1. Gießener Allgemeine
  2. Gießen

Die Krimistruktur des Romans wird beibehalten

Erstellt:

Von: Dagmar Klein

Kommentare

Hundepark_RegieTeam_0612_4c
Das Regieteam vor dem großen Bühnentuch (v. l.): Lena Meyerhoff, Simone Sterr, Sabina Moncys und Jojo Büld. © Dagmar Klein

Gießen (dkl). Die deutsche Übersetzung des Romans »Hundepark« der finnisch-estnischen Autorin Sofi Oksanen erschien im Januar 2022. Thema ist die Reproduktionsindustrie in der Ukraine. Intendantin Simone Sterr hat das Buch bald gelesen und war begeistert. Schnell fiel die Entscheidung, gemeinsam mit Dramaturgin Lena Meyerhoff, das Stück für die Bühne des Stadttheaters Gießen zu adaptieren.

Die Zusage der Romanautorin kam innerhalb von vier Wochen, so dass im Februar die Voraussetzung geklärt war. Vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine, das betonen sie im Pressegespräch. Für einen Moment hätten sie überlegt, ob unter den veränderten Bedingungen das Stück noch gebracht werden könne. Doch da die Erzählung 1991 beginnt und 2016 endet, sei die Distanz gewahrt.

Hauptfiguren von »Hundepark« sind Olenka und Daria, die sich in der Ostukraine in einer Agentur für Eizellenspenden hocharbeiten. Olenka war Koordinatorin. Als ein Mord geschieht, flüchten beide nach Finnland und begegnen sich 2016 in Helsinki wieder. Von hier aus wird die Geschichte rückblickend aufgerollt, wird das korrupte und gefährliche Umfeld, in das sie geraten waren, deutlich. Aber auch das Leben in der Ostukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion wird erzählt, als Familien ihr Geld mit Mohn-Anbau und Opium-Gewinnung verdienten oder andere illegal Kohle abbauten. Die Krimi-struktur des Romans wird beibehalten, sagt Simone Sterr, die Geschichte wird auch in der Bühnenadaptation in zeitlichen Sprüngen und wie in Puzzleteilen erzählt. Zuschauende sollten also Spaß am Kombinieren haben.

Romanautorin Oksanen ist selbst Theaterdramaturgin. Sie hat gründlich recherchiert, was die unterschiedlichen Regelungen zur Reproduktionsmedizin in den europäischen Ländern angeht. Es kommen alle Seiten zu Wort: junge Frauen, die sich Eizellen gegen Geld entnehmen lassen, Frauen aus anderen Ländern, die keine Kinder bekommen können, aber das Geld haben, um andere Wege zu suchen. »Es gibt kein Schwarz und kein Weiß, keine eindeutigen Täterinnen oder Opfer. Das finde ich an Hundepark so gut«, sagt die Regisseurin.

Ein riesiges Tuch als Bühnenbild

Das Bühnenbild von Sabina Moncys besteht aus einem riesigen Tuch, das beidseitig bemalt und an vielen Schnüren aufgehängt ist. Dafür seien die Kostüme konkreter, damit die verschiedenen Jahre der Handlung deutlich werden. Ursprünglich hatte sie die Idee, vier Frauen mit ukrainischem Bezug als Musikerinnen mitagieren zu lassen. Die Energie der Jugend sollte darüber in die Inszenierung einfließen. Es gab eine Ausschreibung, vier wurden ausgewählt und sind zu einer Band geworden. Zwei von ihnen leben schon in zweiter/dritter Generation in Deutschland, zwei andere (Schwestern) sind im Frühjahr als Flüchtlinge gekommen. Musiker Jojo Büld, der am Bodensee lebt und schon für mehrere Produktionen mit Simone Sterr zusammengearbeitet hat, machte schon vor Probenbeginn mit ihnen Wochenend-Workshops. Gespielt werden von ihm eigens komponierte Lieder, in die auch traditionelle Elemente ukrainischer Musik eingeflossen sind.

Sofi Oksanen will zur Uraufführung nach Gießen kommen. Das Team ist schon gespannt wie die Umsetzung bei ihr ankommt. Am Tag nach der Premiere wird es eine Lesung mit ihr geben, in Kooperation mit dem LZG. Zwei Schauspielerinnen lesen auf Deutsch aus Texten von Oksanen, das Gespräch mit ihr wird auf Englisch geführt.

Auch interessant

Kommentare