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Line Krom (l.) und Katja Ebert-Krüdener stellen im Unteren Hardthof aus.

Die Fantasie treibt Blütenblätter

  • vonDagmar Klein
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Die beiden Künstlerinnen Line Krom und Katja Ebert-Krüdener freuen sich, wieder einmal eine Ausstellung in einem realen Galerieraum ausrichten zu können. In den Ausstellungsräumen im Unteren Hardthof zeigen sie ab heute »Blattwerk(e)«.

Line Krom und Katja Ebert-Krüdener haben ein Corona-Stipendium der Hessischen Kulturstiftung erhalten. Zu dem gehört, dass innerhalb eines halben Jahres das Ergebnis vorliegen muss. Dieses ist ab heute in der Galerie im Unteren Hardthof zu besichtigen. Und ja, tatsächlich darf man im Ausstellungsraum herumgehen, maximal zehn Personen unter den geltenden AHA-Regeln.

Die Idee zur Ausstellung hatte die in Gießen und Berlin lebende Katja Ebert-Krüdener (Eminusk). Für den zweistöckigen Galerieraum hat sie mit Line Krom eine befreundete Ko-Künstlerin gefunden, die bereits in der Hardthof-Galerie und beim Kunstverein Gießen ausgestellt hat. Das Thema Blattwerk präsentieren sie in all seinen Bedeutungsfacetten: als (Flug)Blätter aus Papier, auf die Kunst gemalt und gedruckt wird, als Blätter aus der Natur, die fotografiert, getrocknet und aufbewahrt oder frisch gezogen werden.

»Die Fantasie treibt Blüten(-blätter)«, lacht Ebert-Krüdener, »erst recht in der Pandemie.« Beide hatten im vergangenen Jahr viel Zeit, Neues auszuprobieren, das bisherige Ergebnis ist für sie prozesshaft. »Das kann und wird sich noch weiter verändern«, da sind sich beide sicher. Parallelen und Übergänge kann man in ihren Werken entdecken, im Material und im seriellen Arbeiten. Das experimentelle Vorgehen, bei dem zunächst ein dynamisches Chaos entsteht, aus dem sich Ordnungssysteme entwickeln lassen, ist vor allem das Thema von Ebert-Krüdener, die vor ihrem Kunststudium Physikerin war. »Mich interessiert, wie aus Vielheiten ein harmonisches Ganzes entsteht.«

Das Flugblätter-Motiv hat sie schon in der OKB-Gruppenausstellung präsentiert. Damals hatte sie DinA4-Blätter unterschiedlich bemalt. Jetzt hat sie die Cyanotypie für sich entdeckt. Der Blaudruck auf Büttenpapier wird teilweise mit Tinte oder Buntstiften nachbearbeitet. Das »Berliner Blau« entsteht durch die Mischung von in Wasser gelösten Salzen, die Farbe bildet neben dem Papierformat die optische Einheit der Installation. »Dennoch ist jedes Blatt ein Unikat«, betont sie.

Auf die mit Farbe bestrichenen Papiere werden unterschiedlichste Objekte gelegt, Sonnenlicht oder künstlichen Lichtquellen ausgegensetzt. Die Effekte reichen von Naturabbildungen, über grafische Muster und Architekturen, bis zu Dingen des Alltags, die ästhetisch verwandelt sind. Der Freude am Experiment sind kaum Grenzen gesetzt und die Präsentation in der Galerie an Wänden und auf dem Boden wird sich im Laufe der Ausstellung auch wandeln.

Line Krom im »Hortus Conclusus«

Line Krom hatte sich in Gießen noch malerisch mit dem Mehrwert von Kunstproduktion beschäftigt. Für ihre darauffolgende Ausstellung im Frauenmuseum Wiesbaden hatte sie das Thema mit realen Pflanzen umgesetzt. »Die Pflanzenwurzeln sollten Gold aus dem Wasser herausfiltern«, so die Idee. »Die Museumsmitarbeiterinnen hätten sich darum gekümmert. Doch dann kam der Lockdown.« Also holte Krom die Pflanzen wieder ab und zog mit ihnen in ein leerstehendes Bürogebäude. Dort lebte sie von März bis August 2020, nur umgeben von zahlreichen Pflanzen, die die Räume zusehends überwucherten. Der Kontakt zur Außenwelt fand nur noch digital statt, »was ich auch spannend fand«.

Die Situation bezeichnet sie als »Hortus Conclusus«, als abgeschlossenen Garten, in dem die Pflanzen zu stillen Weggefährten wurden. In den Herbstmonaten war sie einige Wochen in Lettland, lebte in einem Landschaftspark, der von Künstlern gestaltet wird. Ihre Eindrücke während der Pandemie hat sie in Notizen, Zeichnungen und Fotografien festgehalten, daraus wird noch ein Buch entstehen. Die Einzelblätter sind auf der oberen Galerie auf Tischen ausgebreitet, vor einem kraftvollen Großfotodruck von grünen Blättern und pinkfarbenen Blüten. Ein QR-Code ermöglicht das Hören von Auszügen ihres episodischen Berichts, den sie als »zeitgenössische Robinsonade« bezeichnet.

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