Dank Offline-Krise gilt JLU als "cool"

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Gießen(kw). Der massive Hacker-Angriff am 8. Dezember hat der Gießener Justus-Liebig-Universität letztlich einen "Coolness-Faktor" beschert. Diese Einschätzung äußerte Uni-Präsident Joybrato Mukherjee am Mittwoch im Senat. "Wir hätten auch als die Deppen der Nation dastehen können." Doch der Umgang mit und die Berichterstattung über "JLUoffline" habe letztlich wohl anziehend auf Studieninteressierte gewirkt.

So jedenfalls interpretiere das Präsidium die vorläufige Studierendenzahl. Die knapp 26 000 Eingeschriebenen liegen - bei insgesamt sinkenden Zahlen - leicht unter dem Wert des Vorjahres. Darunter sind 950 Neuankömmlinge, nur 100 weniger als im Sommer 2019. Und das, obwohl hier normalerweise Programm- und Promotionsstudierende aus dem Ausland mitzählen, die diesmal wegen Corona nicht anreisen konnten. Mukherjees Fazit: Die befürchtete "Delle" durch den IT-Stopp blieb aus. "Wir haben das Beste daraus gemacht."

Hauptthema der Sitzung war indes die aktuelle Krise. Im März hatte sich das Uni-Parlament wegen der Covid-19-Pandemie per Telefonkonferenz verständigt. Nun tagte das Gremium erstmals wieder in Präsenzform in der Aula im Hauptgebäude. Dort ist nicht nur reichlich Abstand möglich. Auch die gute Akustik und Belüftung punktete im Vergleich zum sonst genutzten traditionsreichen, aber zu kleinen Senatssaal.

Das Studierendenparlament würde dort ebenfalls gern tagen, sagte ein Vertreter des Allgemeinen Studierendenausschusses AStA. Mukherjee blockte ab: Diesen Wunsch äußerten auch etliche Fachbereiche. Doch die ständige coronagerechte Nutzung der Aula sei organisatorisch nicht zu bewältigen, zumal die Aula der Verwaltung inzwischen häufig als Besprechungsraum diene.

Weitere Nothilfe für Studierende?

Den ersten rein digitalen Semesterstart in der JLU-Geschichte bewertete das Präsidium einhellig als "gut". Startschwierigkeiten speziell am 20. April habe es auch an anderen Hochschulen gegeben, unterstrich Vizepräsident Michael Lierz. Die JLU habe schnell mit Nachjustierungen reagiert und rüste weiter nach, auch bei der Hardware. Es seien immer auch Datenschutz-Vorgaben zu beachten. Es werde gelegentlich weiter "ruckeln".

Vizepräsidentin Verena Dolle rief dazu auf, sich mit den Studierenden auszutauschen, um so zu klären, welche Technik sich bewährt. Dozenten, die das ganze Semester problemlos digital lehren können, sollten das möglichst tun. Zwar ist es denkbar, dass die JLU ab 2. Juni wieder allmählich in die Präsenzlehre einsteigt. Doch dann werde viel Raum gebraucht.

Mukherjee ging indirekt ein auf Forderungen etwa des AStA, das "Corona-Semester" nicht zu zählen. Die Uni wolle keine Lebenszeit junger Menschen "vergeuden".

Über die bundesweiten Gremium "kämpfen wir weiter für eine schnelle Lösung für Studierende, die ihre Nebeneinkünfte verloren haben", so der Präsident. Sie solle bundesweit, verlässlich und für alle nutzbar sein. Er wünsche sich Zuschüsse statt Darlehen. Wie berichtet, war der hessische "Nothilfefonds" für Studierende innerhalb weniger Stunden erschöpft. Dolle wies hin auf das "Deutschlandstipendium". Das Interesse sei in den letzten Jahren zurückgegangen, werde nun vermutlich aber wieder steigen.

Lierz erklärte, das Online-Angebot des Allgemeinen Hochschulsports werde sehr gut angenommen. Unter anderem vermittelt es Bewegungs-Übungen für die Arbeitspause.

Kanzlerin Susanne Kraus erläuterte den Hochschulpakt. Die JLU kann sich - wie berichtet - über eine verlässlich steigende Finanzierung in den nächsten fünf Jahren freuen. Dafür muss sie aber auch einiges leisten, zum Beispiel mehr Professorinnen einstellen und Nachhaltigkeit stärker verankern.

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