -, mal "was fürs Herz" wie in Kai Pickers schwelgerischem Countrywalzer "Deep Creek Waltz", der nicht zufällig an den "Tennessee Waltz" erinnert. Auch Frank Warnkes "Zazu" mit seinem afrikanischen Rhythmus und Kai Pickers Standardbearbeitung "Der Schokoprinz" sind wieder im Programm. Warnke entlockt seiner Gitarre bzw. den angeschlossenen Effektgeräten dazu auch mal einen Streicher-/Keyboardteppich. Es gibt wunderbar verwobene Gitarrenläufe wie in Pickers "Cicero" oder ein fast therapeutisches Mayer-Solo in Warnkes "Six Months". Derselbe Burkhard Mayer, der sonst meist eine halbakustische Jazzgitarre spielt, lässt es in Warnkes "Gerald the GB" auch mal richtig hartrockend krachen.

Neues gibt es natürlich auch, etwa Badilas unbeschwert tänzelnde Samba "Lost and Found" mit temperamentvoll-mupfigem Bass und einem mitreißenden Schlagzeugbreak - oder Mayers "Café Bonbon", eine höchst unterhaltsame Mischung aus Jazz und Reggae mit Dubeffekten aus allen Rohren bzw. Saiten. Eine nervös-treibende Nummer von Mayer mit quirligem Bass, luftigen Gitarren und einer ganz leisen Warnke-Passage beendet dieses Fest für Gitarrenfreaks, aber natürlich schickt die Band die Fans nicht ohne Kai Pickers Lieblings-Rausschmeichler nach Hause: eine Charlie Haden-Bearbeitung von Dvoráks Neunter - hier getragen von dreifacher Slidegitarre. Einfach wunderbar.

Die Konzerte der Jazzinitiative Gießen im Ulenspiegel finden immer am ersten Mittwoch des Monats (außer August) statt, als Nächstes am 4. März mit dem Manfred-Becker-Ensemble. Näheres unter www.jazzig.de

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