Deutliche Freiheitsstrafe für Klaus-Philipp Lange

Gießen (ba). Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten hat gestern die Siebte Große Strafkammer am Landgericht den ehemaligen Rechtsanwalt und SPD-Stadtverordneten Klaus-Philipp Lange verurteilt. Der 59-jährige Jurist ist der Untreue in 37 Fällen mit einer Schadenssumme von 825 000 Euro schuldig. Das Geld hatte er in seiner Funktion als Insolvenzverwalter der Firma KAHA und zwei weiterer Unternehmen in den Jahren zwischen 2001 und 2006 in die eigene Tasche gesteckt.

Gießen (ba). Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten hat gestern die Siebte Große Strafkammer am Landgericht den ehemaligen Rechtsanwalt und SPD-Stadtverordneten Klaus-Philipp Lange verurteilt. Der 59-jährige Jurist ist der Untreue in 37 Fällen mit einer Schadenssumme von 825 000 Euro schuldig. Das Geld hatte er in seiner Funktion als Insolvenzverwalter der Firma KAHA und zwei weiterer Unternehmen in den Jahren zwischen 2001 und 2006 in die eigene Tasche gesteckt. Lange hatte sich Ende 2006 selbst angezeigt, war von allen politischen Ämtern zurückgetreten und hatte völlig überschuldet mit seiner Kanzlei Insolvenz angemeldet. Die finanziellen Probleme, die er vom ersten Tag seiner anwaltlichen Tätigkeit hatte und nie in den Griff bekam, hatten den Politiker in die Illegalität getrieben. Staatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg hatte für vier Jahre und vier Monate plädiert, Rechtsanwalt Dietmar Kleiner als Verteidiger eine deutlich niedrigere Strafe gefordert, und Lange hatte im Schlusswort um eine zweijährige Bewährungsstrafe gebeten, "auch wenn das jetzt ziemlich illusorisch klingt".

In der Urteilsbegründung durch den Landgerichtspräsidenten Hermann Schmidt als Vorsitzendem Richter sowie in den Plädoyers waren sich alle Prozessbeteiligten einig: Es handelt sich um gewerbsäßigen Betrug. Jahrelang hatte Lange finanzielle Löcher mit Geld aus der Konkursmasse gestopft. Untreue wird mit Haft zwischen sechs Monaten und zehn Jahren bestraft. Ein besonders schwerer Fall im Sinne des Gesetzes liege nicht vor. Die Kammer verhängte Einzelstrafen zwischen sechs und 16 Monaten.

Aber auch in der menschlichen Bewertung des "Falles Lange" herrschte weitgehend Einigkeit. Am ersten von drei Verhandlungstagen hatte der 59-Jährige beschrieben, wie er schon als Sekundaner davon geträumt hatte, Jura zu studieren, als Anwalt versucht hatte in Gießen Fuß zu fassen, wie es ihm nie gelungen war, schwarze Zahlen mit seiner Kanzlei zu schreiben und wie er seit Ende der 70er Jahre ein Doppelleben führte. Niemand durfte wissen, dass der renommierte Anwalt aus einer alteingesessenen Gießener Familie pleite war - und zwar restlos. Erst als alle legalen Mittel ausgeschöpft waren, wurde er kriminell. "Niemand sollte Schadenfreude empfinden", sagte Sehlbach-Schellenberg.

Zwar sei dem Angeklagten ein Ruf wie Donnerhall vorausgeeilt, er habe als unbequem gegolten und sich als Anwalt sowie als Kommunalpolitiker nicht nur Freunde gemacht, aber seine erst heute bekannte Situation müsse auch berücksichtigt werden. Kleiner lobte, es gebe offenbar noch Anstand unter den Menschen, denn Häme sei seinem Mandanten nicht entgegengebracht worden. Den Geschädigten, die nun auf Gelder aus der Insolvenzmasse verzichten müssten, sei es egal, wozu Lange die Mittel veruntreut habe.

Uneinigkeit herrschte lediglich in der Bewertung der Rolle des Amtsgerichts, wo der zuständige Konkursrichter Lange als Insolvenzverwalter bestellt hatte und zwei Rechtspfleger die Konkursangelegenheit betreuten. Der Angeklagte und sein Verteidiger meinten, die zuständigen Beamten hätten Lange besser kontrollieren müssen. Richter und Staatsanwältin hielten das Verhalten der Rechtspfleger und des unabhängigen Richters für untadelig. Es liege in der Natur der Untreue, dass der Angeklagte durch aktives Tun die Taten so lange kaschiert und die Fassade aufrechterhalten habe. Erst als ihm schon das zweite Zwangsgeld angedroht worden war, weil er die Endabrechnung als Konkursverwalter nicht vorlegte, hatte der 59-Jährige sich selbst angezeigt.

Lange wird das Urteil mit großer Wahrscheinlichkeit vom Strafsenat des Bundesgerichtshofes überprüfen lassen. Ob Lange danach tatsächlich "richtig" ins Gefängnis muss, ist auch noch fraglich. Er ist nicht vorbestraft, ferner könnten sein fortgeschrittenes Alter und seine angeschlagene Gesundheit dazu beitragen, dass er die Strafe womöglich komplett im offenen Vollzug verbüßen darf.

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