Radfahren

Darauf sollten Gießener Radfahrer im Winter achten

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Jan Fleischhauer vom ADFC Gießen gibt Tipps fürs Radfahren in der dunklen Jahreszeit und zeigt auf, wo in Gießen Gefahren lauern. Dabei macht er der Stadt einen Vorwurf.

Radfahrer haben weder einen Airbag, noch Seitenaufprallschutz. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie sich auf die dunkle Jahreszeit richtig einstellen. Wir haben mit Jan Fleischhauer vom ADFC Gießen über die richtige Ausrüstung gesprochen, über angemessenes Verhalten – und über problematische Stellen für Radfahrer in der Stadt.

Herr Fleischhauer, worauf müssen Radfahrer in der dunklen Jahreszeit achten?

Jan Fleischhauer: Wer im Winter Rad fährt, muss sich gegen die Kälte wappnen. Vor allem Hände und Füße werden schnell kalt. Zwei Paar Socken helfen, aber nur wenn der Schuh nicht zu eng sitzt. Für die Hände sind gefütterte und winddichte Handschuhe sinnvoll, für den Körper winddichte Kleidung. Diese sollte bei längeren Strecken nicht zu dick gewählt werden, um nicht ins Schwitzen zu geraten. Dann hilft das Zwiebelprinzip mit mehreren dünnen Schichten übereinander. Auch Neoprenüberschuhe und eine atmungsaktive Regenhose helfen gegen eisige Temperaturen und Fahrtwind.

Und was ist mit dem Rad?

Fleischhauer: Wer Licht und Bremsen vor jeder Fahrt prüft, ist sicher unterwegs. Zum Schutz vor Nässe, Schmutz und Streusalz sollten alle beweglichen Teile am Fahrrad gut geschmiert sein. Wer regelmäßig auf Schnee und Eis unterwegs ist, kann auch Spikes-Reifen nutzen.

Welches Fahrverhalten sollten Radler im Winter an den Tag legen?

Fleischhauer: Bei Nässe oder Schnee ist es wichtig, Abstand zu halten und rechtzeitig vor Kurven das Tempo zu reduzieren, also frühzeitig und maßvoll zu bremsen. Das gleichzeitige, vorsichtige Bremsen an beiden Rädern ist der schnellste und sicherste Weg, zum Stehen zu kommen. Sollte bei überraschendem Glatteis gar kein Bremsen mehr möglich sein: Ruhe bewahren und ausrollen lassen. Mehr Halt auf der Fahrbahn ergibt sich, wenn man den Luftdruck im Reifen etwas absenkt. Wem es zu kippelig wird, kann auch den Sattel etwas absenken.

Autofahrer rechnen nicht mit Radfahrern, die auf Gehwegen fahren

Jan Fleischhauer

Welche Stellen in Gießen sind gerade im Winter für Radfahrer ein Problem?

Fleischhauer: Bei Schnee und Eis sind nicht geräumte Radwege das größte Problem. Städte, die Radverkehr wirklich fördern, räumen zuerst die Radwege und dann die Straßen. In Gießen veröffentlicht die Stadt noch nicht einmal einen Winterdienstplan, obwohl wir das seit Jahren anmahnen. Von daher müssen Radfahrer bei Schnee und Eis oft die Fahrbahn gemeinsam mit den Autos nutzen. Wenn der Radweg nicht gestreut oder geräumt ist, entfällt die Benutzungspflicht.

Wie sieht es an den Stadtausgängen aus?

Fleischhauer: Bei Dunkelheit werden Radfahrer auf Radwegen an Landstraßen von entgegenkommenden Autos oft stark geblendet. Dann sind die Radwegränder selbst mit guter Fahrradbeleuchtung kaum zu erkennen. Kommt ein Radfahrer entgegen, wird es oft eng. Zwischen der Automeile und dem Europaviertel sowie zwischen Langgöns und Holzheim wurde diese Gefahr bereits durch weiße Randmarkierungen am Radweg entschärft. Derartige Markierungen sind auf allen Radwegen an Landstraßen nötig.

Was sind die größten Fehler von Radfahrern, die sie in der dunklen Jahreszeit begehen können?

Fleischhauer: Das Befahren von Radwegen entgegen der offiziellen Fahrtrichtung und das Radfahren auf Gehwegen sind im Winter, aber auch im Sommer, die Hauptursachen für Unfälle, die von Radfahrern ausgehen. Dadurch werden nicht nur Fußgänger belästigt und gefährdet, sondern die Radfahrer gefährden sich auch selber. Denn die Autofahrer rechnen nicht mit Radfahrern, die auf Gehwegen fahren oder in der falschen Richtung auf dem Radweg unterwegs sind. Unfälle an Grundstückszufahrten und Kreuzungen sind dann die böse Konsequenz.

Und das Fahren ohne Licht?

Fleischhauer: Das kommt im Winter leider auch häufig vor. Überraschenderweise wirkt sich das aber kaum auf die Unfallbilanz aus. Ich kann dennoch nur jedem raten, stets mit Fahrradbeleuchtung zu fahren und sein Rad mit einem Nabendynamo nachzurüsten oder die Beleuchtung zu reparieren. Eine ansteckbare Batteriebeleuchtung ist inzwischen auch für alle Fahrradtypen erlaubt. Dann muss man aber auch regelmäßig daran denken, die Akkus zu laden.

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