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Im BSL-4-Labor der Universität Marburg wird unter strengen Sicherheitsvorkehrungen an hochpathogenen Viren wie Ebola, SARS oder dem Marburg-Virus geforscht.

Die Spur der Viren

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Gießen/Marburg (pm). Virusinfektionen sind eine große Bedrohung für die Gesundheit, das zeigt aktuell die Corona-Pandemie. Seit ihrem Ausbruch vor mehr als einem Jahr steht die Erforschung von RNA-Viren nicht nur für Experten im Fokus des Interesses. Der Sonderforschungsbereich (SFB) 1021 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) widmet sich der Erforschung von Biologie, Wirtsantwort und Pathogenese von RNA-Viren und erhält eine Förderung von insgesamt 9,9 Millionen Euro für eine weitere Förderphase bis 2024.

Die Universität Gießen ist daran beteiligt.

Bei RNA-Viren besteht das Erbgut aus Ribonukleinsäure (Ribonucleic Acid), einem Makromolekül, das bei der Umsetzung der Erbinformation in Eiweiße eine entscheidende Rolle spielt. Der SFB erforscht RNA-Viren aus verschiedenen Familien, darunter auch hochpathogene, wie das Ebolavirus, das Nipah-Virus und das MERS-Coronavirus, die hämorrhagisches Fieber, Hirnentzündungen oder ein akutes Atemnotsyndrom verursachen. RNA-Viren haben das Potenzial, große Epidemien und Pandemien zu verursachen. Beispiele sind die Grippepandemien, zuletzt 2009, der Ebola-Ausbruch 2014 oder die aktuelle Corona-Pandemie.

»Je besser wir die molekularen Grundlagen der Übertragung und Vermehrung von RNA-Viren verstehen, desto besser sind wir auf zukünftige Virusepidemien und -pandemien vorbereitet und können zu ihrer Bekämpfung beitragen. Ich freue mich deshalb sehr darüber, dass wir die Chance erhalten, die Grundlagenforschung in diesem wichtigen Bereich weiterzuführen«, sagt SFB-Sprecher Prof. Stephan Becker von der Philipps-Universität Marburg.

RNA-Viren sind für die Forschung deshalb von besonderem Interesse, weil sie während der Vervielfältigung ihres Erbgutes keine Fehlerkorrektur vornehmen, wodurch es zu einer großen Variabilität der produzierten neuen Viren kommt. Das ermöglicht den RNA-Viren eine schnelle Anpassung an veränderte Umweltbedingungen, indem sich Virusvarianten durchsetzen, die sich unter neuen Bedingungen oder in neuen Wirten effizienter vermehren und häufig auch besser übertragen werden können.

9,9 Millionen Euro bis zum Jahr 2024

Prof. John Ziebuhr, stellvertretender SFB-Sprecher von der Justus-Liebig-Universität Gießen, betont: »Die Erforschung von RNA-Viren hat eine lange Tradition an den Universitäten Gießen und Marburg, die sich auch in der aktuellen Coronavirus-Pandemie hervorragend bewährt hat. Es bestätigt sich erneut, dass Erkenntnisse der virologischen Grundlagenforschung wesentliche Voraussetzungen für die erfolgreiche Bekämpfung von Virusinfektionen liefern, zum Beispiel bei der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen.«

Im Sonderforschungsbereich 1021 »RNA Viren: Metabolismus viraler RNA, Immunantwort der Wirtszellen und virale Pathogenese« (RNA viruses: RNA metabolism, host response and pathogenesis) arbeiten Forscher der Universitäten Gießen und Marburg seit 2013 an der Erforschung von RNA-Viren. Die nun geplanten Studien werden in drei großen Projektbereichen durchgeführt: Struktur und Metabolismus viraler RNA, virale Pathogenitätsfaktoren sowie zelluläre Antworten auf RNA-Virusinfektionen.

Der SFB 1021 setzt modernste Technologien - wie zum Beispiel Genom- und Proteom-Analysen ein, um neue Erkenntnisse über grundlegende Aspekte der RNA-Virusreplikation und über die Wechselwirkungen viraler Faktoren mit zellulären Signalwegen und regulatorischen Netzwerken zu gewinnen, die an der Schnittstelle zwischen Virus und Wirt wirken und die Pathogenität von RNA-Viren bei Mensch und Tier bestimmen.

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