Dorothee de Nève über die Hessenwahl

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Den Sonntag der Landtagswahl hat Dorothee de Nève in Berlin verbracht, um für den Fernsehsender Phoenix das Ergebnis in Hessen zu analysieren. Am Tag nach der Wahl ordnet die geschäftsführende Direktorin des Instituts für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität im Gespräch mit dieser Zeitung die Ergebnisse ein.

Den Sonntag der Landtagswahl hat Dorothee de Nève in Berlin verbracht, um für den Fernsehsender Phoenix das Ergebnis in Hessen zu analysieren. Am Tag nach der Wahl ordnet die geschäftsführende Direktorin des Instituts für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität im Gespräch mit dieser Zeitung die Ergebnisse ein.

Sie haben das Wochenende der Hessen-Wahl in Berlin verbracht. Wie haben Sie die politische Stimmung in der Bundeshauptstadt wahrgenommen?

Dorothee de Nève: Nicht nur in Berlin, im ganzen Land und auch international war und ist das Interesse an der Hessen-Wahl sehr groß. Lange stand die Wahl in Hessen im Schatten der Bayern-Wahl. Dann wurde jedoch klar, dass diese Wahl das Potenzial hat, auch bundespolitische Weichen neu zu stellen. Inzwischen wissen wir, dass die Folgen dieser Wahl noch viel umfassender sind als wir ahnen konnten: Angela Merkel signalisiert, dass sie auf den Parteivorsitz verzichten wird.

Die Parteien der großen Koalition haben jetzt bei der zweiten Landtagswahl in Folge deutlich verloren, die Grünen befinden sich auf einem Höhenflug. Erleben wir gerade das Ende der Volksparteien und worauf führen Sie die enormen Gewinne der Grünen zurück?

de Nève: Die Grünen haben in der Tat einen beeindruckenden Wahlerfolg zu verzeichnen. Noch größer ist indes der Stimmenzuwachs bei der AfD. Die Volksparteien sind in einer profunden Krise, nicht nur weil die Wahlergebnisse so sind wie sie sind, sondern auch weil es ihnen nicht gelingt, einen schichtübergreifenden sozialen Ausgleich zu moderieren. Der unaufgeregte, sachorientierte Stil der Grünen in Hessen ist sehr gut angekommen. Die Grünen sind in Hessen so erfolgreich, wie die Umfragen dies auch für die Grünen auf Bundesebene prognostizieren. Insgesamt gilt es festzuhalten, dass das nicht nur ein kluger Wahlkampf gegen die Groko war. Vielmehr gibt es inzwischen für die Agenda der Grünen in der Bevölkerung eine wachsende Resonanz.

Inwieweit sehen Sie das Resultat in Hessen als Ergebnis gesellschaftspolitischer Veränderungen?

de Nève: Insgesamt bildet dieses Ergebnis den Zeitgeist gut ab. Das gilt sowohl für den Erfolg des Rechtspopulismus als auch für den Niedergang der Volksparteien. Hessen war schon öfter ein Trendsetter. Hier zeigt sich jetzt auch mit besonderer Härte, dass die Zeiten der einfachen Mehrheiten und klaren Koalitionsoptionen vorbei sind.

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