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Annette und Jürgen Pascoe überreichen einen Scheck über 100 000 Euro. Prof. Werner Seeger und Lothar Zörb freuen sich mit den Pflegekräften.

Uni-Klinik

Dank an die „Helden von Covid-City“: Gießener Pflegekräfte erhalten 100.000-Euro-Spende

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Annette und Jürgen Pascoe haben den Pflegekräften der Gießener Uni-Klinik einen Scheck über 100.000 Euro überreicht. Es ist der Dank für ihre „großartige Leistung“ während der Corona-Pandemie.

Am Abend des 19. Dezember 2020 las Jürgen Pascoe den Artikel »Szenen aus Covid-City« in der Gießener Allgemeinen Zeitung. Darin beschrieb der Pfleger Tobias Kempff die Arbeit auf der Covid-Intensivstation. Er schilderte, wie die Kollegen unter den Schutzanzügen schwitzen, dass sie in stundenlangen Schichten kaum dazu kommen, einen Schluck Wasser zu trinken, dass es ein mehrstündiger Kraftakt ist, Patienten, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen sind, vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Und er gab zu, wie frustriert die Kollegen seien, dass sie bei den Boni-Zahlungen des Bundes leer ausgegangen waren.

»Das ist unglaublich. Das kann man doch nicht so lassen«, fand Jürgen Pascoe. »Uns hat diese Schilderung sehr berührt, denn diese Menschen gehen für uns alle an die Grenzen ihrer Kräfte«, ergänzt Annette Pascoe. Noch am selben Abend nahm sie Kontakt zum UKGM auf und stellte 100 000 Euro in Aussicht. »Wir können nicht viel zur Entlastung beitragen, aber monetäre Wertschätzung ist auch wichtig«, sagt sie.

Corona: Acht Monate Höchstleistungen an der Uni-Klinik Gießen vollbracht

Mittlerweile wurde nachgesteuert. Das UKGM hat eine Aufwandserstattung des Landes an Mitarbeiter aus Pflege und pflegenahen Bereichen weitergegeben. Außerdem gab es einen Tarifabschluss, bei dem mehr Lohn, mehr Urlaub und ein Corona-Bonus in Aussicht gestellt wurde.

Ist also nun alles gut? Ganz so einfach ist es leider nicht. »Die Krankenstände sind hoch, die Kollegen sind weit über ihr Limit gegangen«, sagt Kempff. Ein paar Wochen Dauerstress könne man verkraften, doch in der Pandemie seien es acht Monate gewesen, die rund um die Uhr Höchstleistungen erfordert hätten. Kempff befürchtet, dass die Zahl der Pflegekräfte, die die Intensivstationen verlassen, steigen werden. »Das ist ein Problem, denn das sind speziell ausgebildete Fachkräfte, die man nicht einfach ersetzen kann«. Kempff betonte, dass nicht nur auf den Covid-Stationen viel und hart gearbeitet worden sei und immer noch werde. Vielmehr sei die Bewältigung der Pandemie eine Teamleistung vieler verschiedener Abteilungen und Professionen. Personelle Umschichtungen und die Notwendigkeit, flexibel reagieren zu müssen, habe alle extrem gefordert.

Große Spende als Anerkennung für Gießener Pflegekräfte

Bei aller Sorge stand aber gestern erst einmal die Freude über die großzügige Spende im Vordergrund. »Wir waren total aus dem Häuschen, als wir von Pascoes Idee erfuhren«, sagt Kempff. 300 Pflegekräfte im UKGM werden von den 100 000 Euro profitieren. Da es der Geschäftsführung des Naturarzneimittelherstellers Pascoe wichtig war, dass die Pflegekräfte das Geld frei von Steuer- und Sozialabgaben auf ihr Konto bekommen, musste im Vorfeld geklärt werden, wie dies zu bewerkstelligen sei. Dies und die Bitte, das Geld zielgerichtet an die Pflegekräfte auszuzahlen, sorgte dafür, dass sich die Scheckübergabe mehrfach verzögert habe, erklärte Pflegedirektor Lothar Zörb.

Er freute sich ebenso wie Dr. Christiane Hinck-Kneip (kaufmännische Geschäftsführerin) und Prof. Werner Seeger (Ärztlicher Geschäftsführer) über die Spende des Unternehmens. Seeger: »Diese Anerkennung und Verbundenheit macht uns stolz«, In den vergangenen Monaten habe sich immer wieder gezeigt, dass die Bürger und Bürgerinnen Gießens den Einsatz des UKGM zu schätzen wissen. »Es tut gut zu wissen, dass die Öffentlichkeit wahrnimmt, was unsere Leute leisten«. Die aktuell niedrigen Infektionszahlen hätten auch im UKGM zu einer entspannteren Situation geführt, doch derzeit wisse niemand, was Delta und andere Mutanten für Auswirkungen haben werden. Seeger: »Wir hoffen sehr, dass die dritte Welle auch die letzte war«.

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