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Wenn es nach der PARTEI geht, wird am Schiffenberg bald Schaumwein angebaut.

Kommunalwahl

Gießen: Die PARTEI will Corona verbieten

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Seit über einem Jahr hält Corona Gießen im Würgegriff. Die Lockdowns sorgen nur für wenig Entlastung, das großflächige Testen verzögert sich und während andere Länder ihre Bürger im Eiltempo in Möbelhäusern oder Kneipen impfen, vergammeln in Deutschland Millionen Impfdosen wie sauer Bier in den Kühlregalen. Kurzum: Die Bundesregierung ist mit ihrem Kampf gegen Corona gescheitert.

Gießen – In diesen tristen Zeiten sorgt die PARTEI mit unkonventionellen Ideen für frischen Wind in der ansonst so verstaubten Parteienlandschaft. Das zeigt ein Blick in ihr Programm für die Gießener Kommunalwahl. Unter der Überschrift »Gastronomie und Saufen« heißt es zum Beispiel: »Corona wird im ganzen Landkreis verboten. Damit sollen heimische Biermarken bevorteilt, die Gastronomie gestärkt und die Lebensqualität im Allgemeinen verbessert werden.« Lag die Lösung die ganze Zeit vor unserer Nase? Ist es am Ende doch so einfach?

Natürlich nicht. Die PARTEI, ein Apronym für Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, ist 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet geworden. Die PARTEI hat sich demnach ebenfalls der Satire verschrieben, ihre Forderungen sind mit mindestens einem Augenzwinkern zu verstehen. Zwischen den Zeilen des Wahlprogramms findet sich aber auch das ein oder andere ernst gemeinte Anliegen - auch wenn es meist mit einem Witz garniert wird. So sprechen sich die Kandidaten für eine Gehaltserhöhung des Pflegepersonals aus. Das dürfte nicht nur bei den Mitarbeitern der Gießener Uniklinik gut ankommen, wenngleich sie bei der Art des vorgeschlagenen Salärs - ein Aufschlag von einer Packung Pralinen (brutto) pro Monat - Nachbesserungsbedarf sehen dürften.

Mit ihrer Forderung nach der Einrichtung von Kifferstuben scheint die Gießener PARTEI den Aufwind der Grünen nutzen zu wollen. Bahnt sich da eine neue Koalitions-Konstellation an? Wohl eher nicht. Denn auch wenn die Grünen die PARTEI-Forderung nach einer Gießener U-Bahn vielleicht charmant finden, dürfte ihr Realitätssinn einen Strich durch diese Rechnung machen. Das Gleiche gilt wohl für die Pläne der PARTEI, Gießen mit einem Elektronetz zu überspannen, um die Stadt für Autoscooter befahrbar zu machen. Rammen sei ausdrücklich erlaubt, heißt es im Wahlprogramm - die Verkehrswende soll ja Spaß machen.

Im Gegensatz zu manch etablierter Partei kann man der PARTEI nicht vorwerfen, zu wenig lokale Themen anzupacken. Während andere Politiker Gießens bedeutsamste Sehenswürdigkeit gerne abreißen würden, sprechen sich die PARTEIaner dafür aus, das E-Klo zum Weltkulturerbe zu erklären. Dass sie der Konkurrenz einen Schritt voraus ist, zeigt die PARTEI bei der Forderung, Gießen müsse bereits 2034 klimaneutral sein. Die Elitenförderung in ihrem Apronym nehmen die Kandidaten übrigens ernst. Anders lässt sich der Wunsch nach einem Mindestmietpreis von 18 Euro pro Quadratmeter »zur Rettung des Lebensstandards von Immobilienhaien« nicht erklären. Auch der Plan, am Schiffenberg Schaumwein zu keltern, wird der Gießener Highsociety gefallen.

Mit einer Forderung dürfte die PARTEI aber die Herzen aller Schlammbeiser erreichen, egal ob Alt, Jung, Arm oder Reich: Manisch soll offizielle Amtssprache in Gießen werden. Aweles! (chh)

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