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HHG-Vorsitzender Marcus Kiefer, OB Dietlind Grabe-Bolz, Förderpreis-Vertreter Mathias Bleier (Dresden), Heckroth-Preisträger Olaf Altmann (Berlin), Kunstgeschichts-Professorin Sigrid Ruby, RP Christoph Ullrich und Laudator Oliver Reese (Berlin) am Rande der Preisverleihung.

Den Bühnenraum denken

  • VonDagmar Klein
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Der Hein-Heckroth- Bühnenbildpreis 2021 ist am Sonntag an Olaf Altmann überreicht worden. Die jetzt zehnte Preisverleihung fiel mit dem 20-jährigen Jubiläum der Hein-Heckroth- Gesellschaft zusammen.

Die Corona-Pandemie verursachte nicht nur die Verschiebung der Preisverleihung von April auf Mitte September, sondern auch deutlich ausgedünnte Publikumreihen. Was jedoch der Qualität der Beiträge und der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Vermisst wurde einzig der nachträgliche Sektempfang im Theaterfoyer, der immer Gespräche mit den von weither angereisten Gästen ermöglicht hat.

Für den organisierenden HHG-Vorstand hatte der Vormittag mit Aufregung begonnen, steckte der Musiker doch im Autobahnstau. Aber Laszlo Fenyö schaffte es gerade noch rechtzeitig und eröffnete mit seinem Violoncello den Heckroth-Preisverleihungs-Festakt, den Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz als »Highlight im Gießener Kulturleben« bezeichnete. Nicht geschafft hatte es die Förderpreisträgerin Sabrina Rox, die sich noch in der Genesungsphase nach einer Operation befindet. An ihrer Stelle war Mathias Breier aus Dresden angereist, um die Ehrung im Namen seiner Frau in Empfang zu nehmen und eine kleine Dankesrede zu halten. Moderiert wurde die Matinée zum wiederholten Mal von Petra Soltau, einst Schauspielerin am Stadttheater Gießen.

HHG-Vorsitzender Marcus Kiefer eröffnete mit wohlgesetzten Worten die Redebeiträge. Neben vielen Danksagungen flocht er auch »Zufallsfäden« ein: So war eines der ersten Engagements von Hein Heckroth 1932 an den Bühnen Chemnitz. Und von dort stammt der aktuelle Preisträger Olaf Altmann, dort war er vom Bühnentechniker zum Bühnenbildner geworden, hatte Michael Thalheimer kennengelernt und mit ihm seither ein unschlagbares Inszenierungsteam gebildet.

Regierungspräsident Christoph Ullrich vertrat Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusministerin Dorn, richtete deren Grüße und Glückwünsche zum Jubiläum aus. Der Geschäftsführende Intendant am Stadttheater Gießen, Martin Reulecke, drückte im Namen des gastgebenden Hauses seine Freude über die Veranstaltung aus.

Sigrid Ruby, Professorin für Kunstgeschichte an der JLU, warf einen neuen Blick auf Heckroths Schaffen unter dem Thema »Surrealismus und Exil«. Sie bot eine spannende Reise durch Heckroths bildnerisches Schaffen, bei der wenig bekannte Bildbeispiele gezeigt wurden. Einiges ist in Australien, wohin er während des Krieges von England aus als »feindlicher Deutscher« deportiert worden war, erst kürzlich aufgetaucht. Der am Institut für Kunstgeschichte geplante Workshop zu Heckroth, der corona-bedingt schon zweimal verschoben wurde, soll 2022 stattfinden.

Laudator Oliver Reese ist seit kurzem Intendant am Berliner Ensembles (BE), zuvor war in dieser Funktion am Frankfurter Schauspiel zuständig. Er hielt eine sehr anschauliche Rede, die sich aus persönlichen Erlebnissen speiste, bei der auch geschmunzelt werden durfte, vor allem wenn es um Hierarchien im Theater ging und wie sie unterlaufen werden. Olaf Altmann baue keine Bühnenbilder, analysierte Reese, »er denkt den Bühnenraum«. Was oft provozierend und auch im wörtlichen Sinne unbequem sei.

Wenn Olaf Altmann bei seiner Danksagung Lampenfieber hatte, dann merkte man es ihm nicht an. Auch er gab einige für Außenstehende wundersame Einblick in die Theaterarbeitswelt. Er betonte, dass Bühnenbildner »oft den ersten Pflock einrammen« für eine Inszenierung, was kaum bekannt ist und selten genug gewürdigt wird. Gerade an großen Bühnen müsse der Bühnenbildentwurf schon bis zu anderthalb Jahre vor der Inszenierung vorliegen, damit bis zum Probenbeginn alles fertig ist. Den Heckroth-Preis mag er auch deswegen, weil dieser ihm ermöglicht; auch Kurator zu sein. Und er merkte noch an, dass seine Assistenzen zu 97 Prozent weiblich besetzt, aber seine Kollegen allesamt männlich seien. Da gebe es ein deutliches Ungleichgewicht. Die von ihm vorgeschlagene Förderpreisträgerin Sabrina Rox (Dresden) stellte er mit herzlichen Worten vor.

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