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»Das wird durchgezogen«

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Von: Burkhard Möller

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Auf dem früheren Autohaus-Grundstück sollen Wohnungen gebaut werden. FOTO: SCHEPP © Oliver Schepp

Gießen (mö). Horrende Baupreise. Lieferengpässe, Inflation, Zinserhöhung, Pandemie und Krieg: In diesen krisenhaften Zeiten wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, wenn es um unternehmerische Entscheidungen geht. So ließ am vergangenen Donnerstagabend Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) aufhorchen, als sie zu Beginn der Parlamentssitzung mitteilte, dass der Magistrat den Satzungsbeschluss zum neuen Wohngebiet in der »Rinn’schen Grube« an der oberen Marburger Straße von der Tagesordnung genommen habe, »auf Wunsch des Investors«.

Im späteren Verlauf der Sitzung sprach die Planungsdezernentin von »Finanzierungsformalien«. Es gehe nicht um inhaltliche Fragen der Planung.

Bei der Regio Bau- und Bodenentwicklungsgesellschaft Gießen (RBB), die das Projekt »Westhang Living« auf der Westseite der oberen Marburger Straße umsetzt, ist man nicht ganz glücklich mit der Aussage, dass der Investor um den Aufschub gebeten habe. »Wir wollen keine falschen Signale an den Markt senden. Es geht nur um eine leichte Verzögerung«, so Gesellschafter Jochen Ahl und betont: »Dieses Projekt wird durchgezogen.« Die Verschiebung der Beschlussfassung über die Bebauungsplansatzung, die nach Erwartung von Ahl in der Juli-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung erfolgen wird, hänge mit kurzfristigen Rückmeldungen aus dem Stadtplanungsamt zusammen, die man intern erst abarbeiten müsse. Sie beträfen auch nicht den Bebauungsplan, sondern den städtebaulichen Vertrag, den Stadt und Investor abschließen werden, um den Bebauungsplan zu flankieren. Ahl: »Es sind tatsächlich nur Formalien. Das regeln wir.« Inhaltliche Differenzen gebe es nicht. Ahl dankte Planungsdezernentin Weigel-Greilich ausdrücklich für die bisherige Unterstützung bei dem Wohn- und Gewerbeprojekt.

Die Verschiebung um eine Sitzungsrunde hindert die RBB nicht daran, die bereits begonnenen Abrissarbeiten auf dem Gelände des früheren BMW-Autohauses Würtele fortzusetzen. Für die sich anschließenden Erdarbeiten wird aber das Baurecht und damit der Satzungsbeschluss benötigt, erläutert Ahl.

Im Plangeltungsbereich sollen bis zu 180 Wohnungen entstehen. Beginnen will RBB mit einem Wohn- und Geschäftskomplex vorne an der Marburger Straße, den die Gesellschaft im eigenen Bestand halten und vermieten will. Den von der grün-rot-roten Stadtkoalition verlangten Sozialanteil bei den Wohnungen deckt die Lebenshilfe mit einem Wohnangebot für behinderte Mieter ab.

Die Absetzung des Tagesordnungspunktes hatte sogleich zu einer Reaktion aus den Reihen der Opposition geführt. Die CDU-Fraktion warf dem Magistrat »schleppendes Verwaltungshandeln« vor.

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