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Carolin Weber als Dorfrichterin Adam.

Dorfrichterin Adam auf Abwegen

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Gießen (gl). Einen ganz neuen Blick auf die Figuren aus Kleists Lustspiel-Klassiker »Der zerbrochne Krug« verspricht die Inszenierung von Katharina Ramser, die am Samstag im Großen Haus des Stadttheaters Premiere hat. Beim Vorabgespräch berichtete die Regisseurin (»Capitalista Baby«, »Lazarus«), dass sie konsequent alle Geschlechterrollen im Stück getauscht hat.

Und so kann nun Schauspielerin Carolin Weber die Dorfrichterin Adam spielen, Anne-Elise Minetti die Gerichtsrätin Walter oder Paula Schrötter die Schreiberin Licht mimen. Eine »interessante Reibung« entstehe so, wobei es, wie Dramaturgin Carola Schiefke betont, nicht darum gehe, zu zeigen, dass nichts besser wäre, als wenn Frauen das Sagen hätten, sondern was passiere, »wenn Frauen sich wie Männer verhalten« und mit der gleichen Selbstverständlichkeit Machtstrukturen auslebten.

Das Grundthema des Stücks, die »befleckte Unschuld« Eves, werde in ihrer ganzen Absurdität gezeigt, indem aus der Jungfrau Eve aus dem Original in der Gießener Gendercross-Version der junge Mann Ivo werde, dem die Dorfrichterin nachstellt, betont Ramser. Grotesk überzeichnete Requisiten - so wird aus dem Krug beispielsweise ein überdimensionaler Bembel - täten ihr Übriges dazu. Es sei eine »Studie über Macht«.

Abstrakter Bühnenraum

Bühnenbildner Michael Böhler hat dafür einen abstrakten, zeitlosen Bühnenraum geschaffen, der mit der Assoziation »unter den Teppich kehren« spielt. Die Kostüme, die als Kontrast zur weißen Bühne mit ihrem riesigen fusseligen Flokati in Schwarz- und Grautönen, sowie der Farbe Lila als feministischer Reminiszenz, gehalten sind, hat Katharina Sendfeld entworfen. Sie arbeitet dabei auch mit historischen Zitaten.

Die Idee zur Inszenierung stammt bereits aus dem Sommer 2020. Erste Proben mussten im Dezember 2020 und Frühjahr 2021 wegen des Corona-Lockdowns unterbrochen werden. Wegen Corona ist es auch bei einer Aufführungsdauer von rund 90 Minuten ohne Pause geblieben. Aber nun kann endlich die Premiere stattfinden. Das Kleist-Museum in Frankfurt/Oder hat bereits sein Interesse an der Inszenierung angemeldet.

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