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Direktkandidaten für Gießen: Angelo Biemer von »Die Partei« als Türsteher des Landtags

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Angelo Biemer, Spitzenkandidat der satirischen »Die Partei«, wird mit Sicherheit von einigen als Spinner bezeichnet. Doch spätestens, wenn die erste U-Bahn durch Gießen rattert, wird sich das ändern.

Er kommt im schicken grauen Anzug. Die rote Krawatte wird von einer eleganten Nadel am rechten Fleck gehalten. Das perfekte Outfit für das politische Parkett. Angelo Biemer kommt staatsmännisch daher, bereit für höhere Aufgaben. Lediglich das Tattoo an seinem Hals wirkt ein wenig deplaziert. Auch der kahlrasierte Schädel und der imposante Schnäuzer dürften im Landtag für Aufsehen sorgen. Doch dort will der Kandidat der »PARTEI« hin. Also eigentlich.

Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz PARTEI, ist 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet worden. Ihre Forderungen reichen von lustig (Bierpreisbremse jetzt) bis makaber (Deutschland darf nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen als das Mittelmeer). Biemer, der vor zwei Jahren eingetreten ist, besticht mit weiteren, nun ja, unkonventionellen Ideen. Windräder? Ja, aber bitte nur unterirdisch.

Zudem spricht sich der 35-Jährige für den Bau einer hessenweiten Seilbahnverbindung aus. Auch für Gießen hat er konkrete Vorstellungen: Er will das Elefantenklo zum Weltkulturerbe ernennen und den »Kurort Bad Wieseck« überregional bekanntmachen. »Da Gießen einer Studie zufolge die schlechteste Ampelschaltung Deutschlands hat, fordern wir zudem den Bau einer U-Bahn.«

Offen auch für reale Probleme

Während Biemer erzählt, kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ihm ist klar, dass viele seiner Forderungen Quatsch sind. Er kann den satirischen Mantel auch ablegen. »Natürlich ist das Satire. Aber wir versuchen auch, auf reale Probleme aufmerksam zu machen.« Zum Beispiel am Weltkindertag, als die PARTEI eine Mahnwache vor dem Bekleidungsgeschäft KIK unter dem Motto »Kinderarbeit statt Kinderarmut« abhielt. Dabei konnten sich sie Kunden gegen eine kleine Spende die »Hände reinwaschen« und erhielten dafür eine Broschüre zum Thema.

Der 35-Jährige ist jedoch kein satirischer Hardliner. »Satire darf alles, nur nicht zu sehr ins Persönliche gehen.« Das Gedicht von Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Erdogan fand Biemer beispielsweise zu krass. Und manche Themen sind dem Gießener auch zu wichtig, als dass er Späße darüber machen würde. So finden sich in seinen Programm Forderungen, die man auch von anderen Parteien kennt: Schnelles Internet, stärkere Mietpreisbremse, mehr Sozialwohnungen.

Satire darf alles, nur nicht zu sehr ins Persönliche gehen

Angelo Biemer

Seriöse Ziele – die Biemer in einer seriösen Partei besser umsetzen könnte. Warum also das Engagement bei den Satirikern? »Ich konnte mich mit keiner anderen Partei identifizieren. Früher habe ich die SPD gewählt, aber mittlerweile geht das ja nicht mehr.« Martin Sonneborn, Generalsekretär der PARTEI und ehemaliger Chefredakteur der Titanic, habe ihm hingegen schon immer gefallen, genauso wie die Satirezeitschrift selbst. »Daher bin ich eingetreten.«

Doch seine Arbeit gefällt nicht allen. Gerade ältere Menschen würden den satirischen Ansatz oftmals nicht verstehen, sagt der Gießener. Manch einer ist zudem der Ansicht, dass die Spaßpartei, die dem linken Spektrum zuzuordnen ist, anderen Parteien Stimmen wegnehme und so dem gemeinsamen Gegener AfD zum Erfolg verhelfe. Biemer sieht das nicht so: »Ich glaube, unsere Wählerschaft setzt sich vor allem aus Nichtwählern und Leuten zusammen, die sonst den Wahlzettel ungültig machen würden.« Abgesehen davon gibt es wohl keinen besser geeigneten Kandidaten, unliebsame Konkurrenten aus dem Landtag rauszuhalten. Denn im wirklichen Leben ist Biemer Türsteher.

Am 28. Oktober wird sich zeigen, wie die Hessen den satirischen Wahlkampf bewerten. Biemer erhofft sich drei Prozent. Viel mehr sollten es aber auch nicht sein. Denn die Aufmerksamkeit, die dem Gießener derzeit zuteil wird, sieht er mit gemischten Gefühlen. »Auf Dauer wäre das nichts für mich. Aber zum Glück ist es ja bald vorbei.«

Wenn er sich da mal nicht irrt. Der Spinner könnte bald zum Visionär werden. Der Regionalverband Rhein-Main hat gerade vorgeschlagen, Frankfurter Parkplätze besser mit Bahnstationen zu verbinden. Und zwar mit Seilbahnen.

Info

Drei Fragen an den Kandidaten

Warum sind Sie die beste Wahl für unserer Wahlkreis?

Angelo Biemer: Weil ich von den etablierten Parteien keine große Veränderung erwarte. Denen geht es meist nur darum, ihren Hintern in einem gut bezahlten Amt zu parken. Ich kenne die Probleme des kleinen Mannes.

Welches Anliegen wäre Ihnen als Abgeordneter am wichtigsten?

Biemer: Ich möchte Gießen zu altem Ruhm verhelfen. Mit den geplanten baulichen Maßnahmen, würde die Stadt sehr viel attraktiver werden.

Über welche zwei Zahlen würden Sie sich am 28. Oktober bei der 18-Uhr-Prognose für Hessen am meisten freuen?

Biemer: In erster Linie über ein gutes Abschneiden meiner Partei. Als sehr positiv würde ich es empfinden, wenn Volker Bouffier abgelöst werden würde und in die wohlverdiente Pension gehen könnte.

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