Drei Fragen an Prof. Michael Franz

  • Armin Pfannmüller
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Auf eine gelungene Mischung aus Information und Comedy dürfen sich Besucher der Kongresshalle am Mittwochabend freuen. Das vor Kurzem gegründete Bündnis gegen Depression in Gießen lädt für 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) zu seiner Auftaktveranstaltung mit Comedyprogramm ein. Im GAZ-Interview berichtet Prof. Michael Franz als Vorsitzender des Bündnisses über unnötige Schamgefühle, die Versorgung depressiver Patienten und das Programm am Mittwochabend.

Auf eine gelungene Mischung aus Information und Comedy dürfen sich Besucher der Kongresshalle am Mittwochabend freuen. Das vor Kurzem gegründete Bündnis gegen Depression in Gießen lädt für 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) zu seiner Auftaktveranstaltung mit Comedyprogramm ein. Im GAZ-Interview berichtet Prof. Michael Franz als Vorsitzender des Bündnisses über unnötige Schamgefühle, die Versorgung depressiver Patienten und das Programm am Mittwochabend.

1 Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depression. Dennoch spricht kaum jemand darüber. Warum ist das so?

Das liegt an der Stigmatisierung psychischer Krankheiten. Es gibt immer noch viel Unwissen und Schamgefühle, die nicht sein müssten. Sie erhöhen aber die Hemmschwelle, rechtzeitig Hilfe zu holen, und das kostet am Ende einige Menschen das Leben. Wenn ich eine Hüftoperation habe, gehe ich selbstverständlich ins Krankenhaus, bei einer Depression denke ich immer noch, es hätte irgendwas mit Charakterschwäche oder mangelnder Willenskraft und Stärke zu tun, dass es mir nicht gut geht. In Wirklichkeit kann es jeden treffen, man trägt keine Schuld. Und wenn man das weiß, dann fällt es leichter, darüber zu reden und Hilfe auch in Anspruch zu nehmen.

2 Vor Kurzem wurde auch in Gießen ein Bündnis gegen Depression gegründet. Schirmherren sind Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz, Landrätin Schneider und der Comedian Henni Nachtsheim. Was sind die wichtigsten Ziele des Bündnisses?

Es ist sehr wichtig, dass es jetzt endlich auch in Gießen ein Bündnis gegen Depression gibt, denn depressive Patienten könnten besser und früher versorgt werden, wenn sie besser aufgeklärt wären. Und genau das ist unser wichtigstes Ziel. Wir wollen aufklären und zeigen: Das ist eine Krankheit, die einen bestimmten, nachvollziehbaren Verlauf hat. Sie kann gut behandelt werden. Wie alle anderen Krankheiten auch, wird die Depression umso schwerer behandelbar, je länger sie schon besteht. Deshalb: Wer früher Hilfe sucht, kann sich eventuell vor einem schweren Verlauf schützen. Wir arbeiten auf vier Ebenen: Kooperation mit Hausärzten für die Qualität von Diagnose und Therapie, Fortbildungen für "Multiplikatoren" wie Lehrer, Pfarrer, Polizei, Rettungskräfte, Unterstützung und Informationen für die Betroffenen und die Angehörigen. Außerdem unterstützen wir Arbeitgeber der Region, denn Arbeitsunfähigkeit und Berentung wegen psychischer Störungen nehmen seit Jahren kontinuierlich zu. Und: Eine Depression kann potenziell lebensbedrohlich sein – in Nürnberg konnte ein solches Bündnis die Suizidrate senken.

3 Am Mittwochabend lädt das Bündnis gegen Depression zur Auftaktveranstaltung in die Gießener Kongresshalle ein. Welches Programm bieten Sie den Besuchern und was erwarten Sie von der Veranstaltung?

Wir bieten Besuchern einen spannenden und humorvollen Abend mit einem hochkarätigen Programm, das zunächst einmal unterhalten soll. Henni Nachtsheim von Badesalz ist ja hier schon sehr bekannt. Manfred Lütz ist Psychiater, aber auch Autor und Kabarettist. Er bringt sein Programm "Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen!", mit dem er auch schon andere Bündnisse erfolgreich unterstützt hat. Lütz versteht es, durch provokante – manchmal auch polemische – Zuspitzungen auf Probleme in der Versorgung psychisch Kranker hinzuweisen. Diskussionen darüber anzustoßen, ist wichtig, auch wenn wir uns als Bündnis gegen jede Art von Polemik aussprechen. Neben diesen Programmpunkten gibt es natürlich auch viele Informationen zur Erkrankung Depression und darüber, wie man sich engagieren kann. Ziel des Abends ist es, das Bündnis breit aufzustellen. Dafür brauchen wir so viele Mitstreiter wie möglich, die daran arbeiten, den Betroffenen in der Region zu helfen. Sei es mit persönlichem Engagement oder mit Spenden.

KURZBIOGRAFIE

Michael Franz ist seit 2017 Ärztlicher Direktor des Vitos-Klinikums Gießen-Marburg und hat eine Lehrtätigkeit am Fachbereich Medizin der Justus-Liebig-Universität. Zuvor war der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie unter anderem stellvertretender Direktor der Psychiatrischen Klinik des UKGM in Gießen sowie Ärztlicher Direktor des Vitos- Klinikums Kurhessen. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich Sozialpsychiatrie und Versorgungsforschung, Lebensqualität schizophrener Menschen und Angehörigenforschung sowie Psychotherapie in der Psychiatrie. Er erhielt mehrere Forschungspreise wie den Schizophrenia Reintegration Award und mehrfach den Quality of Life Award sowie Nominierungen in den Fachgebieten Schizophrenie, Depression und bipolare Störungen in der Focus-Ärzteliste. Er hat in Gießen Medizin und Soziologie studiert, wo er in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie auch seine erste Stelle antrat. Er lebt in Marburg. (pd/Foto: pm)

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