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Isabella Archan - Ihre Hände sprechen Bände.

Die fabelhafte Welt der Mördermitzi

  • Marion Schwarzmann
    VonMarion Schwarzmann
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Bereits zum vierten Mal ist Isabella Archan beim Krimifestival zu Gast. Das Publikum weiß die herzliche Art der handfesten Autorin zu schätzen, bietet sie doch keine konventionelle Lesung, sondern eine urkomische One-Woman-Show. In deren Mittelpunkt steht diesmal die sonderbare Mördermitzi.

Dass sie Österreicherin ist, kann und will sie nicht verleugnen. Zur Einstimmung nimmt Isabella Archan gleich zu Beginn ihre Zuhörer mit auf eine idyllische Zugfahrt in den Alpenrepublik-Urlaub, auf der es mit der Entspannung Knall auf Fall vorbei ist, als ein ungehobelter Landsmann das Abteil betritt. Der deftige Auftritt des Tirolerhutmannes treibt den Gästen im Alten Schloss vor Lachen nicht nur die Tränen in die Augen.

Er zeigt zugleich, worin die Stärke der Krimischriftstellerin liegt: im Stegreiftheater. Die ausgebildete Schauspielerin, die 25 Jahre lang fest an Theatern in Deutschland, Österreich und der Schweiz engagiert war und als Gretchen in Goethes weltberühmtem Drama »Tatort«-Kommissar Moritz Eisner alias Harald Krassnitzer mehrfach als Faust küssen durfte, braucht weder Mikrofon noch Requisiten, um ihre unverwechselbare Performance mit prallem Leben zu füllen.

Archan appelliert an die Vorstellungskraft ihrer Fans und nimmt sie mit in die fabelhafte Welt der Mitzi, die eigentlich Maria Konstanze Schlager heißt und mir nichts, dir nichts zur Hauptverdächtigen im Mordfall Kasimir Wollatschek, kurz Kasi genannt, katapultiert wird.

Nun, das neuste Buch der seit 2002 in Köln lebenden Autorin, die sich schon mit Zahnarzt-Krimis wie »Der Tod bohrt nach« einen Namen gemacht hat, hieße wohl kaum »Drei Morde für die Mördermitzi«, wenn nicht noch zwei weitere Opfer von Gewalttaten folgen würden.

Wie diese miteinander verbandelt sind, das verrät die gewiefte Verfasserin natürlich nicht an diesem höchst unterhaltsamen Abend. Sie stellt auf plastische Art, bei der ihre Hände und der Mund Bände sprechen, die Protagonistinnen ihrer aberwitzigen Story vor. Das ist neben der verstörten Mitzi, die ein Gespür für böse Buben hat, ihre einzige und beste Freundin, Kriminalinspektorin Agnes Kirschnagel, die natürlich helfen und die Fälle lösen will. Und dann gibt es noch den ältlichen Pflichtverteidiger Jakob Sparroder, der seine ganz eigenen Marotten hat und Mitzi innerhalb von wenigen Stunden aus der U-Haft freibekommt.

70 Minuten pausenloses Vergnügen

Die patente Frau denkt pragmatisch. Und so entlässt Isabella Archan ihr begeistertes Publikum nach gut 70 Minuten pausenlosem Vergnügen nicht, ohne ihm einige praktische Tipps für den Nachhauseweg mitzugeben. Wie wird man lästige böse Buben oder auch Mädels in dunklen Gassen am besten los? Indem man sie mit etwas Unerwartetem in die Flucht jagt. Mit der tänzelnden Primaballerina-Abwehr oder der Discokugel-Verteidigung, bei der möglichst hoch »Stayin Alife« von den Bee Gees intoniert wird. Auch das Absingen von Weihnachtsliedern verfehlt seine abschreckende Wirkung nicht. Die schreibende Schauspielerin, 1965 in Graz geboren, steckt voller Anekdoten und Überraschungen, die nur so aus ihr heraussprudeln. Ein Bild für die Götter eben.

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