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Botanischer Garten öffnet nach langer Pause – Mit einigen Neuerungen in Gießen

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Von: Christoph Hoffmann

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Krokusse im Botanischen Garten in Gießen.
Nicht nur die Krokusse freuen sich über den Regen, auch der technische Leiter des Botanischen Garten in Gießen, Holger Laake, begrüßt die Bewässerung. © Oliver Schepp

Nach langer Corona- und Neubau-Pause öffnet der Botanische Garten in Gießen wieder. Nicht alle Neuerungen sind von Anfang an zugänglich.

Gießen – Am Sonntag öffnet der Botanische Garten seine Pforten. Damit endet nicht nur die Winterpause, sondern wegen Umbauten und Corona auch eine sehr lange Zeit der Ausnahmezustände. Für viele Besucher dürften die neuen Gewächshäuser Höhepunkt des Besuchs werden. Betreten darf man die Neubauten aber immer noch nicht.

Eine graue Suppe hängt über Gießen, es regnet schon seit Stunden. Die meisten Gießener dürften solch einem Wetter nicht viel abgewinnen können, Holger Laake hingegen ist bester Laune. Kein Wunder, schließlich ist er der technische Leiter des Botanischen Gartens, und der hat das Wasser bitter nötig. »Es müsste mal 14 Tage am Stück so regnen«, sagt Laake mit Blick auf die vielen Dürreperioden. Doch daraus wird erst einmal nichts. Bereits für den nächsten Tag ist wieder Sonnenschein angesagt, was dem Pflanzenwachstum noch einmal einen Schub verleihen wird. Somit wartet ein bunter Begrüßungsstrauß auf die Besucher. Denn die dürfen ab Sonntag nach langer Durststrecke endlich wieder den Botanischen Garten betreten.

Nach Corona- und Neubau-Pause: Botanischer Garten in Gießen öffnet wieder

Uneingeschränkte und unbeschwerte Spaziergänge durch den botanischen Garten liegen lange zurück. Bereits 2017 wurde mit den Arbeiten für den Neubau der Gewächshäuser in Gießen begonnen, wodurch einige Wege zwischenzeitlich Tabu waren. Dann kam Corona, während der Pandemie war die universitäre Einrichtung meist geschlossen oder nur teilweise und mit Beschränkungen zugänglich. »Die Besucherzahl war dadurch merklich zurückgegangen«, sagt Laake.

Während der technische Leiter von den Auswirkungen der Pandemie berichtet, rutscht der Fotograf auf einem der Wege aus, beinahe hätte er die Krokusse auf Augenhöhe fotografieren können. »Tatsächlich merken wir auch an den Wegen, dass in den vergangenen drei Jahren deutlich weniger Leute hier waren«, sagt Laake. Durch die ausbleibende Belastung sei der Untergrund weicher geworden, zudem sprießen kleine Pflanzen durch die Kiesel. »Das hatten wir noch nie.«

Ab Sonntag um 8 Uhr können die Besucher den Garten wieder erobern und auch die Gewächshäuser bestaunen - anfangs jedoch nur von außen. Zwar war für den 20. März der Wegfall der meisten Corona-Beschränkungen geplant, einige Bundesländer, darunter Hessen, traten mit Blick auf die hohen Inzidenzen allerdings auf die Bremse. Die Universität ist sich daher noch nicht im Klaren, wie innerhalb der Gewächshäuser verfahren werden soll, sagt Laake. »Sie bleiben daher vorerst geschlossen, sie sollen aber zeitnah geöffnet werden.«

Botanischer Garten in Gießen: Gewächshäuser bleiben zunächst geschlossen

So lange bleibt den Gärtnern noch Freiraum zum Arbeiten. Und zur Akklimatisierung. Denn mit den Neubauten sind auch neue Herausforderungen verbunden. »Die Mitarbeitenden müssen sich deutlich umstellen«; sagt Laake und betont, dass die Klimaführung in den neuen Gewächshäusern ganz anders sei. »Die alten Gewächshäuser waren energetisch nicht die besten. Man hat ordentlich nach draußen geheizt.« Für die Pflanzen seien die abführenden Temperaturen jedoch vorteilhaft gewesen. Die Lüftung, die zuvor durch undichte Fenster erfolgte, übernehme nun moderne Technik. Gerade mit Blick auf die Bewässerung müssten sich die Gärtner diesbezüglich noch herantasten.

Während in dem einen Glas-Komplex Kakteen, tropische Gewächse und mediterrane Hartlaubgehölze gepflegt werden wollen, ist in dem daneben gelegenen Glaskorpus, dem Victoriahaus, die Seerose beheimatet. Nicht weit davon entfernt steht das Palmenhaus, das in diesem Jahr ebenfalls seiner Bestimmung nach genutzt werden soll. Laake kündigt an, dass dort Ausstellungen zu sehen sein sollen, die Grüne Schule wird ebenfalls Platz finden.

Auch wenn die insgesamt 8 Millionen Euro teuren Gewächshäuser in Gießen für die Besucher noch tabu sind, hat der Garten dennoch viel zu bieten. »Die Pflanzen sind gut durch den Winter gekommen. Auch die Stürme haben keinen großen Schaden angerichtet«, sagt Laake, während er vor einem Feld von Krokussen und Schneestolz steht. Wenn am Sonntag der botanische Garten öffnet, werden die Besucher noch viele weitere bunter Gewächse bestaunen können. Dem Wetterbericht zufolge brauchen sie dann - im Gegensatz zu Laake - auch keinen Regenschirm. (Christoph Hoffmann)

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