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Das eigene Auto erkunden

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Von: Karen Werner

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Starthilfe ist kein Kunststück, demonstriert Frederike Stäblein den Teilnehmerinnen des Workshops der Gleichstellungsbeauftragten Friederike Stibane (mit gelbem Schal). © Karen Werner

Gießen (kw). Lass mich bloß in Ruhe, scheinen die Abdeckungen des Motorblocks zu sagen. Doch zwei, drei farbige Deckel und Ringe signalisieren: Hier darf die Laiin zufassen. Wie weit sie sich hier vorwagen können, lernen zehn Interessierte beim Workshop »Do It Yourself am Auto für Frauen - Durchblick unter der Motorhaube« der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Gießen, Friederike Stibane.

»Als junge Frau wollte ich ein Motorrad. Ein Freund schenkte mir zwei Kisten voller Teile und sagte: Daraus kannst du dir eines bauen. Ich hatte überhaupt keine Fachkenntnisse, aber am Ende ein Motorrad. Ich habe es erst vor kurzem verkauft.« Stibanes Augen leuchten, während sie von der Quelle ihrer Technikbegeisterung berichtet. Als im Dezember bei einer Veranstaltung die Referentin nebenbei erwähnte, Männer könnten manches besser, zum Beispiel Reifen wechseln, stand für Stibane fest: »Ich will Frauen Mut machen und den Spaß an Technik vermitteln.«

Als sie den Workshop im Rahmen des Programms zum Internationalen Frauentag ausschrieb, meldeten sich unerwartet zwei Fachfrauen. Constanze von Alvensleben, Geschäftsführerin des Autoteilehandels Wobst, und ihre Mitarbeiterin Frederike Stäblein, gelernte Kfz-Mechatronikerin, stehen der Gleichstellungsbeauftragten tatkräftig zur Seite.

Auf dem Gelände des Stadtreinigungs- und Fuhramts fahren die Teilnehmerinnen ihre Autos vor: Von der jungen Frau, die an ihrem betagten Golf vieles selbst macht, aber oft ihren Vater anrufen muss, »das nervt mich« - bis zur Älteren, die souveräner umgehen möchte zumindest mit »allem, was man vorn reinschüttet«.

Von Alvensleben verteilt Handschuhe. Die Motorhaube öffnen: Es hakt hier und da. Peinlich? Ach was, sagt Stäblein: »Viele männliche Kunden haben auch keine Ahnung.« Was etliche übrigens nicht davon abhalte, die Expertin misstrauisch zu fragen: »Können Sie mir überhaupt helfen?«

Ganz einfach ist das Nachfüllen von Wasser und Frostschutzmittel zum Scheibenreinigen. Ölstand messen kann ebenfalls jede. Oder? »Ich finde keinen Stab«, meldet eine BMW-Besitzerin. Tatsächlich fehlt er; der Bordcomputer übernimmt diese Aufgabe. Niemand muss sich schämen für die Frage, welches Öl - die Nummern müssen stimmen - oder welche Kühlerflüssigkeit - rot oder blau, heißen Motor erst abkühlen lassen - der Wagen braucht. »Die Werkstatt muss genauso nachgucken.«

Scheibenwischer sind erstaunlich leicht zu wechseln - bloß nicht auf die Scheibe knallen lassen. Und Scheinwerferbirnen? Bei vielen neueren Modellen muss dafür die Stoßstange abmontiert werden, weiß Stäblein, aber: »Probieren kann man’s, außer bei Xenon.« Beherzt pult Stibane an den Klammern des Vorderlichts herum: »Warum soll ich 40 Euro zahlen für so ein Birnchen? Man muss keine Angst haben.« Die eine oder andere beugt sich neugierig unter ihre Motorhaube.

Mal: Keine Angst - mal: Finger weg!

Manchmal indes heißt der Rat: Finger weg! Etwa wenn es um Bremsflüssigkeit geht. Bei einer Reifenpanne kann ein Erste-Hilfe-Spray das Warten auf den Abschleppdienst ersparen - dann jedoch sollte das Auto in die Werkstatt.

Zunehmend selbstbewusst erkunden die Frauen ihre Fahrzeuge und stellen Fragen. Antworten sind oft im Internet zu finden. Der nächstbeste Mann ist dagegen nicht immer die beste Adresse, selbst wenn er sich als fachkundig ausgibt. Frederike Stäblein jedenfalls erlebt Kunden, die ihr ihre Unwissenheit gestehen müssen und flüstern: »Sagen Sie das bloß nicht meiner Frau.«

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