Der DGB (l. Vorsitzender Klaus Zecher) zeigt diesmal vor dem 1. Mai Flagge auf dem Kirchenplatz. FOTO: SCHEPP
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Der DGB (l. Vorsitzender Klaus Zecher) zeigt diesmal vor dem 1. Mai Flagge auf dem Kirchenplatz. FOTO: SCHEPP

Tag der Arbeit

DGB-Rede zum 1. Mai in Gießen kommt per Internet

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Die Corona-Pandemie beschert den Gewerkschaften auch in Gießen viele Themen und einen veranstaltungslosen 1. Mai.

Es ist fast tragisch: Da beschert die Corona-Pandemie den Gewerkschaften im Vorfeld des 1. Mai Themen wie selten zuvor, aber um der Verbreitung des Virus Einhalt zu gebieten, werden am kommenden Freitag die traditonellen Kundgebungen, Demonstrationen und Feste nicht stattfinden. Notgedrungen weichen die Gewerkschaften in die sozialen Medien und auf Plakataktionen aus. "Der 1. Mai fällt nicht aus, er muss in diesem Jahr aber anders begangen werden", sagte Klaus Zecher, Vorsitzender des DGB in Mittelhessen, am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Danach wurde auf dem Kirchenplatz das Video von Zechers "ungehaltener" Mai-Rede aufgenommen, die am Freitag im Internet und den sozialen Medien des DGB Mittelhessen gepostet wird. Das diesjährige Motto zum 1. Mai lautet: "Solidarisch ist man nicht allein."

Es war eine lange Liste, die Zecher vor den Journalisten abarbeitete. Angefangen bei den Jahrestagen 130 Jahre Gewerkschaftsbewegung und 75 Jahre Befreiung vom Faschismus bis zu den ganz aktuellen Corona-Themen. Die Krise bietet nach Überzeugung der Gewerkschaften angesichts einer "anderen Diskussion in der Gesellschaft" auch Chancen. Vor allem die, die Beschäftigten aus den sogenannten "Helden"-Berufen wie Krankenpfleger/in, Supermarktkassierer/in, Lebensmittelverkäufer/in, Polizist/in oder Feuerwehrmann und -frau tariflich abzusichern und besser zu entlohnen. "Was und wer systemrelevant ist, wird in dieser Krise neu definiert. Die Banken und die großen Konzerne sind es nicht, es sind die arbeitenden Menschen", sagte Zecher. Verdi-Geschäftsführerin Susanne Pitzer-Schild pflichtete bei: "Man muss den Kollegeinnen und Kollegen aus diesen Berufen ein ganz großes Dankeschön sagen. Klatschen ist auch ganz toll, aber es muss viel mehr passieren."

Eine Sofortforderung der Gewerkschaften betrifft das Kurzarbeitergeld. Vor allem für Beschäftigte im Niedriglohnsektor, die von 1600 oder 1800 Euro im Monat leben müssten, müsse es von 60 auf 80 Prozent aufgestockt werden.

Weiter forderte Zecher, die Produktion nicht nur medizintechnischer Produkte wieder nach Europa zurückzuholen. "Kapitalistisches Profitinteresse" habe zur Verlagerung der Produktion in Billiglohnregionen geführt. Auch in Deutschland müssten Fehlentwicklungen korrigiert werden. Die Privatisierungen in der Energiewirtschaft und dem Nahverkehr seien ein Irrweg gewesen, von der Veräußerung der beiden Universitätskliniken Gießen und Marburg, die nun offenbar vor einem Weiterverkauf an den Krankenhauskonzern Asklepios stünden, ganz zu schweigen.

Von den GEW-Vertretern Oliver Klein, Susanne Arends und Klaus Steup kam Kritik am Management der Corona-Krise durch das Hessische Kultusministerium. Sich widersprechende Erlasse hätten zu Verunsicherung und einem "Chaos" geführt, sagte Klein. So habe es viel zu lange gedauert, bis Lehrern und Lehrerinnen eine Notbetreuung ihrer Kinder zugestanden worden sei.

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