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Am Dialysezentrum müssen die Patienten häufig lange auf ein Taxi warten. Die Krankenkasse AOK kündigt daher Veränderungen an.

Patienten verärgert

Dialyse in Gießen: Patienten nach Problemen sauer - „Mindestens einmal in der Woche“

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Eine stundenlange Dialyse ist keine schöne Prozedur, besonders nicht für ältere Menschen. Wenn die Patienten dann im Anschluss teils über eine Stunde auf ihr Taxi warten müssen, wie es derzeit in Gießen oft vorkommt, ist das eine zusätzliche Belastung. Die zuständige Krankenkasse hat daher Änderungen angekündigt.

Gießen - Heidemarie Schmidt ist 77 Jahre alt. Und krank. »Die Nieren sind kaputt«, sagt die Seniorin. Seit Mai des vergangenen Jahres sind Schmidts Stoffwechselorgane derart beeinträchtigt, dass sie zur Dialyse muss. Dreimal die Woche, jede Sitzung dauert vier Stunden. Kostbare Lebenszeit, die sie durch die Behandlung verliert. Schmidt klagt darüber aber nicht, es muss ja sein. Was ihr hingegen sehr missfällt, ist die anschließende lange Wartezeit auf das Taxi. Mitunter stehe sie über eine Stunde vor dem Dialysezentrum in der Johann-Sebastian-Bach-Straße. Bei Hitze oder Regen sei es besonders schlimm, sagt die Frau und betont: »Das ist ein großes Ärgernis.«

Die Dialysefahrten im Landkreis Gießen sind schon seit einigen Jahren ein mit Problemen behaftetes Thema. Bereits 2014 warfen rund 100 hessische Taxiunternehmer bei einem Treffen in der Gießener Kongresshalle der Krankenkasse AOK vor, für die Krankenfahrten zu wenig zu zahlen. Von »Knebelverträgen« und einer Ausnutzung der Marktmacht war die Rede. Dazu muss man wissen, dass Krankenfahrten für viele Taxiunternehmen die wichtigste Einnahmequelle sind.

2016 schrieb die AOK die Fahrten aus, das Gießener Unternehmen »Taxi Blitz Ambulanz« erhielt den Zuschlag. Die Firma ist seither der exklusive Fahrdienst für alle bei der AOK versicherten Dialysepatienten in Stadt und Kreis. Das sind über 100 Menschen. Zuvor hatten die Patienten die freie Taxiwahl.

Gießen: Taxibranche und Kunden kritisieren Regelung

Während die Taxibranche und einige Kunden diese Regelung kritisieren, hält sie AOK-Pressesprecher Riyad Salhi weiterhin für den richtigen Schritt. »Eine freie Wahl nützt den Versicherten wenig, denn warum sollten sie sich der Mühe unterziehen, einen anderen Dienst zu bestellen? Gerade bei Dialysepatientinnen und -patienten sind Kontinuität und Verlässlichkeit ein hohes Gut.« Mit der Verlässlichkeit hapert es momentan jedoch.

Heidemarie Schmidt betont, dass lange Wartezeiten keine Ausnahme, sondern Regel sind. »Mindestens einmal in der Woche« komme es vor. Und Schmidt ist nicht die einzige Betroffene. »Manchmal stehen wir zu zehnt vor dem Dialysezentrum und warten über eine Stunde«, sagt sie.

AOK setzt weitere Taxibetriebe ein

Jürgen Haupt, der Geschäftsführer von Taxi-Blitz, räumt die Problematik ein. Bereits in der Vergangenheit habe es hin und wieder Verspätungen gegeben, wegen Krankheit und Urlaub des Personals sei es zuletzt aber häufiger dazu gekommen. Sobald nur ein Patient verspätet aus der Dialyse komme, könne das Verschiebungen verursachen, die sich auf die folgenden Patienten auswirkten. Auch Corona spiele eine Rolle, sagt Haupt: »Wir haben viel Personal verloren.« Allerdings habe das Unternehmen umstrukturiert, das Problem solle fortan behoben sein, betont der Geschäftsführer.

Die AOK will die langen Wartezeiten nicht gutheißen. »Uns sind die Beschwerden über die deutlichen Verspätungen von Taxi Blitz in einigen Fällen bekannt«, sagt Pressesprecher Salhi. Im Vertrag sei geregelt, dass eine Wartezeit von bis zu 30 Minuten wegen potenziellen Bauarbeiten auf der Strecke oder Staus vertretbar sei. »Aber alles, was darüber hinausgeht, ist für uns nicht tragbar, und auch nicht für die Dialyse-Patienten«, betont Salhi. Die AOK habe daher sowohl mit Taxi-Blitz als auch mit dem Dialysezentrum gesprochen, um das Problem zügig zu lösen. Demnach werden ab dieser Woche einige der Versicherten auf andere Taxi- und Mietwagenbetriebe umgesteuert, um Taxi-Blitz zu entlasten. Sollten die Taxis weiterhin deutlich verspätet eintreffen, werde man weitere Maßnahmen in Erwägung ziehen, kündigt Salhi an.

Heidemarie Schmidt hofft, dass die Maßnahmen fruchten und die Taxis künftig zeitig kommen. »Nach der Dialyse ist man erschöpft, die Prozedur ist alles andere als angenehm.« Danach wolle sie nur noch nach Hause - und nicht eine Stunde im Regen stehen.

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