Schwarzes Fell am Bauch und den Beinen gibt den Barbados-Blackbelly-Schafen (die auf den ersten Blick den Kamerunschafen ähneln) ihren Namen. Eine Arbeitsgemeinschaft kümmert sich um den Erhalt der Rasse, aber die Finanzierung des Projektes ist schwierig. Da die Schafe nicht aus Deutschland stammen, sind öffentliche Fördermittel unwahrscheinlich.	FOTO: PM
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Schwarzes Fell am Bauch und den Beinen gibt den Barbados-Blackbelly-Schafen (die auf den ersten Blick den Kamerunschafen ähneln) ihren Namen. Eine Arbeitsgemeinschaft kümmert sich um den Erhalt der Rasse, aber die Finanzierung des Projektes ist schwierig. Da die Schafe nicht aus Deutschland stammen, sind öffentliche Fördermittel unwahrscheinlich. FOTO: PM

DNA-Test vor der Paarung

  • VonSebastian Schmidt
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Nur noch 150 Barbados- Blackbelly-Schafe werden in Deutschland gezählt; Inzucht bedroht den Erhalt der Rasse. Professorin Gesine Lühken von der Justus-Liebig-Universität soll jetzt mit DNA-Tests entscheiden, welche der Schafe sich paaren dürfen.

Die Schafe haben ein überwiegend braunes Fell, aber Bauchunterseite und Beine sind schwarz. Die markante Färbung und die Herkunft von der gleichnamigen Karibik-Insel haben den Barbados-Blackbelly-Schafen ihren Namen gegeben. In Deutschland gibt es nur noch 150 dieser Schafe. Damit die Rasse nicht vollständig verschwindet, soll Professorin Gesine Lühken von der Justus-Liebig-Universität der Arbeitsgemeinschaft Barbados- Blackbelly-Schafe helfen, den Erhalt zu sichern.

Lühken ist Professorin für Haustier- und Pathogenetik. »Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der Aufklärung von Gendefekten und der Resistenz gegen Krankheiten«, erklärt Lühken. Die Professorin kann mit ihrem Wissen über Genetik aber auch den Züchtern der Blackbelly-Schafe helfen.

Was ist das Problem der Züchter? Lühken sagt: »Es gibt nur noch wenige dieser Schafe in Deutschland, und es kommen auch keine neuen nach.« Das werde durch seuchenrechtliche Vorschriften der EU verhindert, erklärt Tierärztin Dagmar Meyer von der Arbeitsgemeinschaft. In kleinen Tierpopulationen gehe die genetische Vielfalt verloren, es komme zu Inzucht und damit zu genetisch bedingten Problemen, sagt Lühken.

Seltene Gene sind wertvoller

Das traditionelle Mittel, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, seien Zuchtbücher. Darin notieren Züchter, wer die Eltern eines Tieres sind, und können so Inzucht verhindern. Eine weitere Möglichkeit bestehe darin, beim Züchten auf äußere Merkmale zu achten und dann beim Verpaaren gezielt Wert auf Vielfalt zu legen. Lühken sagt aber: »Beides ist nicht so genau.«

Zuchtbücher reichen nicht immer weit genug in die Vergangenheit und äußere Merkmale können täuschen. Dann könne es passieren, dass Züchter für die genetische Vielfalt wertvolle Tiere außen vorlassen. Mit einer Gen-Analyse kann Lühken genauer bestimmen, welche Tiere wertvoller für die Population sind. Genvarianten, die oft in der Population vorkommen, sind dabei nicht so interessant wie Varianten, die nur selten vorkommen.

Um die Gene der Schafe zu vergleichen, bekommt Lühken Blutproben. Daraus extrahieren Mitarbeiterinnen der Professorin die DNA und senden diese an ein Service-Labor, welches die DNA digitalisiert. Schließlich können die Daten der untersuchten Schafe am Computer miteinander verglichen und statistisch ausgewertet werden. »Wir können so zum Beispiel auch die Nähe dieser Schafrasse zu einer anderen Schafrasse bestimmen.« Bei den Blackbelly-Schafen gehe es aber vor allem um die genetischen Unterschiede der einzelnen Tiere zueinander. Dazu werden rund 50 0000 Genvarianten untersucht. Die eigentliche Analyse der Proben im Labor dauere ungefähr zwei Monate, aber das ganze Projekt ist zeitintensiv. Lühken schätzt: »Von der Auswahl der Tiere zur Probenentnahme und bis die Züchter ein praktisch verwendbares Ergebnis haben, vergehen ein bis zwei Jahre.«

Die reinen Laborkosten pro Tier betragen bis zu 50 Euro, sagt Lühken. Um das Geld für das Projekt zusammenzubekommen, hat die Arbeitsgemeinschaft im Internet zu Spenden aufgerufen: startnext.com/vielfalt-erhalten.

Bis jetzt sind 2950 Euro zugesichert worden. Geplant sei damit zunächst die Untersuchung von ungefähr einem Drittel der 150 Tiere in Deutschland, sagt Lühken. Die Arbeitsgemeinschaft wünscht sich 8500 Euro bis zum Sonntag, um den kompletten Zuchttierbestand untersuchen zu können.

Spendenaufruf für den Erhalt der Tiere

Mit Geldern vom Staat könne die Arbeitsgemeinschaft indes eher nicht rechnen, glaubt Lühken. Weil das Barbados-Blackbelly-Schaf in Deutschland inzwischen zwar heimisch sei, aber nicht ursprünglich aus Deutschland stamme. Lühken sagt: »Da ist es schwer, zu argumentieren, warum der Erhalt in Deutschland durch öffentliche Mittel gefördert werden sollte.« Für die Arbeitsgemeinschaft ist der Grund aber klar: um die Artenvielfalt in der Nutztierlandschaft zu erhalten. Tierärztin Meyer sagt: »Nachhaltigkeit und Tierwohl statt Profit und Konsum lautet daher das Motto der Interessengemeinschaft.«

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