_141024_4c
+
Es muss nicht immer ein Dienstwagen sein. Beschäftigte können auch ein Dienstfahrrad bekommen.

Dienstrad: Alternative zum Firmenwagen

Rad fahren liegt im Trend. Auch Arbeitgeber können etwas dafür tun, damit ihre Angestellten mit dem Fahrrad kommen. Die Caritas bietet zum Beispiel Dienstrad-Leasing an. Wie verbreitet ist dieses Modell in Gießen?

Fachkräfte anziehen, Mitarbeiter fit halten und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun - das klingt zu gut, um wahr zu sein? Mit diesen Vorteilen werben Dienstradleasing-Anbieter seit einigen Jahren. Jetzt ist auch ein großer Arbeitgeber aus Gießen mit dabei: Der Caritasverband hat einen Vertrag mit dem Freiburger Marktführer »JobRad« abgeschlossen. Künftig können die Angestellten mit neuen Fahrrädern oder E-Bikes zur Arbeit radeln und dabei auch noch Geld sparen.

Fahrrad-Leasing funktioniert ähnlich wie das Pachten von Dienstwagen - nur eben mit Rädern statt Autos. Der Arbeitgeber schließt einen Rahmenvertrag mit einer Leasinggesellschaft. Nun kann sich der Arbeitnehmer sein Wunschfahrrad bei einem kooperierenden Händler oder online aussuchen. Ob E-Bike, Mountainbike oder ganz normaler Drahtesel - jedes Fahrrad kann zum Dienstrad werden.

Im Gegenzug behält der Arbeitgeber einen Teil des monatlichen Bruttogehalts ein, mit dem er die Leasingrate zahlt. Dank einer zusätzlichen steuerlichen Förderung können so bis zu 40 Prozent gegenüber einem klassischen Kauf gespart werden. Bietet der Arbeitgeber das Dienstrad als Gehaltsextra an, radelt der Mitarbeiter sogar steuerfrei. Dabei kann das Fahrrad nicht nur auf dem Weg zur Arbeit genutzt werden, sondern darf (und soll) auch in der Freizeit gefahren werden.

Auf die Idee, Dienstrad-Leasing anzubieten, kam die Leitung der Gießener Caritas gemeinsam mit der Mitarbeitervertretung. Die Verantwortlichen überlegten, was im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements angeboten werden könne. »Ich habe das dann angestoßen«, sagt Direktorin Eva Hofmann. Denn wer regelmäßig Fahrrad oder E-Bike fahre, sei im Alltag weniger gestresst und erwiesenermaßen weniger krank.

Zudem habe sich der Vorstand gefragt, wie man attraktiver auf zukünftige Arbeitnehmer wirken könne - Stichwort Fachkräftemangel. Durch die Kooperation mit »JobRad« könne man den Betrieb anpreisen und Bewerber locken. »Fahrrad fahren liegt seit Corona sowieso im Trend«, sagt Hofmann. Für Angestellte, die nicht in der Stadt, sondern im Umland leben, könnte sich ein E-Bike lohnen.

Allerdings kann nicht jeder ein Dienstfahrrad erhalten. Bei der Caritas braucht man einen unbefristeten Vertrag über mindestens drei Jahre - die Leasinglaufzeit bei »JobRad« geht nämlich über 36 Monate. Danach kann der Mitarbeiter das Bike entweder zurückgeben oder übernehmen. Zusätzlich zu den Leasingraten übernimmt die Caritas die Kosten für die Versicherung des Rads. Der Fahrradhalter kann optional für regelmäßige Inspektionen aufkommen.

Hofmann selbst ist die erste der rund 750 Mitarbeiter des Caritasverbands Gießen, die ihr »JobRad« bereits in Empfang genommen hat. Zwei weitere Kollegen haben schon ein Rad bestellt.

Ein Gießener Unternehmen, dass schon länger Dienstrad-Leasing anbietet, ist das Agaplesion Evangelische Krankenhaus. Seit September 2020 arbeitet das »EV« ebenfalls mit »JobRad« zusammen. Mittlerweile haben 51 Mitarbeiter ein Dienstrad gemietet, acht weitere befinden sich im Bestellvorgang. Dabei scheinen vor allem E-Bikes beliebt zu sein: 41 der bestellten Räder sind elektrisch, wie Dominik Heuser bestätigt. »Das wird sehr gut angenommen«, sagt der Personalmanager. Neben den eingangs aufgezählten Vorteilen entlasteten die Diensträder auch die Parkplatzsituation am Krankenhaus. »Sehr zur Freude der anderen Mitarbeiter«, meint Heuser und lacht.

Auch die Volksbank Mittelhessen bietet seit 2018 Fahrrad-Leasing für ihre Mitarbeiter an. »Mittlerweile nutzen 180 Mitarbeiter das Angebot«, bestätigt Pressesprecher Dennis Vollmer. Der Sparkasse Gießen war es bislang nicht möglich, Dienstfahrrad-Leasing anzubieten. »Als tarifgebundes Unternehmen des öffentlichen Dienstes war Fahrrad-Leasing in Form einer Gehaltsumwandlung bisher leider ausgeschlossen«, erläutert Pressesprecherin Marina Walter. Seit dem letzten Tarifabschluss sei dies jedoch machbar. Derzeit beschäftige man sich mit der Umsetzung, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern und gleichzeitig einen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität zu leisten.

In vielen Betrieben, die auf Landesebene arbeiten, wird Dienstrad-Leasing derzeit nicht angeboten, darunter das Regierungspräsidium Gießen. Als Grund nennt Pressesprecher Thorsten Haas, dass »die Problematik der Entgeltumwandlung auf Landesebene nicht gesetzlich geregelt ist«. Gleiches trifft auf die Justus-Liebig-Universität (JLU) zu.

Beide Landeseinrichtungen bieten ihren Bediensteten aber einen zinsfreien Vorschuss für den Erwerb eines Rades in Höhe von bis zu 2600 Euro an. Abhängig von der Höhe muss das Darlehen in maximal 20 Monatsraten zu mindestens 50 Euro getilgt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare