Die dreifache Vision

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Was bringt uns die Zukunft? Eine Menschmaschine? Choreograf Tarek Assam stellt in seinem Tanzstück "Metropolis – Futur drei" Fragen und gibt Antworten. Premiere ist am Samstag im Stadttheater.

Ein Liebespaar trifft in der futuristischen Zweiklassengesellschaft auf dampfende Maschinen und eine Roboterfrau – Fritz Langs monumentaler Stummfilm "Metropolis" aus dem Jahr 1927 gilt mit seiner düsteren Zukunftsvision als abendfüllender Science-Fiction-Klassiker. Tanzdirektor Tarek Assam hat sich im Stadttheater des Themas angenommen und daraus ein eigenes Stück kreiert: "Metropolis – Futur drei". Die choreografierte Zeitreise feiert mit der Tanzcompagnie Gießen am kommenden Samstag, 2. Februar, um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere.

"Langs visionärer Stummfilm entwirft eine Welt, die von dämonischen Maschinen abhängt und am Ende durch einen fehlgeleiteten Roboter untergeht", sagt Assam beim Pressegespräch im Theater. Inspiriert durch den Film, tritt die Tanzcompagnie eine ungewöhnliche Tour de Force an. In drei Akten reflektiert sie eine vergangene, eine heutige und eine womöglich zu erwartende Vision von Zukunft.

In Futur eins zeigt der Choreograf in Anlehnung an den "Metropolis"-Film, wie der Mensch vor hundert Jahren sein maschinenbetriebenes, elekrifiziertes Zeitalter konzipierte. Futur zwei betrachtet aus heutiger Sicht den (vermeintlichen) digitalen Fortschritt in spe, während Futur drei in einem kurzen Statement skizziert, wie sich künftige Generationen die Welt ihrer Kinder einmal vorstellen könnten.

Künstliches Leben heißt das Stichwort. Seit der Antike geistert dieser Mythos durch Literatur und Kunst. "Das Verlangen nach Selbstoptimierung durch technische Apparate gewinnt seit dem 19. Jahrhundert eine neue Brisanz und mediale Aufbereitung", betont Tanzdramaturg Johannes Bergmann während der Matinee am Sonntag, in der die Tänzer bereits fünf Ausschnitte aus der neuen Produktion zum Besten geben. Letztlich geht es auch um Evolution.

Das Münchner Komponistenkollektiv 48nord hat dazu die Musik komponiert. Nach der Vertonung des antiken blutrünstigen "Titus Andronicus – Ein Machtspiel" (2017) und des fernöstlich gestimmten Tanzabends "Cross!" (2018) haben sich die drei Sound-Bastler Ulrich Müller, Siegfried Rössert und Patrick Schimanski nunmehr einem Zukunftsspektakel gewidmet. Entstanden ist eine rumorende Partitur, die Kapellmeister Martin Spahr hegt und pflegt. Klanglich schwimmt 48nord weiter auf der rhythmisch-pulsierenden Elektronikwelle, die sich die Stummfilmmusik des frühen Science-Fiction-Genres zunutze macht und sie weiterentwickelt. Unter der Leitung von Spahr wird die achtköpfige Band "transformation" bei allen Vorstellungen live spielen.

Auch die Ausstatter des Stücks sind alte Bekannte. Bühnenbildner Fred Pommerehn hat den Tanzparcours "metallisch" gezeichnet, die kontrastreichen Kostüme stammen aus der kreativen Feder von Gabriele Kortmann. Das Team Kortmann/Pommerehn/Assam arbeitet bereits zum elften Mal zusammen. Weitere Vorstellungen über die Entwicklungschancen des Menschen in einer Zeit des rasanten wissenschaftlich-technischen Fortschritts sind am 22. Februar, 8. und 17. März, 7. April, 17. Mai sowie am 9. Juni, jeweils um 19.30 Uhr.

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