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In den von der Awo geführten Kitas, wie hier in Rödgen, werden die Kinder behutsam an die digitalen Medien herangeführt. Davon überzeugen sich Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (M.) und AWO-Geschäftsführer Jens Dapper (2.v.r.) bei ihrem Besuch.

Tablets in AWO-Kitas

AWO Gießen: Digitalisierung von Kitas erfährt positive Resonanz

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Vor zwei Jahren begann die AWO Gießen über digitale Infrastruktur und Medien in ihren sieben Kitas nachzudenken. Heute zeigt sich: Von der Umsetzung profitieren alle. Auch abseits der Corona-Krise.

Der Ausbau der digitalen Infrastuktur in den sieben Kitas der Awo sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, bekräftigen Stadträtin Gerda Weigel-Greilich und AWO-Geschäftsführer Jens Dapper. In der Kita Rödgen, deren Trägerschaft die Awo vor einem Jahr übernommen hat, berichteten sie über Stand und Erfolge, aber auch anfängliche Kritik an der Digitalisierung in Betreuungseinrichtungen. »Wir müssen die Herausforderungen der Gesellschaft auch im Bereich der Kleinsten angehen«, sagt Dapper - »und sie da abholen, wo sie sind.« »Man kann digitale Medien ja nicht mehr verbieten, und nach der Kita geht es in der Grundschule direkt weiter damit«, ergänzt Weigel-Greilich.

Nach wie vor gibt es nicht wenige, die Tablets in Kitas sehr kritisch sehen und einen Schaden für die Kinder befürchten. Jungen und Mädchen sollten bis nach dem Grundschulalter die Welt analog erfahren, so die Argumentation.

Das ist aber schlicht unmöglich. Überall umgibt uns Digitalisierung - sei es in Form von Bildschirmen im öffentlichen Raum oder wenn Eltern sich zu Hause mit digitalen Medien beschäftigen. Sie ist per Definition ein wirkliche Revolution - weil sie alle Lebensbereiche von Grund auf umwirft.

Digitalisierung von AWO-Kitas in Gießen: Die Dosis macht das Gift

Tablets, Smartphones und Co. können Kleinkindern durchaus in der Entwicklung schaden. Aber wie so oft macht die Dosis das Gift. Und die Art, wie die Medien genutzt werden. Eine US-Studie zeigte beispielsweise vor zwei Jahren, dass man insbesondere in der frühen Entwicklung, in den ersten 18 Monaten, Kindern keine Bildschirme zeigen sollte. Allenfalls mal ein Videotelefonat mit den Großeltern. Die Forscher untersuchten Drei- bis Fünfjährige, die regelmäßig viel mit Tablets spielten, und stellten fest, dass die weiße Substanz im Gehirn deutlich weniger dicht war. Diese Leitungsbahnen und Nervenfasern sind wichtig für das Sprechen lernen und Erkennen von Gegenständen.

Die Forschungslandschaft ist sich bei dem Thema längst nicht einig, weil es noch zu wenige Langzeitstudien gibt. Doch viele Studien sind sich in ein paar einfachen Faustregeln einig: Bis zum Alter von fünf Jahren nicht länger als eine Stunde am Tag vor dem Bildschirm - und diese Stunde sollte kreativ genutzt und von Eltern oder Erziehenden begleitet werden. Keinesfalls sollten Kinder einfach ziellos soziale Medien, Videos usw. konsumieren. Zudem sollten Eltern absolut medienfreie Zeiten definieren, zum Beispiel beim Essen. Das heißt natürlich, dass auch sie selbst ihr Smartphone dann wirklich weglegen.

Digitalisierung von AWO-Kitas in Gießen: Kita-Info-App erleichtert Arbeit

Genau diese Leitfäden beherzigen die AWO-Kitas. »Es geht nicht um freien Konsum«, betont AWO-Chef Dapper. »Sondern um einen gesunden Umgang.« So würden die Kinder dort beispielsweise nicht mit Google ans Internet herangeführt, sondern mit der altersgerechten und sicheren Suchmaschine »Blinde Kuh«. Darüber hinaus verbänden die Erzieherinnen und Erzieher die Medienarbeit mit dem Bauernhofkonzept, wo Kinder mit der Natur vertraut gemacht werden. So produzierten sie spielerisch Filme und Bilderstrecken samt Texten von zum Beispiel Rindern, Schafen und dem Säen von Gemüse. Die Kinder erzählten und verarbeiteten so das Erlebte und hätten zusätzlich viel Spaß dabei, erklären die Mitarbeiterinnen in Rödgen. Das sei moderne Medienpädagogik. Die Resonanz der Eltern sei hervorragend, so Dapper.

Der zweite große Part der Digitalisierung von Kitas meint die Kommunikation mit den Eltern und Vereinfachung der Arbeitsabläufe: In der »Kita-Info-App« finden interne und externe Konferenzen statt, werden schnell und datengeschützt Dinge mit den Eltern abgesprochen, Speisepläne online gestellt oder auch die Spiele- und Bücherausleihe organisiert. Die Begeisterung merkt man den Erzieherinnen in Rödgen förmlich an, während sie die Digital-Strategie der AWO Gießen für ihre Kitas präsentierten. Wodurch sie sich zudem auch aus eigener Motivation digital fortbilden.

Klar ist: Die Digitalisierung wird zunehmend alle Kosmen des Alltags erfassen. Deswegen muss man sie intelligent mitdenken. Auch bei frühkindlicher Erziehung.

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