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Ellen Baumert (r.) und GAZ-Redakteurin Christine Steines.

»Die Freibadtruppe macht mein Leben reicher«

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Bänke haben in der Pandemie eine neue Bedeutung bekommen - dort konnte man auch im Lockdown verweilen und (mit Abstand) interessante Schwätzchen halten. Wir behalten das bei und kommen in den Sommerferien mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch. Heutige »Kandidatin« ist Ellen Baumert (62)

Sagen Sie mal, Frau Baumert, was geht Ihnen in der Stadt derzeit besonders auf die Nerven?

Die vielen Baustellen können einen ganz schön auf die Palme bringen, findet Ellen Baumert. Wenn man mit dem Auto unterwegs sei, habe man oft den Eindruck, sie würden unkoordiniert in der Stadt verteilt und sorgten dann alle auf einmal für Verdruss. »Ich bin ja kein Planungs-Profi, aber so kommt es einem vor, wenn man wieder einmal im Stau steht«. Die 62-Jährige ist vor 20 Jahren aus Essen nach Hessen gekommen, sie arbeitet als Erzieherin in der Leppermühle. Im Sommer ist sie Stammgast im Freibad an der Ringallee. Ärgerlich findet sie es, dass es in diesem Jahr coronabedingt keine Saison- sondern nur Zehnerkarten gibt. Für Menschen mit kleinem Budget, z.B für viele ältere Leute, die ja zu den eifrigen Nutzern gehörten, gehe das ganz schön ins Geld. Studierende dagegen zahlten keinen Cent. »Das ist nicht gerecht«, meint sie.

Und was finden Sie gerade besonders schön in Ihrer Heimatstadt?

Es gibt viel, was Ellen Baumert in Gießen und ihrem Wohnort Buseck mag. Sie trauert ihrer alten Heimat nicht hinterher. Das liegt nicht zuletzt am Schwimmbad mit seiner großzügigen Außenanlage und an der »Freibadclique«. Das sind Schwimmer, die wie sie fast täglich ihre Bahnen ziehen und danach auf der Bank ein Schwätzchen halten. Durch diese bunte Truppe seien im Laufe der Zeit auch Freundschaften entstanden. Man trifft sich zum Kaffee oder auch zum Frühstück in der Stadt. Apropos: So richtig schön findet es Ellen Baumert im Café Geißner. Sie mag sowohl das liebevoll arrangierte Frühstück als auch den altmodischen Charme des Cafés in der Plockstraße. Und schön sitzen und »Leute gucken« kann man auch. »Was will man mehr?«, sagt die 62-Jährige und lacht.

Wen wollten Sie schon immer mal loben? Unsere Kandidatin gibt eine eher ungewöhnliche Antwort. Sie sagt: »Meinen Arbeitgeber«. Der Verein für Jugendhilfen Leppermühle als Träger der Einrichtung bringe den Mitarbeitern die Wertschätzung entgegen, die man sich wünsche. Die Vorgesetzten hätten für die Anliegen ihrer Mitarbeiter immer ein offenes Ohr. Baumert: »Das kannte ich vorher so nicht, das ist großartig«. Ein Lob gilt natürlich auch der Freibadtruppe: »Sie macht mein Leben reicher«.

Was würden Sie als erstes in Angriff nehmen, wenn Sie Bürgermeisterin wären? Ärmel hochkrempeln und los geht es, denn es gibt viel zu tun. Zunächst würde Ellen Baumert beim sozialen Wohnungsbau Gas geben. »Es werden so tolle Wohnungen in Gießen gebaut - aber wer kann sich die leisten?«, fragt sie. Aber auch vor unserer Nase im Freibad bestehe Handlungsbedarf, auch wenn es Kleinigkeiten seien. Am großen Becken gibt es keine Sonnenschirme, der Weg zur Toilette wird durch mindestens 15 Stufen erschwert, die kaputte Uhr wird nicht ersetzt. Ellen Baumert: »Wir wollen auf keinen Fall ein Spaßbad, aber ein paar Modernisierungen wünschen wir uns schon«. (cg)

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