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Gunnar Seidel will erreichen, dass sich das Publikum in ihn verliebt.

Dem Herzklopfen auf der Spur

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Die Theaterperformance »Verlieben« hinterfragt Flirttipps, Aphrodisiaka und Bühnentricks. Sie ist als einmaliges Gastspiel des Brachland-Ensembles auf der taT-Studiobühne zu erleben. Regie führt Maria Isabel Hagen, Gunnar Seidel ist der Solo-Darsteller. Beide sind in Gießen gut bekannt.

Romeo hat bei Julia die Liebe gefunden. Don Giovanni liegen die Frauen reihenweise zu Füßen. Und Torquato Tasso ist sich sicher, dass ihm Fürstentochter Leonore zugetan ist. Sie alle sind Bühnenliebhaber, deren Schicksal vom Dichter vorbestimmt ist. Doch was muss passieren, damit der Funke von der Bühne ins Publikum überspringt, damit sich die Zuschauer(innen) in den Bühnenliebhaber, also den Protagonisten, vergucken? Dem geht Maria Isabel Hagen in ihrem einstündigen Theatervergnügen »Verlieben« auf den Grund, das am Freitag, 24. September, 20 Uhr, als Gastspiel des Brachland-Ensembles auf der taT-Studiobühne zu sehen sein wird.

Der Liebe wird etwas Unberechenbares - nahezu Magisches - zugeschrieben. In einem angsteinflößenden, weil berechnenden Versuch verfolgt Gunnar Seidel als »Verlieben«-Solo-Darsteller die Absicht, diese Magie auf der Bühne und im Zuschauerraum künstlich herzustellen. Zwischen Performance, klassischem Schauspiel und dem Kunststück, doch immer zu 100 Prozent er selbst zu bleicen, changiert er zwischen den Formen. Er verspricht seinem Publikum: »Im Laufe dieses Abends werden sie sich in mich verlieben.«

Seidel ist freischaffender Schauspieler, Performer und Regisseur und in der künstlerischen Leitung des Brachland-Ensembles aktiv. Er war einige Jahre Schauspieler am Stadttheater Gießen, man kennt ihn unter anderem aus »Fratzenfisch« oder »Orpheus«. Als Schauspieler beherrscht er Tricks und Kniffe, um sich unwiderstehlich zu machen. Doch wie springt der Funke von ihm über ins Publikum? Ist das reine Chemie oder die Kunst der emotionalen Verführung? Anhand seiner Theaterbiographie und mit fiktiven Elementen begibt sich Seidel auf die Spur des »Verliebens« auf und von der Bühne. Die These dahinter lautet: Es bedarf nur der richtigen Strategie, um gezielt eine bestimmte Empfindung hervorzurufen.

Wie schon in ihrer Masterinszenierung »Wahrscheinlich Weinen«, die 2014 ebenfalls auf der Theater-Studiobühne zu sehen war, widmet sich Regisseurin Maria Isabel Hagen wieder einem besonderen Vorgang. Zunächst ging es der Absolventin der Angewandten Theaterwissenschaften an der JLU im Kern zunächst darum, zu untersuchen, wie eine Performerin im Vergleich zu einer Schauspielerin das Weinen vermeintlich authentisch auf der Bühne darstellt. »Da habe ich angefangen, mich für Bühnen-Affekte zu interessieren und zu überlegen, wie man diese dekonstruieren kann«, berichtet sie. Die Idee, diese Dekonstruktion auch auf andere Affekte wie aktuell das »Verlieben« oder als nächstes Projekt das »Lachen« anzuwenden, sei ihr dabei ziemlich schnell gekommen.

Ihr Anliegen war es, eine Bühnenfigur zu schaffen, die bewusst auf das Publikum eingeht und mit verschiedenen (Bühnen-)Typen spielt. So habe von vornherein festgestanden, dass sie mit einem Schauspieler arbeiten würde. »Gleichzeitig wollte ich die Vermischung der Bühnenfigur mit der Privatperson Schauspieler und seinem Alltag aufgreifen. Verliebt man sich unter Umständen auch, selbst wenn man nur verliebt spielt?«.

»Verlieben« hatte 2018 in Nürnberg Premiere und hat nach Auskunft Hagens »zahlreiche Verliebte zurückgelassen«.

Maria Isabel Hagen

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