Amtsgericht Gießen
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Am Amtsgericht Gießen muss sich einer Assistenzarzt verantworten.

Nach WG-Party

Studentin in Gießen in eigener WG vergewaltigt - Assistenzarzt räumt Tat ein

  • VonConstantin Hoppe
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Im Oktober 2018 wird eine junge Frau nach einer WG Party im Schlaf vergewaltigt. Ihr damaliger Mitbewohner räumt die Tat vor Gericht ein.

Gießen - Seit Dienstagmorgen muss sich vor dem Gießener Amtsgericht ein 27-jähriger Mann wegen einer Vergewaltigung verantworten. Laut Anklageschrift kam der damalige Medizinstudent am Tattag auf eine Party in sein Wohnhaus. Hier feierten mehrere WGs gemeinsam, der Alkohol floss reichlich. An das, was dann in den Morgenstunden in seiner WG geschah, hat der 27-Jährige nach eigenen Angaben jedoch keine Erinnerungen mehr: Gegen 6:15 Uhr betrat er das Zimmer einer seiner Mitbewohnerin, zog der schlafenden, heute 26 Jahre alten Medizinstudentin laut Anklageschrift ihre Unterhose herunter und begann den Geschlechtsakt mit der Frau, die in dem Verfahren auch als Nebenklägerin auftritt.

Studentin in eigener WG in Gießen vergewaltigt

Die Studentin kam erst währenddessen zu sich, bemerkte die Situation und sprang auf. Als sie den Angeklagten zur Rede stellte, verließ dieser ihr Zimmer und die 26-Jährige alarmierte die Polizei. Zwischen der Geschädigten und dem Angeklagten bestand nie eine Beziehung, nur ein freundschaftliches Verhältnis, was beide auch am Dienstag vor Gericht bestätigten.

Der 27-Jährige, der heute als Assistenzarzt in der Schweiz arbeitet, räumte die Tat vor Gericht ein - jedoch habe er keine Erinnerung mehr an die Vorgänge: »Ich kann mir nicht erklären, warum ich das getan habe«, sagte er vor Gericht. Und weiter: »Ich bin Schuld an einer dummen Sache, die ich niemals wollte.« Mehrfach brach ihm die Stimme und schließlich musste er sich die Tränen aus dem Gesicht wischen. Er mache sich auch heute noch Vorwürfe, was in dieser Nacht geschehen ist.

Vergewaltigung in Gießen: Im Halbschlaf etwas bemerkt

Nach seinen eigenen Angaben setzen seine Erinnerungen erst wieder ein, als er im Polizeiauto saß: Bei einer anschließenden Blutentnahme wurden 2,43 Promille Alkohol bei dem Angeklagten gemessen, weshalb die Tat auch nur im schuldvermindernden Zustand angeklagt ist.

Auch die geschädigte 26-Jährige berichtete am Dienstag öffentlich von dem Abend - in großen Teilen deckt sich ihre Aussage mit der des Angeklagten. Nur dass sie eben noch Erinnerungen hat: »Irgendwann im Halbschlaf habe ich gemerkt, dass etwas komisch ist - irgendwas wurde an mir gemacht, was ich zuerst nicht zuordnen konnte.« Erst dann realisierte sie, was gerade mit ihr geschah und sie sprang auf und stellte ihren Mitbewohner zur Rede. »Ich habe ihn mehrfach gefragt, was er da tut - aber es kam nichts von ihm, aber ich hatte das Gefühl, es kam gar nicht bei ihm an. Er sagte nur ›Ich habe gar nichts gemacht - ich bin dein Mitbewohner‹.« Danach verließ er ihr Zimmer.

Nach WG-Party in Gießen Mitbewohnerin vergewaltigt

Wie schwer ihr auch heute noch die Tat zu schaffen macht, merkt man auch der jungen Frau schnell an: Immer wieder muss sie ihren Bericht unterbrechen und mit den Tränen kämpfen: »Was mit mir passiert ist, das kann man nicht beschreiben - ich wollte das nicht und es war schlimm.« Bis heute hat die 26-Jährige mit den Folgen der Tat zu kämpfen. Sie leidet nach wie vor an Alpträumen und manchmal auch Panikattacken und hat sich nach dem Vorfall Hilfe in einem Frauenhaus in Frankfurt gesucht.

Auch andere Gäste der Party konnten während der Verhandlung als Zeugen davon berichten, dass der Angeklagte an diesem Abend anders gewesen sei als sonst. Die meisten kannten ihn als introvertiert und nicht aggressiv. Vor der Tat soll er sich an diesem Abend jedoch lautstark mit jemand anderem gestritten haben: »So wie an diesem Abend kannten wir ihn nicht« - darin stimmen alle Zeugen überein.

Der Prozess wird am 10. Juni fortgesetzt.

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