Matthias Schmidt
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Matthias Schmidt

Was wir in diesen Tagen brauchen

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Mein Triumphieren und Verzagen. Das Elend und die Zärtlichkeit". Diese Worte aus einem Gedicht des 2005 verstorbenen Kabarettisten und Schriftstellers Hanns-Dieter Hüsch sind sehr aktuell. Sie passen in die Corona-Zeit. Das alles spüre ich in diesen Tagen.

Triumphieren, wenn ich die Bilder sehe von Menschen auf Balkonen, die gemeinsam den Helfern applaudieren oder dankbar ein Ständchen singen. Wenn ich von Jugendlichen höre, die den Kranken Lebensmittel kaufen. Es gibt sie, die guten Nachrichten, die mir Mut machen.

Aber ich spüre auch das Verzagen. Ich denke an den Bekannten, der mir erzählt, dass er seinen schwerkranken Vater im Krankenhaus nicht besuchen darf. Oder an die Bilder von Flüchtlingen in Lagern, die im Niemandsland zwischen Krieg und Seuche gefangen sind.

Elend und die Zärtlichkeit sind sichtbar. In diesen Tagen berichten Helfende in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen von ihrer Erschöpfung. Und ich höre vom Elend mancher Selbständiger, die um ihre Zukunft fürchten.

Zugleich spüre ich die Zärtlichkeit, wenn gute Freunde anrufen und fragen wie es mir geht. Wenn Menschen mir sagen, dass sie für mich beten.

Genau das brauchen wir in diesen Tagen: Gute Geschichten und Zeichen von Solidarität und Mut. Triumphieren über die Schwere mancher Zahlen und Nachrichten. Und Zärtlichkeit in den kleinen Gesten des zugewandt seins.

Und es bedarf der Möglichkeiten, von unserem Elend zu erzählen. Jemanden, der unser Verzagen hört und es nicht kleinredet. Sondern einfach da ist und zuhört und versteht.

Als Kirche wollen wir in diesen Tagen Menschen den Raum geben mit allen ihren Erfahrungen. Mit dem Verzagen und dem Elend. Und Raum geben für die guten und Mut machenden Geschichten. Selbst wenn wir in unseren Kirchen keine Gottesdienste mehr feiern können. Ich erlebe in den Gemeinden so viele Menschen, die Ideen haben, wie wir einander und Gott von Elend und Zärtlichkeit erzählen können.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist es 18 Uhr. Wie manche andere habe ich mit Freunden und Bekannten verabredet, dass wir beim Abendläuten um diese Zeit aneinander denken und füreinander beten. Zeit haben für Triumphieren und Verzagen, für Elend und Zärtlichkeit und das alles in Gottes Hand legen.

Ich bete: Guter Gott, wir erzählen Dir von unserm Triumphieren. Wir sind dankbar für manches Gute, das geschieht. Wir denken an diejenigen, die in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft Verantwortung übernehmen und Wege aus der Krise suchen.

Guter Gott, wir erzählen Dir von unserem Verzagen. Von der Angst, die sich manchmal breitmacht. Wir denken an diejenigen, die bereit sind zuzuhören und zu trösten.

Guter Gott, wir erzählen dir von dem Elend der Kranken und Sterbenden, der Heimatlosen und Verzweifelten. Wir denken an diejenigen, die an ihre Grenzen kommen.

Guter Gott, wir erzählen Dir von den Zeichen der Zärtlichkeit und Fürsorge. Wir denken an diejenigen, die jetzt sorgen für Kinder und Eltern, Freunde und Partner, Nachbarn und Fremde. FOTO: PM

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