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Mit Transparenten und Fahnen ziehen die Demo-Teilnehmer durch die Stadt.

Demo

Demonstration in Gießen aus Solidarität mit Uiguren

  • vonConstantin Hoppe
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Rund 80 Teilnehmer sind am Samstag durch die Gießener Innenstadt gezogen und haben die Situation der Uiguren kritisiert.

Gießen – »Europäische Solidarität bis nach Xinjiang«, so lautete die Forderung der rund 80 Demonstranten, die am Samstagnachmittag durch die Gießener Innenstadt zogen. Sie betonten dabei, dass die chinesische Regierung bereits seit Jahren gegen die uigurische Bevölkerung vorgehe.

Ausgehend vom Berliner Platz zogen die Teilnehmer über den Anlagenring zum Seltersweg und durch diesen hindurch. Aufgrund der Teilnehmerzahl und des Wetters war der länger geplante Demonstrationszug kurzfristig etwa abgekürzt worden. Der sonst um diese Uhrzeit volle Seltersweg zeigte sich an diesem Nachmittag coronabedingt eher leer. Doch überall blieben Passanten stehen und folgten der Demonstration. Auch einige Fragen, zum Beispiel wer die Uiguren sind, waren zu hören. Die Uiguren sind die zweitgrößte muslimische Bevölkerungsgruppe in China und leben vor allem im Nordwesten des Landes in der autonomen Region Xinjiang. China sperrt die islamische Minderheit der Uiguren in sogenannte Umerziehungslager.

Kundgebung vor Gießener Rathaus: Demonstranten wollen wachrütteln

Zur abschließenden Kundgebung versammelten sich die Demonstranten vor dem Gießener Rathaus. »Wir stehen heute hier um wachzurütteln - der Genozid der Uiguren in China findet nicht erst seit gestern statt und auch nicht seit dem letzten Jahr. Warum haben wir nichts davon gehört?«, sagte Ines Yekkache. Sie sprach für die Buhara Moschee in Gießen. »Es spielt hier keine Rolle, wer die Unterdrücker sind und wer die Unterdrückten - es sind aber Menschen, aus diesem Grund geht es uns alle an.«

Mit Transparenten und Fahnen ziehen die Demo-Teilnehmer durch die Stadt.

Der Schulsprecher des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums Bünyamin Günduz hatte zur Abschlusskundgebung noch eine besondere Botschaft dabei: Einige Worte einer Uigurin, die als politischer Flüchtling nach Gießen kam: »Ich bin in China aufgewachsen und dort auch zur Schule gegangen«, las Günduz vor dem Gießener Rathaus vor. Die Uigurin wollte namentlich nicht genannt werden. »Wir wurden schon immer hier und da mal von manchen Leuten beleidigt - in der Schule durften wir keine religiösen Sachen zeigen, weshalb ich in der Schule kein Kopftuch trug und mein Bruder seinen Bart immer rasieren musste.« Bis vor etwa anderthalb Jahren hätte sie noch engen Kontakt zu ihrer Familie gehabt - seitdem erreiche sie niemanden mehr außer ihre Tante: »Sie hat mir erzählt, dass die männlichen Verwandten verschwunden sind, die weiblichen verstecken sich in einer ländlichen Gegend.«

»In einer hochglobalisierten Welt dürfen wir unsere menschlichen und moralischen Werte für nichts auf der Welt eintauschen«, erklärte Stergios Svolos, der jüngste Kommunalpolitiker (Grüne) in Gießen und Mitorganisator der Demonstration.

Demonstration in Gießen: Appell an Europäische Union

Unter anderem unterstützten die Schülervertretung des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums, der Stadtschülerrat, die »Omas gegen Rechts«, Jusos, Grüne Jugend, AstA und weitere die Demonstration. »Wir fordern die Europäische Union auf, klare Konsequenzen zu ziehen gegenüber dem tyrannischen System in China. Sanktionen reichen nicht aus«, nannte Svolos die Ziele der Demonstranten. (con)

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