Wort zum Sonntag

Die kaputte Banane oder Alles kann zerbrechen

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Am Frühstückstisch: Mein zweijähriger Sohn versucht, eine Banane zu schälen. »Ich kann das selber!«, ruft er laut. Doch beim Schälen passiert es: Die Banane zerbricht. Nepomuk starrt sie einen Moment lang fassungslos an: Die Banane ist kaputt! Dann bricht es aus ihm heraus. Die Tränen kullern und zugleich wird er wütend, wie nur ein Zweijähriger wütend werden kann.

Kein Beruhigungsversuch, keine vernünftigen Erklärungen helfen. Was tun? »Mama, reparieren! Die Banane reparieren!«

Viele Familien kennen solche Szenen. Ich habe von einer Mutter gelesen, die in diesem Fall die Banane mit einem Zahnstocher »repariert« hat. Ich habe einmal eine neue Banane »hervorgezaubert«, um den kleinen Mann ein bisschen zu besänftigen.

Aber auch anderes geht kaputt, das ich nicht reparieren oder ersetzen kann. Nepomuk macht hier also eine elementare Erfahrung: Alles im Leben kann zerbrechen. Lebenspläne scheitern, ebenso wie der Plan, die Banane ganz und unversehrt aus der Schale zu lösen. Von ihr bleiben nur Fragmente zurück: zwei abgebrochene Stücke, die schmerzlich an die ehemals vollständige Banane erinnern - oder an einen Lebensentwurf. Welchen Wert haben diese Stücke jetzt noch - so kaputt, so gebrochen, so anders als erhofft?

Der Theologe Henning Luther hat gesagt: Das Leben ist Fragment. Das Fragment ist ein abgebrochener Teil des größeren Ganzen. Es erinnert daran, dass etwas abgerissen ist, verloren, nicht mehr heil. Oder es vielleicht noch nie wirklich heil war. Darin liegt Wehmut. Zugleich geht mein Blick voller Sehnsucht in die Zukunft. Ich sehne mich nach dieser Vollkommenheit, die ich doch nie erreichen kann. Mir bleibt die Hoffnung. Ich hoffe, dass alles heil wird. Ich hoffe auf Gott.

Dr. Tina Bellmann

Pfarrerin der Evangelisch- reformierten Kirchengemeinden

Villingen und Nonnenroth

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