Screenshot von www.giessen.de/Stolpersteine.
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Screenshot von www.giessen.de/Stolpersteine.

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Digitales Gedenkbuch für "Stolperstein"-Opfer

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Die Geschichte der bislang 154 Gießener "Stolperstein"-Opfer findet sich nun auf der Stadt-Homepage. Herausgekommen ist ein bewegendes Stück Stadtgeschichte.

Wer weiß: Vielleicht standen sie schon einmal vor der Volksbank-Filiale am Gießener Markplatz und schauten nach unten aufs Pflaster. Menschen, die Anne Frank auf der Spur sind, dem jüdischen Mädchen aus Frankfurt, das durch sein Tagebuch weltberühmt wurde. Im Haus Marktplatz 11 wurde Fritz Pfeffer geboren, den Anne Frank als "Dr. Dusel" in ihrem Tagebuch verewigte. Sein Stolperstein liegt in Berlin, der seiner Eltern Ignatz und Anna Pfeffer am Gießener Marktplatz.

Ab sofort kann man sich leichter und schneller über die bis jetzt 154 Gießener "Stolperstein"-Schicksale informieren. Nach eineinhalbjähriger Arbeit ist die immense Rechercheleistung der Koordinierungsgruppe Stolpersteine in ein digitales Gedenkbuch überführt worden, das ab sofort freigeschaltet ist. "Jeder und jede Einzelne ist es wert, dass an sie erinnert wird", sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz bei der Präsentation der Netzseiten durch Online-Redakteur Jens Haub.

Da es auch in Gießen immer neue Verlegetermine mit dem Stolperstein-Erfinder und Künstler Gunter Demnig gibt, machen Flyer keinen Sinn. "Die wären schnell überholt", erklärte Klaus Weißgerber, der zusammen mit Christel Buseck, Monika Graulich und Ursula Schroeter die Koordinierungsgruppe bildet. Die Gruppe betreibt zwar selbst eine Homepage, aber die werde nicht mehr gepflegt und demnächst abgestellt. "Es ist gut, dass es jetzt bei der Stadt institutionell abgesichert ist und nicht mehr an einer Person hängt", sagte Weißgerber. Für die Überführung an die Stadt seien die Biographien überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht worden, ergänzte Christel Buseck.

Mit der Adresse www.giessen.de/Stolpersteine gelangt man direkt zu den nach Straßen alphabetisch geordneten Verlegeorten. Wer den Namen weiß, findet mittels Suchfunktion die gesuchte Person sofort. Es gibt eine Kurzbiographie, ein Button führt zu den längeren Lebensläufen mit Fotos und Dokumenten. Durch die Einbindung des Vermessungsamts konnte zudem über das Geografische Informationssystem eine interaktive Stadtkarte mit den Verlegeorten angelegt werden. Über Links kann man sich informieren, wie das mit den Stolpersteinen funktioniert und wann die nächste Verlegung stattfindet. Ein weiterer Link führt zum digitalen Gedenkbuch des Koblenzer Bundesarchivs für die jüdischen Opfer der Naziverfolgung. Die Stolperstein-Seiten sind anschaulich gestaltet und einfach zu bedienen.

Die Recherche der jüdischen Opfer bildet auch in Gießen den Schwerpunkt. Was die größte Opfergruppe betrifft, bildet eine Liste mit 346 Namen die Grundlage der Recherchen. "Wir lassen aber auch Steine für Personen aus anderen Opfergruppen verlegen", verweist Monika Graulich auf Behinderte, Regimegegner, Homosexuelle oder Angehörige der Minderheiten der Sinti und Roma.

Stadt-Tourist plant Führung

Wieseck-Spezialistin Ursula Schroeter hängt freilich auch noch an dem 2012 veröffentlichten Stolperstein-Buch, das unter anderem im Kirchenladen am Kirchenplatz erhältlich ist. Wer sich für die Stolpersteine und die Menschen dahinter interessiert, kann sich bald auch an der frischen Luft informieren. Die Tourist-Information plane eine Führung zu Verlegeorten, hat Monika Graulich erfahren.

14 neue Stolpersteine

Am Montag, dem 4. Mai, kommt Gunter Demnig zur nächsten Stolperstein-Verlegung nach Gießen. An vier Standorten in der Innenstadt werden 14 Steine verlegt. Die Zahl der Standorte erreicht damit die 60.

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