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Die lange Reise der prächtigen »Arrosoir rouge«

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Von: Christine Steines

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Ingke Günther (l.) und Karin Solms-Turski freuen sich, dass die prächtige Gießkanne aus Ouagadougou endlich angekommen ist. © Christine Steines

Gießen (cg). In Burkina Faso gehören Gießkannen nicht gerade zu den täglich benötigten Gegenständen. Denn in dem extrem regenarmen Land Westafrikas käme niemand auf die Idee, Gemüse und Blumen auf diese Art zu wässern. Umso bemerkenswerter ist es, dass ein Künstlerkollektiv in der Hauptstadt Ouagadougou sich monatelang Gedanken machte, wie die ideale Gießkanne für das weltweit einzige Gießkannenmuseum im weit entfernten Gießen aussehen könnte.

Die feierliche Enthüllung des Geschenks geriet folglich spannend. Karin Solms-Turski, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Weltladens in der Schulstraße und »geistige Mutter« der Idee, in Burkina Faso eine Gießkanne anfertigen zu lassen, lüpfte dieser Tage in einer kleinen Feierstunde im Gießkannenmuseum ein seidenes Tuch, und zum Vorschein kam unter dem Applaus der Gäste »Arrosoir rouge«, eine prächtige rote Gießkanne aus Metall, nicht ganz dicht, vier Kilogramm schwer und mit einem Fassungsvermögen von mindestens 20 Litern. Wunderschön, aber nicht unbedingt praktisch, wie Solms-Turski bekannte. Dafür habe das Kunstwerk jede Menge andere Vorzüge: Es sei ein Symbol für Kreativität, für Upcycling-Kunst, für Fairtrade-Beziehungen über Länder und Kontinente hinweg und letztlich auch ein Symbol für die Hoffnung auf freundschaftliche Verbundenheit zwischen den Menschen weltweit.

Kein Wunder, dass Kuratorin Ingke Günther das Geschenk mit großer Freude entgegennahm. »Arrosoir rouge« wird als 1598. Exponat des Gießkannenmuseums in der Sonnenstraße einen Ehrenplatz bekommen, versprach sie. Eigentlich war die Gießkanne aus Ouagadougou zum zehnten Geburtstag des Museums im vergangenen Jahr gedacht. Doch da die Herstellung eines in Afrika so ungewöhnlichen Produktes detaillierter Planung bedurfte, kam es mit einem Jahr Verspätung.

Hoch willkommen war es trotzdem. »Wir sind begeistert«, versicherte Günther der Delegation des Weltladens, die sich natürlich den Einzug des lange erwarteten Objektes nicht entgehen lassen wollte. Sie schätze das Geschenk auch als Geste der Sympathie mit guten Nachbarn. Der Weltladen in der Schulstraße liegt nur ein paar Meter vom Museum entfernt, Dort kann man auf wenigen Quadratmetern eine Weltreise für alle Sinne unternehmen und fair produzierte und gehandelte Waren aus Asien, Afrika und Amerika erstehen.

Der Handelspartner »Moogoo« aus Burkina Faso ist Solms-Turski besonders ans Herz gewachsen. Die originellen Objekte werden aus längst entsorgten Gegenständen hergestellt: Aus alten Ölfässern, verwittertem Holz oder ausrangiertem Besteck. Sobald das kreative Team sie produziert hat, gehen die Kunstwerke auf eine abenteuerliche Reise, die mit dem Transport auf dem Moped beginnt, auf Zügen und Schiffen fortgesetzt wird und schließlich im fernen Deutschland endet. Und manchmal endet die Reise auch im hessischen Gießen, wo man die ungewöhnlichen Exemplare zu schätzen weiß und sogar einen Ehrenplatz im Museum reserviert.

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