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Christina Aftzidis, Ömer Bilgin und Hamza Tamir (v. l.) haben mit ihrem Verein Omnes das Pilotprojekt »Schüler helfen Schülern« gestartet.

Schüler helfen Schülern

Der Gießener Verein Omnes: Hilfe durch Freundschaft

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Integration kann kein von oben verordneter Prozess sein, sagt Ömer Bilgin. Der 18 Jahre alte Gießener ist Vorsitzender des Vereins Omnes. Dort ist jetzt ein Pilotprojekt gestartet, in dem junge Menschen Schülerinnen und Schülern beim Ankommen in der neuen Heimat helfen.

Gießen – Wo ein Mensch geboren wird, ist reine Glückssache, hat aber großen Einfluss auf den weiteren Lebensweg. Ömer Bilgin stammt aus einer türkischen Einwandererfamilie und sagt von sich und den meisten seiner Freunden, es gehe ihnen sehr gut. »Deshalb wollen wir durch unser Engagement etwas zurückgeben.« Vor zwei Jahren hat der 18 Jahre alte Gießener zusammen mit Freunden im Alter zwischen 17 und 20 Jahren den Schülerverein Omnes gegründet; er ist Vorsitzender, seine Stellvertreter sind Christina Aftzidis und Hamza Tamir. Ihr Ziel ist es, vor allem Seniorinnen und Senioren sowie benachteiligten Menschen zu helfen und sie vor der Isolation zu bewahren. Nun hat der Verein ein Pilotprojekt gestartet: »Schüler helfen Schüler«. Unterstützt wird es durch das Landesprogramm »Wir« des Hessischen Sozialministeriums und von der Türkisch-Deutschen Gesellschaft (TDG).

Pilotprojekt in Gießen: Teilnehmende aus Gesamtschule

Dieser Tage waren in der TDG an der Friedrichstraße fast 30 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren der Brüder-Grimm-Schule zu einem ersten Kennenlernen zusammengekommen. Sie besuchen dort Deutsch-Intensivklassen. Bilgin erzählt, er habe in der Stadt alle Schulen angeschrieben und angerufen. BGS-Lehrerin Lenka Schneider habe innerhalb weniger Minuten auf seine E-Mail geantwortet. Bei einem Besuch an der integrierten Gesamtschule in Kleinlinden habe er dann den Schülerinnen und Schülern die Idee hinter dem Projekt vorgestellt. Die meisten von ihnen hätten anfangs zurückhaltend reagiert. Als er ihnen aber erzählt habe, dass er türkische Wurzeln habe, seien sie aufgetaut.

Eine Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen. »Zum Teil haben sie Traumata erlebt«, sagt Bilgin. »Hier müssen sie natürlich die Sprache lernen, sich der hiesigen Kultur anpassen, dürfen aber gleichzeitig nicht vergessen, woher sie kommen.« Doch Deutsch- oder Integrationskurse alleine können nicht dafür sorgen, dass sich ein Mensch angenommen fühlt. »Was prägt das Bild von Deutschland«, fragt Bilgin und liefert die Antwort direkt im Anschluss: »Der persönliche Kontakt zu anderen Menschen.« Und genau der soll im Rahmen des Projekts geschaffen werden.

Gießen: Freundschaft bringt Orientierung

Jede Woche oder alle 14 Tage wollen sich die Kinder und Jugendlichen sowie die Engagierten des Vereins treffen, um gemeinsam etwas zu unternehmen: Fußballspielen und Grillen, ins Stadttheater gehen, einen Malkurs absolvieren. Die Vorschläge der Teilnehmenden des Projekts sollen im Mittelpunkt stehen, betont Bilgin.

»Viele Freizeitaktivitäten kosten Geld«, betont der 18 Jahre alte Gießener, der in diesem Jahr sein Abitur gemacht hat. Der Verein Omnes - lateinisch für »Alle« - will deshalb benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.

Es geht aber nicht nur um Spiel und Spaß. Zu Beginn der Treffen lädt der Verein zum Beispiel Pädagogen oder Fachleute für Umweltfragen ein, die mit den Kindern und Jugendlichen über bestimmte Themen sprechen. Bei den anschließenden gemeinsamen Aktivitäten soll das Wissen der Teilnehmenden über Kultur und Sprache während des Zusammenseins vertieft werden. »Das geht nicht durch reines Beibringen, sondern durch Miteinander«, betont Bilgin.

Auf diese Weise können Freundschaften entstehen, auf deren Basis persönliche Fragen und Anliegen der Kinder und Jugendlichen geklärt werden können, sagt Bilgin. »So können wir ihnen Orientierung geben« - und einen positiven Blick auf das Leben.

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