Freuen sich auf Zukunftsentwürfe für die "Post-Corona-Welt": JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee (l.) und der Politikwissenschaftler Prof. Claus Leggewie. FOTO: CSK
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Freuen sich auf Zukunftsentwürfe für die "Post-Corona-Welt": JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee (l.) und der Politikwissenschaftler Prof. Claus Leggewie. FOTO: CSK

Denkanstöße vor dem Bildschirm

  • vonChristian Schneebeck
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Die Ringvorlesung des Präsidenten der Justus- Liebig-Universität dreht sich in diesem Winter um die Corona-Krise und die Welt danach. Erneut hat Joybrato Mukherjee spannende Redner eingeladen. Zu hören sind die Vorträge aber diesmal nicht im Hauptgebäude, sondern nur im Livestream.

Vielleicht bietet das Format auch Vorteile. Unter einem limitierten Platzangebot werde die Ringvorlesung des Präsidenten in diesem Wintersemester jedenfalls nicht leiden, betonte Prof. Joybrato Mukherjee bei einem Pressegespräch. Gemeinsam mit Prof. Claus Leggewie, der die Reihe konzipiert hat, präsentierte der JLU-Präsident das sechsteilige Programm. Wegen der Corona-Pandemie kann das Publikum alle Vorträge, die weiterhin immer montags stattfinden, nur im Livestream sehen. Inhaltlich greifen sie die aktuelle Krise auf - um zugleich den Blick nach vorn zu richten. "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Und: Wie wir morgen leben werden" heißt der ambivalente Titel.

Wobei "optimistisch" eigentlich das passendere Adjektiv sei, erklärte Leggewie. Schließlich gehe es darum, "wie man aus der gegenwärtigen Lage kollektiv tastend lernt". Die prominentesten "Pfadfinder" stehen auf den Plätzen eins und sechs der Terminliste: Prof. Lothar H. Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, hält am 16. November den Eröffnungsvortrag. Mit "Das Robert-Koch-Institut: zentraler Akteur in der Bewältigung der SARS-CoV-2-Pandemie" dürfte er bereits viele Zuschauer vor die Bildschirme locken. Gleiches gilt für Svenja Schulze (SPD). Am 8. Februar 2021 beschließt die Bundesumweltministerin die Ringvorlesung unter der Überschrift "Aus der Krise lernen: Klima- und Umweltschutz in Zeiten von Corona".

Diese und alle anderen Vorträge beginnen jeweils montags um 19.15 Uhr. Thematisch deuten die Beispiele Wieler und Schulze bereits an, welchen Bogen die Reihe insgesamt schlagen soll. Sie nimmt ihren Ausgang beim Status quo der Pandemie und führt Schritt für Schritt weiter in Richtung der deutlich langfristigeren Herausforderung des Klimawandels. In diesem Sinne enthalte der aktuelle Zustand nicht zuletzt die Chance, "die Post-Corona-Welt neu zu denken", sagte Mukherjee. Konkret seien dabei unter anderem Felder wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit, neue Formen der Mobilität und das Verhältnis von Leben und Arbeiten zu erörtern.

Aus juristischer Perspektive spricht Prof. Anna-Bettina Kaiser (Humboldt-Universität Berlin) über "Demokratie perdu? Wie man einen Ausnahmezustand beendet". Dafür untersucht sie am 23. November die verfassungsrechtlichen Grundlagen des ersten Ausnahmezustands in der Geschichte der Bundesrepublik. Eine "Katastrophenzeit" diagnostiziert gar Soziologe Prof. Sighard Neckel (Uni Hamburg) - allerdings aus globaler Perspektive. "Wie fundamental muss der gesellschaftliche Wandel sein?", fragt er (7. Dezember).

Das neue Jahr bringt am 25. Januar zunächst Ansätze des Klimaforschers Prof. Hans Joachim Schellnhuber (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung) für "Eine Neue Erzählung der Moderne". Technischer Fortschritt, natürliche Ressourcen und die Grenzen des Wachstums sind hier drei Schlüsselbegriffe. Urban wird es am 1. Februar mit Prof. Uwe Schneidewind (Bergische Universität Wuppertal). "Zukunftslabore: Städte als Suchräume für neue Zukünfte?" heißt das Thema des Wirtschaftswissenschaftlers und frisch gewählten Oberbürgermeisters von Wuppertal.

Alle Vorträge zeichnen sich durch wissenschaftliche Expertise, Lust am Diskurs und Mut zu praktischen Handlungsvorschlägen aus, sagt Leggewie. Die Ringvorlesung wegen Corona ausfallen zu lassen, stand laut Mukherjee nie ernsthaft zur Debatte. Vielmehr garantiere sie "ein Mindestmaß an Kontinuität und Normalität" in einem absehbar unnormalen Semester. Um die Zuhörer aktiv einzubinden, soll es die Chnace für Nachfragen geben, wahrscheinlich über einen Chat parallel zum Livestream; der abrufbar ist unter uni-giessen.de/ringvorlesung.

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