Wenn ein als gefährlich eingestufter Hund dem Halter weggenommen wird, sorgt das oft für sehr emotionale Situationen.
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Wenn ein als gefährlich eingestufter Hund dem Halter weggenommen wird, sorgt das oft für sehr emotionale Situationen.

Gefährliche Hunde

„Im schlimmsten Fall muss der Halter den Hund einschläfern lassen“ – Gefährliche Hunde in Gießen

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Hunde sind die liebsten Tiere des Menschen. Aber nicht alle Hunde sind immer lieb. Wer eine als »gefährlichen Hund« eingestufte Rasse besitzt, muss strenge Regeln befolgen. Bei Verstößen greifen die Behörden ein, im Ernstfall muss das Tier dem Halter weggenommen werden. Das sorgt oft für große Dramen.

Gießen – Im Kofferraum eines Wagens der Ordnungspolizei saß kürzlich ein Hund. Daneben lag Schutzausrüstung, wie man sie vom Hundeplatz kennt. Bei dem Vierbeiner handelte es sich aber nicht um einen Polizeihund, der die Beamten auf Demonstrationen und ähnlichen Einsätzen begleitet. Er hatte auch keine ausgewiesene Spürnase für Drogenverstecke. Laut Dirk Drebes, Abteilungsleiter im Ordnungsamt, handelte es sich vielmehr um einen Hund, den die Kräfte der Ordnungs- und Gewerbeabteilung gerade seinem Besitzer weggenommen hatten. »In den meisten Fällen, in denen Hunde sichergestellt werden müssen, ist die Ursache in der Unzuverlässigkeit der Hundehalter begründet«, sagt Drebes und betont, dass diese Situationen sowohl für Halter als auch Einsatzkräfte sehr belastend seien.

Gefährliche Hunde in Gießen: Erlaubnis zur Haltung benötigt

Ein Labrador kann bissig sein, ein Rottweiler zahm wie ein Lamm. In der Summe sind letztere jedoch häufiger aggressiv als erstere. Das ist auch der Grund, warum das Land Hessen Rottweiler offiziell als »gefährlich« einstuft. Acht weitere Rassen werden in der »Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden« unter diesem Punkt aufgeführt, darunter Pittbull-Terrier, Dogo Argentino und American Bulldog. Dazu heißt es: »Gefährlich sind Hunde, die durch Zucht, Haltung, Ausbildung oder Abrichtung eine über das natürliche Maß hinausgehende Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder andere in ihren Wirkungen vergleichbare mensch- oder tiergefährdende Eigenschaft besitzt.« Als gefährlich gelten Hunden zudem, wenn sie schon einmal einen Menschen gebissen haben. Auch der Angriff auf ein anderes Tier, ohne selbst angegriffen worden zu sein, sorgt für diese Einstufung.

Wer eine als gefährlich eingestufte Rasse halten will, benötigt dafür eine Erlaubnis der zuständigen Behörde. »Um diese zu erlangen, muss der Hundehalter verschiedene Nachweise für die Überprüfung seiner Zuverlässigkeit und seiner Fähigkeit, mit so einem Tier umgehen zu können, erbringen. Außerdem muss der Hund einen Wesenstest bestehen, damit eine Hundehaltererlaubnis erteilt werden kann«, erklärt Drebes.

Gießen: Manchmal müssen gefährliche Hunde abgegeben oder eingeschläfert werden

Sollte ein Hundehalter diese Voraussetzungen nicht erfüllen, muss er das Tier abgegeben. »Im schlimmsten Fall, wenn der Hund im Wesenstest als wirklich gefährlich eingestuft worden ist, muss der Halter den Hund einschläfern lassen«, fügt Drebes an. Das komme jedoch nur in absoluten Ausnahmefällen vor, in Gießen durchschnittlich einmal in fünf Jahren.

In den meisten Fällen lieben Halter ihre Hunde. Ihnen fällt es daher schwer, den Hund abzugeben. Kommt Herrchen oder Frauchen der Abgabeaufforderung des Ordnungsamtes nicht freiwillig nach, muss das Tier sichergestellt werden - auch gegen den Willen des Besitzers. »Das kommt durchschnittlich einmal im Jahr vor«, sagt Drebes und fügt an, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamts für solche Fälle auf passende Ausrüstung wie Leinen, Fangstöcke und Schutzausstattung zurückgreifen könnten. »Für das Handling mit den Tieren haben mehrere Mitarbeiter des Ordnungsamtes zudem Praxistrainings absolviert, so dass sie nicht nur hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen, sondern auch in der Praxis firm sind.«

Für Ordnungsamt in Gießen ebenfalls emotional: Tränen bei solchen Einsätzen keine Seltenheit

Doch trotz bester Ausbildung wissen die Mitarbeiter nie, was sie erwartet. Mitunter kochen die Emotionen hoch. Drebes spricht von Wut und großer Trauer, die auch in Aggressivität umschlagen könnten. Daher werde insbesondere in vorhersehbar bedrohlichen Fällen die Polizei um Unterstützung gebeten.

Die Wegnahme von Hunden kann auch für die Bediensteten des Ordnungsamts eine emotionalen Belastung sein, sagt Drebes. »Es ist für alle Beteiligten in so einer manchmal durchaus tragischen Situation kein schönes Gefühl.« Gerade Teammitglieder, die selber Hunde besitzen, seien bei solchen Einsätzen betroffen. Tränen seien bei solchen Einsätzen keine Seltenheit - auch nicht bei den Mitarbeitern des Ordnungsamtes.

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