Demut

  • vonRedaktion
    schließen

Der nächste harte Lockdown. Alles wird runtergefahren, viele fürchten um ihre Existenz. Es drückt uns aufs Gemüt. Mein "Leiden" in diesem Advent ist eher unwichtig: Kein Weihnachtsmarkt, keine Kirchenplatzbühne, keine Posaunenchöre, kein Nikolaus, kein Kinderchor. Auch der tägliche Plausch mit den Besuchern beim Glühwein ist ausgefallen. Fast 20 Jahre hat das meine Adventszeit als Stadtkirchenpfarrer geprägt.

Und diesmal Ruhe. Nichts. Wie schnell kann alles anders werden. Das lehrt Demut. Ich sehe darin aber auch eine Chance: Wir können Weihnachten neu entdecken! Weihnachten wird ja nicht, weil wir es "machen". Weihnachten ereignet sich, wenn wir es zulassen. Es ist ein Geschenk Gottes, das wir nur empfangen, wenn wir uns dafür öffnen. Weihnachten geschieht, wenn ich es in mir geschehen lasse.

Dazu kann die Ruhe hilfreich sein. Denn nicht die vorweihnachtliche Hektik, nicht der Lärm, weder der "Weihnachts-Stress", noch das "Weihnachts-Geschäft" sorgen dafür, dass Weihnachten wird. Das tut alleine Gott, indem er Mensch wird und sich uns gleich macht.

Das haben die Hirten in der Nacht erkannt und haben sich deshalb in Demut vor diesem Gotteskind niedergeworfen und es angebetet. Die hohen Herren und der König in der Stadt haben es nicht einmal mitbekommen. Im Kleinen das Große entdecken, im Unwichtigen das Eigentliche finden - so öffnet uns Weihnachten die Augen.

Vielleicht feiern wir draußen Gottesdienst oder versammeln uns als virtuelle Gemeinde vor den Bildschirmen. Oder es sind ganz neue Orte und Gelegenheiten, die uns die Weihnachtsbotschaft nahebringen. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass wir unsere Hoffnung, unser Sehnen und unser Vertrauen uns gegenseitig weitersagen und weitergeben.

Ich wünsche uns, dass wir trotz allem mit vollem Herzen auf Weihnachten zugehen. Dass wir den Blickwinkel der Engel finden und unsere Welt neu betrachten. Und dass wir uns freuen können, so ganz tief drinnen.

Pfr. Klaus Weißgerber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare