Cosima Wagner und Hermann Levi

Dieter Steil gibt berühmten Briefwechsel heraus

  • Karola Schepp
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Gießen (gl/pm). Dieter Steil, ehemaliger Ostschullehrer und viele Jahre lang Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, hat seine Forschungen zu Hermann Levi fortgesetzt. Soeben ist der von ihm im Verlag Valentin Koerner herausgegebene Briefwechsel zwischen Cosima Wagner und Hermann Levi erschienen. »Unsere Kunst ist eine Religion« heißt der 874 Seiten umfassende Band mit zahlreichen Abbildungen und Notenbeispielen (ISBN 978-3-87320-601-4). Es ist Band 101 einer Sammlung musikwissenschaftlicher Abhandlungen.

Gießen (gl/pm). Dieter Steil, ehemaliger Ostschullehrer und viele Jahre lang Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, hat seine Forschungen zu Hermann Levi fortgesetzt. Soeben ist der von ihm im Verlag Valentin Koerner herausgegebene Briefwechsel zwischen Cosima Wagner und Hermann Levi erschienen. »Unsere Kunst ist eine Religion« heißt der 874 Seiten umfassende Band mit zahlreichen Abbildungen und Notenbeispielen (ISBN 978-3-87320-601-4). Es ist Band 101 einer Sammlung musikwissenschaftlicher Abhandlungen.

Mit der Edition der Briefwechsels zwischen Cosima Wagner und Hermann Levi legt Historiker Steil erstmals den musik- wie kulturgeschichtlich bedeutenden Gedankenaustausch der beiden vollständig vor. Levi, Sohn eines Gießener Rabbiners und erster Dirigent der Münchner Hofoper, war Richard Wagner anlässlich der Uraufführung des »Parsifal« vorgestellt worden. In dieser Zeit hatte sich der 1839 in Gießen geborene Wagner-Dirigent Levi schon ganz in den Dienst des antisemitischen Dichter-Komponisten gestellt.

Bekannter Wagner-Dirigent

Der von Steil herausgegebene Briefwechsel macht deutlich, wie sehr Wagners Ehefrau Cosima, noch mehr als ihr Mann, Levi zum Religionswechsel drängte. Nur so könne er in das »Kloster Bayreuth« aufgenommen werden.

Die Briefedition gibt Einblick in Cosima Wagners Strategie, ihre Bayreuther Inszenierungen als neuen Maßstab des von ihr verachteten Opernbetriebes zu setzen und ihre Bemühungen, die kunsttheoretischen und gesellschaftskritischen Schriften ihres Mannes in die akademische Lehre einzuführen. In den Briefen wird auch ersichtlich, dass Levi als Bayreuther »Parsifal«-Dirigent und international anerkannter Wagner-Dirigent immer wieder in Loyalitätskonflikte zwischen den rivalisierenden Parteien Bayreuth und München geriet.

Hermann Levi, nach dem auch der Konzertsaal im Rathaus benannt ist, wurde nach Stationen und Leipzig und Paris 1859 Musikdirektor in Saarbrücken und 1861 Kapellmeister in Mannheim und Rotterdam, wo er mit einer Aufführung des »Lohengrin« berühmt wurde. 1872 folgte er dem Ruf nach München, wo er 1894 Generalmusikdirektor wurde. Er war einer der bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit. Seine starke Hinwendung zu Richard Wagner führte zum Bruch mit vielen befreundeten Komponisten. Levi, dessen Bruder schon früh zum katholischen Glauben übergetreten war, konvertierte allerdings auch unter dem Einfluss des Ehepaars Wagner nicht.

Dieter Steil hat in den vergangenen Jahren mehrere Aufsätze über bedeutende Gießener Juden veröffentlicht, etwa über den Gießener Rabbiner Dr. Benedikt Levi und seinen Sohn Hermann Levi. Schon als Student hatte sich Steil mit Grundfragen der deutsch-jüdischen Geschichte seit der Aufklärung auseinandergesetzt.

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