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Der Platz in der Johannette-Lein-Gasse verwandelt sich in eine italienische Piazza - und die Besucher lassen es sich im Schatten gut gehen.

Dolce Vita bei dollstem Wetter

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Gießen (csk). Viele Wege führen nach Rom. Die Schanzenstraße zum Beispiel. Oder auch die Mühlstraße. Bei Temperaturen knapp unter 35 Grad wähnt man sich am Samstag mitten in der Johannette-Lein-Gasse jedenfalls eher auf einer italienischen Piazza als auf einem mittelhessischen Platz. Und wie sich das für la Dolce Vita gehört, bevölkern reichlich fröhliche Menschen die Straße. Klingt perfekt - hat aber einen kleinen Haken. "Es ist fast zu heiß", meint Louisa Willner, Gründerin des Unverpackt-Ladens und Mitorganisatorin des ersten Straßenfestes in der Gasse zwischen Mühlstraße und Schanzenstraße.

Bei allem mediterranen Flair kommt die regionale Komponente nicht zu kurz. Das garantiert Jan Burg, der mit drei Freunden im Oktober die Mikrobrauerei "Octobräu" gegründet hat. "Aus einer Bierlaune heraus" sei die Idee entstanden, erzählt er. Eine Brauanlage haben die vier Jungunternehmer in Österreich aufgetrieben, am Samstag schenken sie ihr Bier vor einem ausrangierten Feuerwehrwagen aus, der aus der Nähe von Pforzheim stammt. Die Brauarbeit können die Besucher des Festes ebenfalls mit eigenen Augen bestaunen: 110 Liter Indian Pale Ale braut Burg an Ort und Stelle. Servierfertig ist es in sechs Wochen.

Ina Weise und Marcus Große verkaufen derweil Steine. Doppel-T-Normalsteine, um genau zu sein. Stückpreis: 45 Cent, genau wie im Baumarkt mit den drei Buchstaben. Erhältlich sind dafür ausschließlich Unikate, handgefertigt, nummeriert und mit Zertifikat. Damit Beton und Wasser trotz Hitze richtig binden, beschattet ein Sonnenschirm die fertig geformten Werke. Zwei Drittel von 62 hätten sie bereits verkauft, schätzen die beiden Künstler. Zwar gehe es ihnen mit der Aktion "auch ein bisschen um Wertigkeit". Dennoch: "Erst mal ist es nur das, was es ist. Wir stellen Steine her." Läuft alles glatt, bringt das ja vielleicht einen Stein ins Rollen - also den einen oder anderen Käufer zum Nachdenken über scheinbar Selbstverständliches.

Musik vom Stammkunden

Ganz und gar nicht selbstverständlich ist, wie gut das Straßenfest vom Publikum angenommen wird. Nachmittags lassen die Besucher bei Aktionen wie Yoga und "Wein Tasting" noch etwas auf sich warten. Als der Abend näher rückt, sind sie dann da. Die Initiatoren von Unverpacktes, Gutburgerlich, Schwätzer&Söhne und Drossel&Specht zeigen sich zufrieden. Mit der Feier wollten sie Zusammengehörigkeit und Vielfalt in dem Viertel dokumentieren, sagt Willner: "Das hier ist eine Ecke, die immer bunter wird."

Beinahe schon symptomatisch scheint, wie die Party zu ihrer Musik kam. Mit Marco Bortolatto legt ein Stammkunde von Unverpacktes auf. Der Kontakt sei im Laden geknüpft worden, berichtet er. Nun beschallt er das Publikum bei brütender Hitze mit rhythmischen Beats. Was er auflegt? Zum Beispiel Musik aus dem Kongo und Nigeria. Afrikanische Klänge, mediterrane Stimmung und regionales Bier: In der Johannette-Lein-Gasse gibt es am Samstag wirklich nichts, was es nicht gibt.

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