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Menschen mit Gehbehinderung oder Kinderwagen sollten nicht den roten, sondern den blauen Knopf rechts neben der Tür drücken.

Den richtigen Knopf drücken

  • VonRoland Schicho
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Gießen (ige). »Vor dem Busfahren haben auch die anderen Bewohner in unserem Seniorenheim Angst«, erzählte Traute Peters, eine zur letzten Fahrgastbeiratssitzung eingeladene Seniorin. Die 80-Jährige ist viel und gerne mit dem Rollator in der Stadt unterwegs und sie prangerte schon früher öffentlich Probleme ihrer Leidensgenossen an. So hatte sie in einem Leserbrief dargelegt, wie schwierig es für Menschen mit Rollatoren ist, das Elefantenklo zu überwinden.

In der Fahrgastbeiratssitzung berichtete die Frau, die sich als stark körperbehindert bezeichnet, dass viele Bus-Chauffeure sehr aufmerksam seien. Aber: »Als ich am Marktplatz in die Linie 2 Richtung Eichendorffring in den Bus wollte, konnte ich bei meinem ersten Versuch nicht einsteigen, weil die Bustür sich rasch wieder schloss. Beim zweiten Anlauf wurde ich mit meinem Rollator von der Bustür eingeklemmt.« Dadurch sei für sie eine brandgefährliche Situation entstanden, die einen fatalen Sturz zur Folge hätte haben können. Sie habe mit ihrem Gefährt »zwischen Tür und Angel« gehangen. »Da ist mir der Kragen geplatzt, und ich habe den Busfahrer lautstark beschimpft. Der wiederum behauptete, er habe keine Möglichkeit, das automatische Schließen der Tür zu verhindern. So ein Quatsch«, befand sie am Saalmikrofon. Es sei traurig, dass sich viele Senioren mit Rollatoren deshalb nicht trauten, mit dem Bus zu fahren.

Sven Germann, Leiter des regionalen Blinden- und Sehbehindertenbundes, attestierte: »Mir ist die Erfahrung nicht unbekannt, auch wenn ich nicht mit Rollator unterwegs bin.« Fahrgastbeiratssprecher Friedhelm Sames beschwichtigte: Den Stadtwerken solle man »nicht gleich vors Schienbein treten«. Für die ging Anne Müller-Kreutz, Leiterin Nahverkehr-Services bei den SWG, in den Verteidigungsmodus. Zwar sei es eine Frage des Fahrzeugalters. »Doch die neueren Gelenkbusse haben an der mittleren Tür außen und innen einen blauen Knopf für Kinderwagen und mobilisiert eingeschränkte Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Gehstock.« Innen sei zusätzlich zum blauen Knopf die Türöffnungstaste zu drücken. Der Chauffeur erhalte so ein optisches und akustisches Signal im Armaturenbrett und sei in der Lage, die Tür - optisch von ihm überwacht - erst nach dem Passieren des Fahrgastes zu schließen.

Broschüre angekündigt

Bei einem fehlenden blauen Knopf sei es vor dem Einsteigen sinnvoll, so wurde im Plenum empfohlen, einen Arm zu heben. Damit werde dem Busfahrer signalisiert, ein langsames Passieren der Tür durch den Fahrgast im Auge zu behalten. Angeregt wurde im Gremium, das Fahrpersonal für diese Problematik zu sensibilisieren.

Für die Fahrgäste kündigte Patrik Jacob vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) an, dass der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) demnächst eine spezielle Broschüre für Rollator-Fahrer herausbringe.

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