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Viele Gebäude, wie hier die Alte Chemie im Heinrich-BuffRing, sind sanierungsbedürftig.

Hochschulfinanzen

Doppelte Virus-Krise belastet Universität Gießen - Jahresabschluss tief im Minus

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Eine Minus von 7,3 Millionen Euro weist der Jahresabschluss 2020 der Justus-Liebig-Universität aus. Die Hochschule muss deshalb eisern sparen - zumal sie vor weiteren großen finanziellen Belastungen steht.

Gießen – Die Justus-Liebig-Universität hat das Jahr 2020 wie geplant mit einem negativen Jahresergebnis abgeschlossen und damit ihren Rücklagenabbau vorläufig beendet. Der am Mittwoch im Senat vorgestellte Jahresabschluss weist ein Minus von 7,3 Millionen Euro aus. Um die finanziellen Herausforderungen in den nächsten Jahren - insbesondere im Baubereich - bewältigen zu können, hat das Präsidium einen Konsolidierungsprozess eingeleitet, der auf allen Ebenen der Universität eine konsequente Haushaltsdisziplin und klare Prioritätensetzungen erfordert.

»Auf die noch vorhandenen Rücklagen kann nicht mehr zugegriffen werden, da diese zum Erhalt der Strategiefähigkeit benötigt werden«, betonte JLU-Kanzlerin Susanne Kraus im Senat. Die Erträge der JLU sind von 425,4 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 439,3 Millionen Euro im Jahr 2020 gestiegen. Auf die Grundfinanzierung des Landes entfielen 277,0 Millionen Euro, woraus unter anderem die gestiegenen Personalkosten zu finanzieren waren.

Justus-Liebig-Universität in Gießen: Hohes Plus bei Drittmitteln

Ein deutliches Plus gab es bei den Drittmitteleinnahmen der JLU: Wissenschaftler konnten im Vorjahr 84,9 Millionen Euro einwerben, fast zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Insgesamt hat die JLU eigene Einnahmen in Höhe von insgesamt 117,4 Millionen Euro erzielt. Dazu zählen auch weitere Forschungsfördermittel aus dem Landesexzellenzprogramm Loewe in Höhe von 6,4 Millionen Euro sowie Einnahmen aus anderen Aktivitäten im Umfang von 26 Millionen Euro; etwa durch die Kliniken der Veterinärmedizin.

Die JLU erhielt darüber hinaus zusätzliche Mittel im Gesamtumfang von 39,6 Millionen Euro für die Qualitätssicherung der Lehre, Mittel aus dem zwischen Bund und Ländern abgeschlossenen Hochschulpakt für den Aufbau zusätzlicher Studienplätze sowie Mittel aus dem Innovations- und Strukturentwicklungsbudget des Landes.

Die Corona-Pandemie hat auf der einen Seite für einen Rückgang der Kosten gesorgt - nicht nur wegen der Mehrwertsteuersenkung, sondern insbesondere bei den Kosten für Dienstreisen, Exkursionen und Veranstaltungen. Diesen Einsparungen standen jedoch coronabedingte Mehrkosten gegenüber: Dazu zählten die Digitalisierung des Lehrangebotes, die Anmietung von Flächen für Prüfungen, die Umsetzung von Hygienekonzepten sowie die Beschaffung der erforderlichen Arbeitsschutzmittel und der IT-Ausstattung für das mobile Arbeiten.

Auch die andere Viruskrise der JLU - der Cyberangriff vom 8. Dezember 2019 und dessen Folgen - haben sich im Jahresabschluss 2020 bemerkbar gemacht: Die JLU musste die Maßnahmen zur Schadensbewältigung allein finanzieren - für die Kosten von rund 1,7 Millionen Euro musste ein Teil der Rücklagen in Anspruch genommen werden.

Justus-Liebig-Universität: Gravierende Stau bei Sanierungen

Der neue Hessische Hochschulpakt 2021-2025 verbessert zwar künftig die Einnahmesituation, da das Sockelbudget um jährlich vier Prozent gesteigert wird. »Trotzdem ist die Finanzsituation der JLU angespannt«, sagte die Kanzlerin und verwies auf die laufenden Kosten sowie auf die absehbaren Kostensteigerungen bei der Gebäudeinfastruktur und im IT-Bereich. Zudem seien im Hochschulpakt zahlreiche Maßnahmen vereinbart worden, die zusätzlich zu finanzieren seien: »Hierzu zählen neben Maßnahmen im Bereich der Nachhaltigkeit die Verbesserung der Betreuungsrelation, die Etablierung neuer Studiengänge und die Einrichtung von 31 neuen Professuren, die leider nicht ausfinanziert sind«, betonte Kraus.

In den kommenden Jahren hängt die weitere Entwicklung der JLU maßgeblich von der baulichen Entwicklung ab. Die bis 2031 für die JLU vorgesehenen Baumittel reichen nicht aus, um den gravierenden Sanierungsstau abzubauen. »Rund 60 Prozent der Bestandsflächen der JLU sind sanierungsbedürftig«, betonte die Kanzlerin.

2020 hat die JLU insgesamt 74,7 Millionen Euro investiert. Zwei Drittel entfielen auf Neubaumaßnahmen, der Rest auf die Ausstattung der Gebäude und Anlagen mit wissenschaftlichem Gerät.

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