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Kenneth Hoehn, Juliane Frey, Dominik Schäfer und Josefine Klaas (v. r.) haben die App-Idee »ErstHelden« entwickelt, die im Notfall in Sachen Erster Hilfe unterstützen soll. Christoph Trust (links) arbeitet beim Medizintechnik-Unternehmen CRS und räumt den dualen Studenten Klaas und Schäfer Arbeitszeit zum Feilen am Geschäftsmodell frei.

Der digitale Helfer im Notfall

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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2500 Unfälle passieren jeden Tag. Im Notfall kann einen Erste Hilfe schnell überfordern. »ErstHelden« ist die Idee einer jungen Gruppe zu einer App, die bei einem Unfall helfen soll. Beim Start-up-Weekend Mittelhessen hat sie Eindruck hinterlassen.

Stell dir vor, du sitzt bei deiner Oma genüsslich bei Kaffee und Kuchen und plötzlich greift sie sich schmerzerfüllt an die Brust und geht zu Boden. Du weißt überhaupt nicht: Was muss ich tun? Nur, dass du schnell helfen musst«.

M it diesem Szenario leitete Josefine Klaas die Präsentation zur ihrer App-Idee »ErstHelden« ein, die in solchen Notfällen ein schneller Helfer sein soll. Gemeinsam mit Dominik Schäfer und Juliane Frey entworfen, landete das Trio damit beim Start-up-Weekend Mittelhessen in Gießen unter den Finalisten. Zur Gruppe hinzu kam danach noch der Marketingstudent Kenneth Hoehn; zu nennen ist außerdem Christoph Trust von dem Medizintechnikunternehmen CRS medical in Aßlar, wo Klaas und Schäfer im Rahmen ihres dualen Studiums arbeiten. CRS räumt den beiden Arbeitszeit frei, damit sie an der App und am Geschäftsmodell feilen können. »Das verspricht für uns zwar keinen Profit, ist aber eine super Idee, die eine Lücke schließt und zu unseren Themen passt«, sagt Trust.

Erst-Hilfe-Anleitung in einer App

Im Schnitt dauert es zehn Minuten, bis ein Rettungswagen eintrifft. »Und ich kann aus Erfahrung sagen: Zehn Minuten kann niemand adäquat reanimieren«, sagt Rettungssanitäterin Klaas. »Mit jeder Minute ohne lebensrettende Sofortmaßnahmen sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent«, betont die 21-Jährige, die schon miterlebt hat, wie jemand nicht mehr reanimiert werden konnte. Auch Trust berichtet: »Ich bin schon mehrere Male zu Unfällen gekommen und habe festgestellt, dass Leute, die bereits vor Ort waren, völlig überfordert mit der Situation und teilweise nicht im Stande waren, einen Notruf zu tätigen.«

In diesen Stresssituationen, die einen Wissen über Erste Hilfe auch mal schnell vergessen lassen, kommt ihre App ins Spiel. »Es gibt einen Notfall-Button - wenn man ihn anklickt, erklärt die App schrittweise Rettungsmaßnahmen«, erläutert Student Schäfer. »Außerdem, wo der nächste AED ist und wie man ihn richtig einsetzt«. AED steht für automatisierter externer Defibrillator; durch Stromstöße kann dieses medizinische Gerät Herzrhythmusstörungen oder einen -stillstand beenden. Eine Anleitung gibt in der Regel aber auch das Gerät selbst - per Sprache oder Display.

»In Deutschland wissen nur knapp 60 Prozent, was das überhaupt ist, und nur 16 Prozent, wo der nächste AED zu finden ist«, weiß Klaas. Daher möchten sie in »ErstHelden« insbesondere eine vernetzte Gemeinschaft aufbauen, die selbstständig AED in einer Karte einträgt oder auch andere medizinische Inhalte pflegt; im Notfall soll die App einen dann zum nächst gelegenen Defibrillator führen. Benötigt man Hilfe, soll man über das Netzwerk andere Nutzer um Unterstützung bitten können. Meldet sich jemand in der Nähe, führt die App die Person zum Unfallort, und auf dem Weg kann er oder sie den nächsten AED einpacken.

In Gießen gibt es zum Beispiel welche in der Aula des Uni-Hauptgebäudes, im Rathaus, bei der Feuerwehr in der Steinstraße oder im Hallenbad in der Ringallee. Im Internet kann man bei dem gemeinnützigen Verein Definetz das deutschlandweit umfangreichste Kataster mit über 80 000 erfassten Standorten von AEDs aufrufen. Ziel des Vereins ist neben dieser Erfassung auch, die Verteilung zu optimieren und insgesamt über Defibrillatoren und Erste Hilfe zu informieren.

Über ein Punktesystem sollen in der App »ErstHelden« Interessierte motiviert werden, selbst Daten einzugeben; eine Quizfunktion soll darüber hinaus den Spaßfaktor beim Lernen der Inhalte bieten.

Da das alles allerdings wenig Einnahmen verspricht, hat sich das junge Team zusätzlich überlegt, Kurse in Erster Hilfe anzubieten. »Unser Vorteil ist, dass wir uns von diesen Heftchen verabschieden können, die man nach den Kursen bekommen, aber wohl nie wieder reingeschaut oder sie weggeschmissen hat«, sagt Schäfer. »Wir bilden alle Infos in der App ab.«

Für Vereine, Schulen und junge Eltern

Darüber hinaus sind auch Antworten auf Fragen vorgesehen, wie: Was passiert eigentlich, nachdem ich Hilfe bei einem Unfall geleistet habe? Wie bin ich hier versichert? Bekomme ich psychische Unterstützung? Und kommt jemand für Geräte auf, die vielleicht im Eifer des Gefechts kaputt gegangen sind? Weil ihr Geschäftsmodell somit grundsätzlich zur Aufklärung über Erste Hilfe beiträgt, versprechen sie sich Mittel von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, die diese Wissensvermittlung fördert.

Im Prinzip gehöre jede und jeder zu ihrer Zielgruppe, aber vier Kerngruppen haben sie definiert: Vereine, Schulen, junge Eltern und Hilfsorganisationen. Denn auch bei diesen sei stetige Weiterbildung ja wichtig, betont Schäfer.

Ein Netzwerk für junge Start-ups in Mittelhessen sowie weitere Informationen gibt es auf foundershub-mittelhessen.de.

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