Das Ehepaar Strippling ist glücklich mit seinen sieben Kindern. Einfach ist der Alltag aber ganz und gar nicht. 
+
Das Ehepaar Strippling ist glücklich mit seinen sieben Kindern. Einfach ist der Alltag aber ganz und gar nicht. 

Mehrlinge aus Gießen

Die dreifache Zwillingsfamilie aus Gießen

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Manche Eltern klagen schon bei einem Kind über Stress. Stripplings aus Gießen-Wieseck können darüber nur lachen. Sie haben sieben Kinder, sechs davon sind Zwillinge.

Eugenia Stripplings Vorfahren sind schuld. Davon ist die Wieseckerin überzeugt "Meine Uroma hatte schon Zwillinge. Eigentlich wäre dann meine Mutter oder eine ihrer Schwestern dran gewesen", sagt die 34-Jährige und lacht. Stattdessen habe sie es doppelt abbekommen. Genau genommen sogar dreifach. Schließlich hat Eugenia Strippling in den vergangenen neun Jahren dreimal zweieiige Zwillinge auf die Welt gebracht. Nimmt man noch die erstgeborene Tochter hinzu, tummeln sich im Haus der Familie regelmäßig sieben Kinder. Oder, wie es die Mutter formuliert: "Hier ist immer Action."

Auf die Geburt von Anastasia im Jahr 2006 folgte fünf Jahre später das Zwillingspärchen Xenia und Sophia. "Damals haben wir uns sehr gefreut", erinnert sich die Mutter. 2018, als Michael und Katharina das Licht der Welt erblickten, war die Freude bei den Eltern ebenfalls groß. "Allerdings mussten wir bei der Ankündigung, dass es wieder Zwillinge werden, erst mal schlucken."

Eugenia und Peter Strippling hatten danach mit der Familienplanung abgeschlossen - doch die Familienplanung nicht mit ihnen. Die Wiesckerin wurde wieder schwanger, wieder zeigte der Ultraschall zwei Herzschläge an. "Das war ein Schock", räumt die Mutter ein. Aber spätestens, als Maxim und Alexander in ihren Armen lagen, waren die Sorgen vergessen.

Trotzdem: Der Alltag mit sieben Jungen und Mädchen, davon vier Kleinkinder, kommt einer Herkulesaufgabe gleich. "Es geht schon frühmorgens los, wenn bei vier Kindern die Windeln gewechselt werden müssen", sagt die Mutter. Dann umziehen, Zähne putzen, Frühstück vorbereiten, Wäsche machen, Mittagessen, einen Teil der Horde ins Bett bringen, bei den Hausaufgaben helfen, wenn die Kleinen es zulassen, mit den Größeren etwas unternehmen, Abendessen, ins Bett bringen. Eugenia Strippling lacht: "Das wars auch schon."

Ohne Hilfe wäre dieses Pensum nicht zu stemmen, zumal Peter Strippling als Zerspanungsmechaniker das dringend benötigte Geld heranschaffen muss. "Meine Mutter wohnt nicht weit entfernt, sie hilft, wo sie kann", sagt Eugenia Strippling. Auch ihre Schwester und Freunde würden bei der Betreuung unter die Arme greifen. Die größte Unterstützung sei aber die 13-jährige Tochter Anastasia. "Sie packt mit an, auch beim Wickeln und Füttern. Wir sind sehr froh, dass wir sie haben", sagt die Mutter. Und fügt hinzu: "Vor allem jetzt."

Älteste Tochter ist die größte Hilfe

Die Corona-Pandemie macht vielen Eltern zu schaffen. Kindergärten und Schulen sind teils noch geschlossen, die Kinderbetreuung muss selbst in die Hand genommen werden. "Wir beschäftigen die Kids so gut es geht", sagt Eugenia Strippling. Wir machen Spieleabende, arbeiten zusammen im Haushalt und gehen in den Garten." Aber natürlich drohe den Kindern die Decke auf den Kopf zu fallen. "Es gibt auch mal Zoff, weil wir nicht so rausgehen können wie sonst."

Vor allem die älteren Kinder würden darunter leiden, zumal sie durch die vier Jüngsten ohnehin manchmal das Gefühl hätten, zu kurz zu kommen. "Wir waren vor Corona daher häufiger mal im Schwimmbad oder im Freizeitpark, damit sich nicht alles immer um die Kleinen dreht. Leider geht das jetzt nicht mehr."

Zwillinge sind selten. Dreimal nacheinander Zwillinge zu bekommen, grenzt an ein Wunder. Vielleicht sollte die Familie bei ihrer Treffsicherheit anfangen, Lotto zu spielen. Das Geld könnte sie gut gebrauchen.

"Natürlich ist die finanzielle Belastung sehr groß", sagt Eugenia Strippling. "Allein, was wir schon für Windeln und Nahrung ausgeben." Außerdem hat die Familie vor zwei Jahren ein Haus gekauft, das abbezahlt werden will, und in das derzeitige Auto passen auch nicht alle Familienmitglieder hinein.

Aber die Eltern klagen nicht. Vielmehr freuen sie sich über ihr Glück. "Irgendwann werde ich auch wieder Schlaf bekommen", sagt die Mutter lachend. Und fügt hinzu: "Für kein Geld der Welt würde ich eines der Kinder hergeben."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare