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Sie alle freuen sich auf die neue Spielzeit: die Dramaturgen André Becker und Carola Schiefke, Intendantin Cathérine Miville, GMD Florian Ludwig, Abdul M. Kunze vom Jugendtheater, Ballettdirektor Tarek Assam, Musikdramaturg Samuel Zinsli, Chordirektor Jan Hofmann und Patrick Schimanski (v. l.) präsentieren die Planungen für die Zeit ab September dieses Jahres im Großen Haus des Stadttheaters und auf der Studiobühne.

Den Blick nach vorn gerichtet

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Kulturbetriebe können noch immer nur unter Vorbehalt planen. Das Stadttheater hofft aber zumindest, im September die neue Spielzeit vor volleren Zuschauerrängen starten zu können. Intendantin Cathérine Miville und ihr Team wollten daher bei der Spielplanpräsentation ganz bewusst den Blick nur nach vorn richten - auf die künstlerischen Pläne für die Saison 2021/22.

Endlich!«. Kinder- und Jugendtheaterleiter Abdul M. Kunze bringt es bei der Präsentation des neuen Spielplans 2021/22 mit diesem Stoßseufzer auf den Punkt. Am Stadttheater stehen die Zeichen zumindest ab September - nach vielen mehr oder weniger theaterlosen Pandemie-Monaten - wieder auf Spielbetrieb. Vieles im Programm der letzten Spielzeit von Intendantin Cathérine Miville befindet sich zudem bereits jetzt in einem fortgeschrittenen Probenstadium. Manches hatte sogar schon mal Premiere, bevor sich der Theatervorhang schließen musste. Und auch bei der Anzahl der Opern, Schauspiele, Tanzabende, Sinfoniekonzerte und vielem mehr gibt es keine Abstriche.

Und doch gilt, wie es das Spielzeitmotto formuliert: »Alles bleibt anders«. Theater ist noch immer nur unter Vorbehalt planbar. Worum es in den letzten Wochen der aktuellen Spielzeit geht und was in den letzten Corona-Monaten mit dem Theater passiert sei, solle zu einem späteren Zeitpunkt Thema sein, meint die Intendantin und richtet mit ihrem Team den Blick »ausschließlich auf die künstlerischen Pläne für die neue Spielzeit«, in der die Angebote sukzessive immer mehr erweitert werden, voller Hoffnung, dass gegen Ende der Spielzeit alles weitgehend normal läuft.

Was Generalmusikdirektor Florian Ludwig und sein Stellvertreter Jan Hoffmann, Ballettdirektor Tarek Assam, die Dramaturgen André Becker (Chefdramaturg), Samuel Zinsli (Musiktheater), Carola Schiefke (Schauspiel) und Allrounder Patrick Schimanski aus dem Hut zaubern, dürfte tatsächlich alle Theaterhungrigen zufriedenstellen.

»Ich glaube ich weiß, was das Publikum sich im Herbst ersehnt: ein volles Orchester«, ist sich GMD Ludwig sicher und offeriert zehn Sinfoniekonzerte mit bekannten Solisten wie Sopranistin Katarina von Benningssen, Pianist Markus Becker oder Geigerin Maria-Elisabeth Lott sowie spannenden Werken wie Olivier Messians »Des Canyons aux étoiles«, Haydns »Schöpfung« oder »A soulful messiah« nach Georg Friedrich Händel.

»Gold« zum Start am 11. September

Auch im Musiktheater kann sich das Publikum wieder auf pralle Klangfülle und tiefgründige Themen freuen. Los geht es im September mit Benjamin Brittens »The rape of Lucretia« mit je vier Sängerinnen und Sängern und zwölf Instrumenten, die aber »große Oper zaubern«, so Zinsli. Es folgen Bellinis Oper »Zaira« (in einer eigens für Gießen entstandenen Orchestrierung von Herbert Gietzen), Charles Wuorinens »Brokeback Mountain« (Inszenierung Miville), das multimediale Spektakel »Brave Kids« für die ganze Familie, »Die Fledermaus« (Inszenierung Miville von 2020) sowie eine konzertante Aufführung von Wagners »Tristan und Isolde«. Die Kammeroper »Krieg. Stell dir vor er wäre hier« zeigt im taT für alle ab 14 Jahren, was Flüchtlingsein bedeutet. Die Schmachtigallen können ihre kurz nach der Premiere 2020 ausgebremste Gruselkomödie »Das Vermächtnis« fortsetzen und die Kammeroper »Das Tagebuch der Anne Frank« von Grigori Frid ist als Wiederaufnahme zu sehen.

Vier neue Tanzabende (»Elektra«, »Mond morgen«, »Our play is« und »Die goldene Regel«) sowie zwei Wiederaufnahmen (»Jagen« und »Carmen«) stehen im Tanztheater an. Tarek Assam und seine Tanzcompagnie werden mit bekannten Choreografen wie Mauro Astolfi, Thomas Noone oder Susanna Curtis individuelle Tanzsprachen entwickeln - und dabei die Tanzart ostwest an Pfingsten 2022, die »De-Konstruktionen« zwischen den Kunsthallen-Ausstellungen oder Site-Specific-Performances fest im Blick behalten.

Prall gefüllt ist auch das Angebot im Schauspiel, das nicht nur durch die pandemiebedingte Theaterschließung verhinderte Inszenierungen endlich zeigen, sondern auch gänzlich Neues präsentieren kann. Mit dem post-apokalyptischen Schauspiel »Gold« von Philipp Gärtner (Inszenierung Titus Georgi) startet das Theater sogar am 11. September in die neue Spielzeit. Katharina Ramser inszeniert Kleists »Der zerbrochene Krug« so, »wie man es noch nie auf einer deutschen Bühne gesehen hat« (André Becker), nämlich mit vertauschten Geschlechterrollen und Carolin Weber als Richterin Adam. Sophie Berner und Tomi Wendt sind zu erleben in Monty Python’s »Spamalot«, einer Musical- und Artussagenparodie (Inszenierung: Thomas Goritzki). Im Großen Haus gibt es zudem »Das hündische Herz«, nach einer Erzählung von Michael Bulgakow (Inszenierung Wolfgang Hofmann), und »Falstaff«, ein Lustspiel von Andreas Marber nach Shakespeare (Inszenierung Malte Lachmann). In »Bookpink«, einem dramatischen Kompendium von Caren Jeß, träumt eine Taube von barocker Zügellosigkeit und in der Wiederaufnahme »Der Vorname« streiten wieder fünf Mitglieder des Schauspiel- ensembles darüber, ob man ein Baby tatsächlich Adolf nennen darf.

»Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends« (nach einer Erzählung von Peter Licht), »Die Hamletmaschine« als multimediale Umsetzung des Textes von Heiner Müller (Inszenierung Patrick Schimanski), »Traumspiel(e)« nach August Strindberg, »Die Brüder Karamasow« in einer Fassung von Christian Fries und Martin Gärtner in einer Bodo-Wartke-Neudichtung der »Antigone« lohnen ebenfalls im Theaterstudio einen Besuch.

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