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Staatsministerin Prof. Kristina Sinemus hört den Klang einer Tonschale aus dem 3D-Drucker. Links im Bild: Bürgermeister Peter Neidel.

Künstliche Intelligenz

DigitalministerinSinemus besucht Gießener Makerspace

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Am Donnerstag besuchte die hessische Digitalministerin Prof. Kristina Sinemus den Gießener Makerspace und informierte sich über den Forschungscampus Mittelhessen.

Künstliche Intelligenz kehrt langsam, aber sicher in die Medizin ein und wird vieles effizienter und einfach machen. Etwa eine schnellere, optimierte und individualisierte Tumortherapie. Oder Apps, die den jährlichen Check bei Parkinsonpatienten übernehmen oder mithilfe von Audioaufnahmen eine bestimmte Lungenkrankheit diagnostizieren können. Oder eine Software, die Menschen mit Beschwerden dabei hilft abzuwägen, ob sie zum Facharzt oder erstmal zum Hausarzt sollten, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Die genannten Beispiele sind allesamt in der praktischen Entwicklung am Forschungscampus Mittelhessen (FCMH) - ein Verbund bestehend aus der Justus-Liebig-Universität, der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Philipps-Universität Marburg.

Insgesamt zwölf solcher Forschungsprojekte an den drei Hochschulen wurden am Donnerstag in Gießen Prof. Kristina Sinemus vorgestellt, die seit 2019 hessische Staatsministerin im Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung ist. Ein intensives Arbeitstreffen im Rahmen ihrer Sommerreise, bei der der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin im Mittelpunkt steht.

Da war der Ort des Treffens naheliegend: Im Gießener Makerspace »Magie« - eine für alle offene Ideenschmiede und Werkstatt für neue Technologien. Dabei beim Treffen waren neben der Ministerin unter anderem Prof. Matthias Willems, Präsident der THM, die Präsidentin der Uni Marburg, Prof. Katharina Krause, JLU-Vizepräsident Prof. Peter Kämpfer und Dr. Janina Rojek, Geschäftsführerin des FCMH.

Ein »Medical Valley Hessen«

Dieser Forschungsverbund stehe für das »praktische Potenzial« in den Bereichen Gesundheit und Medizin in Mittelhessen, betonte Sinemus. Zudem werde hier der Mensch bei der Entwicklung von Algorithmen mitgedacht, also ethische Aspekte im »sensiblen Bereich« digitale Medizin nicht außen vor gelassen. »Diese Kooperation wird von den Wissenschaftlern auch gelebt«, unterstrich Krause von der Uni Marburg; und Willems sagte mit Anspielung auf das Silicon Valley witzelnd, er strebe mit über 70 000 Studierenden im Forschungscampus ein »Medical Valley in Hessen« an.

Vorhaben jedenfalls gibt es einige, wie eine weitere neue Technologie aus Mittelhessen zeigt: »Die THM und die JLU Gießen kooperieren bereits erfolgreich bei der Anwendung von KI in der Kardiologie. Im Mittelpunkt des Projekts, an dem die Arbeitsgruppen des Kardiologen Prof. Till Keller (JLU Gießen) und des Wirtschaftsinformatikers Prof. Michael Guckert (THM) beteiligt sind, steht die KI-basierte Nutzung und Auswertung von EKG-Aufnahmen. Dies könne beispielsweise bei der Erkennung von Herzinfarkten helfen, bei der Schnelligkeit eine entscheidende Rolle spielen, steht in der Pressemitteilung zum Treffen.

Ministerin Sinemus hob ihr Ziel hervor, bis 2030 ein Label für »sichere und verantwortungsvolle KI« made in Hessen zu schaffen. Dazu müsse man alle Akteure bündeln. So wurde etwa im August letzten Jahres »hessian.AI« gegründet - das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz »zum Ausbau der Spitzenforschung, zur Stärkung der anwendungsorientierten Technologieforschung und - lehre sowie zum Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft«, heißt es im aktuellen Ministeriumsbericht »Digitales Hessen«. Das Zentrum vernetzt bundesweit die Expertise von 13 hessischen Hochschulen und wird bis 2014 mit 38 Millionen Euro sowie 20 zusätzlichen KI-Professuren gefördert.

Im Anschluss an den intensiven Austausch stellte Nils Seipel, Mitgründer und Leiter des »Magie«, der interessierten Ministerin die Angebote des Makerspace vor, zeigte Werke aus 3D-Druckern und führte diese in Aktion vor. Zum Abschluss des Tages schaute die Ministerin den Entwicklern der Gießen-App in der »Fabrik19« über die Schultern. Das Softwareunternehmen entwickelt Anwendungen für smarte Kommunen und berät sie umfassend.

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