Leben gerettet

Dank an die Gießener Spender von einst

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Eine Spendenaktion in Gießen rettete das Leben des herzkranken Wassili. 25 Jahre später dankt der Kasache den GAZ-Lesern und allen Unterstützern von einst.

Spendenbitte an GAZ-Leser: Herzkranker Wassili braucht dringend Hilfe". Dieser Aufruf in der Gießener Allgemeinen Zeitung fand überwältigende Resonanz. Firmen und Familien, Vereine und Schulklassen spendeten in der Adventszeit 1994 insgesamt fast 99 000 D-Mark für den damals zehnjährigen Kasachen, schrieben ihm Briefe, schickten ihm gute Wünsche, malten Herzen. 25 Jahre nach seiner ersten Operation am Gießener Universitätsklinikum blicken Wassili Kosel und seine Familie dankbar zurück.

Der mittlerweile 35-Jährige ist wohlauf und kann bis heute kaum fassen, dass so viele Menschen "mir, einem fremden Jungen aus einem anderen Land, geholfen haben, dass ich mein Leben weiter leben durfte". Als ihn jetzt die Anfrage der GAZ nach seinem Befinden erreichte, musste er schlucken vor Rührung, berichtet die Lahnauerin Frieda Subenko. Sie hat die Spendenaktion damals ins Rollen gebracht und nun Wassilis aktuellen Brief übersetzt. "Sie alle haben ein barmherziges Herz", schreibt der 35-Jährige. Seine Dankbarkeit sei "unendlich".

Subenko ist mit Wassilis Mutter Olga Kosel seit ihrer Jugend in Kasachstan befreundet und wurde für deren Sohn zur guten Fee. Der Junge kam mit einem schweren Herzfehler zur Welt, war schwach und schmächtig. An Herumtoben war nicht zu denken. Auf dem Schulweg begleiteten ihn seine Eltern, weil er nicht einmal den Ranzen tragen konnte.

Die Ärzte in Kasachstan diagnostizierten eine Fallotsche Tetralogie und operierten das Kind zweimal. Einen größeren Eingriff trauten sie sich nicht zu. Subenko gewann die Deutsche Herzstiftung als Partner, um Spenden für eine Operation in Gießen zu sammeln. Zunächst aktivierte sie die Firma Oculus in Dutenhofen, bei der sie arbeitete. Der Erlös der Weihnachtstombola ging an diesen guten Zweck. Als sich herausstellte, dass der Eingriff etwa 40 000 D-Mark kosten sollte, wandte sich die Herzstiftung an die GAZ.

Dass fast doppelt so viel Geld zusammenkam, erwies sich als großes Glück für Wassili. Denn sein Herzfehler war schlimmer als angenommen. Ein univentrikuläres Herz erkannten die Experten im Uniklinikum. Zwei Operationen in größerem zeitlichen Abstand wurden nötig, und das mit ungewissen Aussichten.

Dreimal waren Wassili und seine Mutter schließlich in Gießen. Insgesamt drei Monate lang waren sie Gäste der Subenkos, die zusammenrückten und sie liebevoll betreuten. Unter anderem feierte der Junge hier zweimal Geburtstag. Hautnah erfuhr er, wie sehr die Menschen mit ihm fühlten und ihm die Daumen drückten. Die Familie hat bis heute Dutzende von Glückwunschkarten aufbewahrt, auf denen Leser dem Jungen alles Gute wünschten und Mut zusprachen.

Nach dem ersten Eingriff erlebte Wassili einen unbeschwerten Sommer und kehrte gestärkt nach Gießen zurück. Für die riskante abschließende OP reichten seine Kräfte aber nicht aus. Sie gelang im zweiten Anlauf. Der mittlerweile Zwölfjährige erholte sich schnell. Zu Weihnachten 1996 kehrten Wassili und seine Mutter glücklich zurück nach Temirtau.

Ohne die Kette an Unterstützern, die damals in Gießen entstand, "wäre ich nicht mehr am Leben", schreibt Wassili Kosel. "Dank Ihnen konnte ich ein normales Kinderleben führen. Ich habe Informatik studiert, bin verheiratet, habe zwei tolle Söhne im Alter von elf und sechs." Vor vier Jahren zog die Familie aus Kasachstan nach Kaliningrad in Russland. Dort haben sie ein Haus gebaut. Wassili ist selbstständig als Händler für Tier- und Vogelfutter.

Der Kasache dankt den Oculus-Team ebenso wie der Herzstiftung, den Medizinern und Pflegern der Station Czerny sowie der GAZ und ihren Lesern. "Meine Eltern, meine Familie und ich verneigen uns vor Ihnen. Wir wünschen Ihnen Gesundheit und alles Glück der Erde."

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